Farbenfrohes Treiben bei Bilderbuchwetter

Talheim  Mit seinem Schlachtruf "Daale - Dalau" setzt sich der Talheimer Faschingsumzug in Bewegung. Rund 20 000 Zuschauer verfolgen das närrische Treiben mit 3500 Teilnehmern und 85 Gruppen.

Von unserem Redakteur Friedhelm Römer

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Der Verkäufer mit dem rollenden Brezelwagen bringt sich am Sonntagmittag auf der abschüssigen Hauptstraße schnell in Sicherheit. Kurz darauf setzt sich der Talheimer Faschingsumzug mit seinem Schlachtruf "Daale - Dalau" in Bewegung. Angeführt vom Infanterieregiment 121 Alt-Württemberg aus Ludwigsburg, das wie gewohnt mit einem Kanonendonner den Startschuss gibt. 3500 Teilnehmer in 85 Gruppen aus 70 Vereinen sind bei diesem Umzug im 44. Vereinsjahr unterwegs. Ähnlich wie 2013 säumen auch jetzt rund 20 000 Zuschauer, und zwar bei Bilderbuchwetter, die Straßen, schätzt Siegfried Grasi, Präsident des Talheimer Carnevalsvereins.

Hexen

"Das Publikum ist einfach toll hier", begründet Adolf Gast vom Infanteriegregiments, warum er mit seiner Mannschaft so gerne nach Talheim kommt. Gardemädchen in roten, blauen und weißen Uniformen, schaurige Hexen, Eisbären, die mit einem Party-Bus für Stimmung sorgen, haufenweise Prinzenpaare, Löwen, die den Zuschauern eine Konfettidusche verpassen, schräge Guggenmusiker und schrille Kostüme: Talheim ist am Sonntag ein kunterbuntes Durcheinander. Der kleine Kevin aus Lauffen hält immer ein wenig Abstand zur Straße, wenn die Hexen im Anmarsch sind. "Ich habe Angst vor den Hexen." Für Werner Jeltsch aus Bönnigheim und seine Familie ist es bereits der dritte Umzug in Talheim. "Früher waren wir immer mitten im Trubel", sagt er. Diesmal genießt er den Zug vom Parkdeck an der Hauptstraße aus.

Casino-Kleider

Einfallsreich sind die bunten Spielcasino-Kleider der Ditzinger Karnevalsgesellschaft Titzio, einer Guggenmusikgruppe. "Die Kostüme haben wir alle selbst genäht", erzählt Grit Großmann. Sie laufen direkt hinter den Schlepperfreunden aus Talheim, die in diesem Jahr eine Rikscha ins Programm genommen haben. Die Eisbären laufen nicht nur im Gaudiwurm mit, hin und wieder steht auch einer an der Straße. Zwei Deutschlandfahnen stecken in der Tasche, die der kleine Silas in seinem Eisbärenkostüm mittlerweile gut gefüllt hat. "Hier sind viele Vereine aus dem Stuttgarter Raum mit dabei, das macht den Umzug so interessant", sagt seine Mutter Katja Merkle, die früher selbst mittendrin war.

2003 war sie Königin in Leingarten. Derweil passen Christa und Michele Del Priore aus Lauffen auf die Ausbeute ihrer Kinder und vor allem Enkel auf. Dass Alexander Bürger mit seiner Frau und seiner eineinhalbjährigen Tochter Emilie den Zug verfolgt, ist für ihn selbstverständlich: "Als Talheimer ist dieser Umzug Pflicht."

Welchen Stellenwert der Talheimer Umzug im Vergleich zu den anderen in der Region Heilbronn genießt, kann Reinolf Walk nicht sagen. Er wird noch die bevorstehenden großen Umzüge miterleben. "Am Ende der Kampagne kann ich Ihnen sagen, welcher der beste war", verrät der Frankenbacher.

 

Prächtige Stimmung herrschte gestern Nachmittag an der Strecke. Bonbons und andere süße Sachen gab es für die Zuschauer zuhauf.

Fotos: Guido Sawatzki

Farbenfrohes Treiben bei Bilderbuchwetter

Auch ganz junge Gardemädchen waren schon fleißig mit dabei.

Farbenfrohes Treiben bei Bilderbuchwetter

Kanonendonner vom Infanterieregiment aus Ludwigsburg.