Fellige Profis mit Nerven wie Stahlseile

Offenau  Rettungshundestaffel Unterland und DLRG proben am Neckar ungewöhnlichen Einsatz.

Von Steffan Maurhoff

Ganz geheuer ist Chili die Sache nicht. Aber die achtjährige Hündin hat Mumm. „Hopp, auf geht’s“, ermuntert Nils Konrad aus Ellhofen seine Chili. Und schon springt die Rettungshündin am Neckarufer bei Offenau in ein Boot der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Das Boot schwankt, der Motor knattert, die Menschen um die tapfere Hündin herum sind laut und aufgeregt. Chili zittert ein bisschen. Aber dann macht sie brav neben ihrem Herrchen Platz – und ist ab sofort bereit für den Einsatz. So erledigen echte Profis nun mal ihren Job. Mit Nerven wie Stahlseile.

Zum Glück geht es an diesem Samstag nur um eine Übung. Erstmals führen die Rettungshundestaffel Unterland und die DLRG im Bezirk Heilbronn eine Großübung dieser Art durch. Zum ersten Mal erleben Hunde dabei, wie es ist, im Boot zum Einsatzort gebracht zu werden.

Die angenommene Situation für die insgesamt 50 ehrenamtlichen Retter hat es in sich: Bei einem Jugendcamp der Pfadfinder in Offenau machte ein schweres Unwetter aus einer harmlosen nächtlichen Schnitzeljagd einen Albtraum, sechs von zehn Pfadis sind verschwunden. Handys haben sie nicht dabei – das sollte die Schnitzeljagd erschweren. Es gibt Großalarm, die Rettungshunde müssen ran. Die Zeit drängt, denn es herrschen minus sechs Grad Kälte.

Fährtenarbeit

Walter Baer von der Rettungshundestaffel und Florian Krugmann von der DLRG koordinieren am Samstag alles als Einsatzleiter. „Es ist ein Novum“, sagt Baer über die Großübung mit der angenommenen Konstellation. Eine solche Situation hat es für die Unterländer zwar noch nicht gegeben. „Aber es könnte sein, dass es einmal eine Einsatzlage gibt, wo wir auch mal Hunde im Boot haben“, sagt Florian Krugmann. Bei einem runden Tisch aller Hilfsorganisationen war die Idee für die Übung geboren worden. Jetzt wird sie in Offenau durchgespielt.

Mit dabei sind auch Bungee und Yuma, die Hunde von Claudia Reiner aus Untergruppenbach. Als Medienbeauftragte der Rettungshundestaffel erklärt sie, wie die Einsatzteams vorgehen – und zückt erst mal eine grüne Plastikflasche mit Babypuder. Sie lässt das weiße Pulver aus der Flasche rieseln und erkennt dadurch, woher der Wind weht. Das ist wichtig für die Witterung des Tieres: „Ich lasse den Hund gegen den Wind suchen, nicht mit dem Wind.“

Reiner erklärt: „Flächenhunde suchen nach jeglicher menschlicher Witterung.“ Sie können also nicht eingesetzt werden wie so genannte Mantrailer, das sind Hunde, die gezielt die Witterung eines ganz bestimmten Menschen aufnehmen. „Wir haben Flächensuchhunde, um in kurzer Zeit ein großes Gebiet abzusuchen“, sagt Reiner.

Und genau darum geht es bei der Übung am Samstag. Zu insgesamt fünf Suchgebieten werden die Hunde von Offenau aus per Boot losgeschickt: zwei bei Bad Wimpfen, zwei bei Heinsheim und eines in Offenau selbst. In den bis zu 10 000 Quadratmeter großen Wäldern, Klingen und Uferstreifen stöbern die Hunde versteckte Personen und Dummys mit getragenen T-Shirts auf.

Chili, Bungee, Yuma und all ihre vierbeinigen Kollegen erledigen ihre Aufgaben gut, die Einsatzleitung ist zufrieden. „Man muss sehr schnell sein und sauber arbeiten“, erklärt Walter Baer. „Es geht um die Rettung von Menschen in Not.“

Ausbildung

Zwei bis drei Jahre dauert die Ausbildung der Hunde. Die Tiere lernen die Personensuche zunächst spielerisch beim Laufen, Riechen, Spielen, Bellen. Der Schwierigkeitsgrad wird nach und nach erhöht. Die Belohnung kann ein Leckerli sein oder ein Quietschetierchen. „Jeder Hund hat ein Faible, für das er alles macht“, erklärt Claudia Reiner von der Rettungshundestaffel. Weitere Infos unter www.rhs-unterland.de