Experimenta Heilbronn: Bei der Lernwelt die Nase vorn (08.07.2009)

Heilbronn - Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe, weiß der Volksmund. Heilbronn baut gerade an einer Lern- und Erlebniswelt, die pro Jahr hunderttausend Besucher anlocken soll. In Stuttgart verfolgt man ähnliche Pläne. Mit einem wesentlichen Unterschied: Heilbronn hat die Nase vorn, weil die Experimenta bereits im Herbst ihre Pforten öffnet.

Von Siegfried Lambert

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Heilbronn - Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe, weiß der Volksmund. Heilbronn baut gerade an einer Lern- und Erlebniswelt, die pro Jahr hunderttausend Besucher anlocken soll. In Stuttgart verfolgt man mit einem Mobilitäts-Erlebniszentrum (MEZ) ähnliche Pläne.

Mit einem wesentlichen Unterschied: Heilbronn hat die Nase vorn, weil die Experimenta bereits im Herbst ihre Pforten öffnet. In der Landeshauptstadt werden noch Probleme gewälzt, die in der Käthchenstadt bereits gelöst sind.

Beispiel eins: die Finanzierung. Das Heilbronner Modell, Kostenpunkt: 31 Millionen Euro, ist eine Mischung aus Sponsorengeldern, Landeszuschüssen und kommunalem Engagement. Die Stadt Heilbronn gibt für das Vorzeigeprojekt 16 Millionen Euro. Darin eingeschlossen sind Zuwendungen der Wirtschaft und Landesmittel (siehe Hintergrund). Den Löwenanteil, 15 Millionen Euro, spendiert allerdings die Dieter-Schwarz-Stiftung. „Wir investieren in die Förderung junger und interessierter Menschen“, sagt Klaus Czernuska dazu, einer der beiden Geschäftsführer der Stiftung. Die Schwarz-Stiftung übernimmt auch den Großteil der laufenden Experimenta-Kosten.

In Stuttgart gestaltet sich die Suche nach Finanziers für das dortige 50-Millionen-Projekt bislang mühsam. OB Wolfgang Schuster muss zunächst auf Geheiß seines Gemeinderates 60 Prozent der Ausstattungskosten, rund sechs Millionen Euro, bei Unternehmen einwerben, bevor endgültig grünes Licht gegeben wird. Bisher liegen noch keinerlei Zusagen vor. Baubeginn soll deshalb erst 2010 sein. „Wenn das Geld bis dahin nicht da ist, wird die Stadtverwaltung auch keinen Baubeschluss vorlegen“, beruhigte Schuster erst vor einer Woche die Kritiker.

Beispiel zwei: die Unterbringung. Am Heilbronner Standort, einem ehemaligen Ölsaatspeicher aus den dreißiger Jahren am Neckar, sind die Umbauarbeiten erkennbar fortgeschritten. Die Lernwelt ist konzipiert und soll auf fünf Ebenen plus einem Untergeschoss stattfinden. In der Landeshauptstadt ist ein Gelände beim Cannstatter Wasen für das MEZ vorgesehen. Auf dem Areal des alten Straßenbahndepots soll ein Neubau für 25 Millionen Euro entstehen. Außerdem wird das Planetarium aus dem Schlossgarten dorthin umziehen.

Beispiel drei: die Ausrichtung. In Stuttgart dreht sich alles um das Thema Mobilität – im Mittelpunkt steht das Auto. Außer Grundüberlegungen kann man bislang nichts Konkretes vorweisen. Denn sogar Weltunternehmen wie Daimler, Bosch oder Porsche halten sich mit Zusagen auffallend zurück.

Die Heilbronner Experimenta-Macher können sich dagegen zurücklehnen und das Engagement zahlreicher regionaler Firmen vorweisen. Experimenta-Geschäftsführer Wolfgang Hansch erklärt, dass die Verbindung von „inszenierter Ausstellung, Talentschmieden und einer Akademie von jungen Forschern mit fünf Laboren einzigartig für ein Science-Center“ sei.

Im Hagenbucher werden den Besuchern gleich vier Themenwelten angeboten: E-Werk, Werkstatt, Netzwerk und Spielwerk. Alle nehmen dabei Bezug auf die Region. An der Entwicklung der 150 Exponate und als Sponsoren sind zahlreiche Unternehmen rund um Heilbronn beteiligt. Dazu gehören unter anderem Audi, EnBW, Gasversorgung Süddeutschland, Heilbronner Stimme, Südwestdeutsche Salzwerke, Würth und der Spantechnik-Spezialist Schunk.

Letzterer stellt gemeinsam mit weiteren Firmen einen Industrieroboter der neuesten Generation für die Ausstellungsetage Werkstatt bereit. „Seine mechatronische Hand bietet das gleiche Greifspektrum wie die eines Menschen“, versichert Andreas Hoch, Chef der Vorentwicklung bei Schunk in Lauffen.

Ein weiterer Clou: In der Abteilung E-Werk wartet eine kleine Wasserstoffrakete auf den Start. Das Publikum erzeugt per Ergometer elektrische Energie. Die wird zur Elektrolyse verwendet, also zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Anschließend folgt der Aha-Effekt: Der Besucher entzündet das Gasgemisch und der Wasserdampf treibt die Rakete an.


Ausstellung des Wissens

Die Experimenta will Naturwissenschaften und Technik mit einem neuen Konzept begreif- und erlebbar machen. Lernen bedeutet hier, spielerisch Zusammenhänge zu entdecken und dabei eigene Interessen und Talente herauszufinden. Zu 150 interaktiven Exponaten kommen sieben Werkstattbereiche - Talentschmieden genannt – die für alle Altersstufen Angebote bereit halten. Die „Akademie Junger Forscher“ will mit ihren fünf Laboren Vorschulkinder, Klassen und Gruppen ansprechen. Dort sollen unter qualifizierter Betreuung naturwissenschaftlich-technische Aufgaben gelöst werden.

Die Experimenta wird am Samstag, 14. November, eröffnet. Mehr dazu unter www.experimenta-heilbronn.de.