Entenrennen in Heilbronn: Schnabel an Schnabel ins Ziel

Heilbronn  5000 kleine Plastikenten schwimmen beim Rennen des Heilbronner Serviceclubs Round Table auf dem Neckar um die Wette.

Von Helmut Buchholz

 

Wie bestellt: Der Regen macht am Samstag erst mal eine kurze Pause. Genügend Zeit für einen Traum in Gelb, der nur einmal im Jahr Wirklichkeit wird, wenn der Heilbronner Serviceclub Round Table seine 5000 kleinen Plastikentchen an der Rosenbergbrücke in den Neckar kippt. Der Startschuss für ein Rennen der besonderen Art: Das Ziel liegt rund 500 Meter flussabwärts entfernt. Die Strömung des Neckars ist der Antrieb für die Quietsche-Enten, die sich Schnabel an Schnabel ins Ziel treiben lassen. 

An der Inselspitze haben die Helfer von Round Table eine Art Fangnetz aufgebaut. Zwei Feuerwehrschläuche gefüllt mit Luft bilden ein großes "V" an der Inselspitze der Friedrich-Ebert-Brücke. An der engsten Ecke des Buchstabens ist das Ziel, mit einem kleinen, natürlich gelben Schild markiert: Welche Ente wird wohl als Erste durch die kleine Öffnung schlüpfen?

Lose gehen weg wie warme Semmeln

Jede Ente hat eine Nummer. Schon seit Wochen verkaufen die Round Tabler die Ziffern als Lose, zum Beispiel beim Kinderfest im Wertwiesenpark, bei "Heilbronn bewegt sich" oder an Ständen in der Fußgängerzone. Selbst kurz vor dem Start gehen die Lose noch weg wie warme Semmeln. Auf die Gewinner warten beachtliche Preise. Für die schnellste Ente gibt es einen Reisegutschein im Wert von 2000 Euro. Indes, es sind nicht die wertvollen Preise, die die Spannung ausmachen. Denn vor allem Kinder fiebern mit, wenn die gelbe Plastikmasse den Neckar herunterschwimmt.

Da weht tatsächlich ein Hauch von Ascot am Neckarufer durch Heilbronn. Nur sind es eben keine Pferde wie bei dem berühmten britischen Rennen, die für Aufregung sorgen, sondern Badewannenentchen. Egal. 300 Zuschauer säumen das Neckarufer. Die Spannung ist besonders bei den Kindern und ihren Eltern so groß wie bei den "echten" großen Rennwettbewerben und den dazugehörigen Wetten dieser Welt. Zum Beispiel bei Ela (6) und ihrer Mutter Gülsen Topal. "Meine Tochter will unbedingt gewinnen", sagt die 27-Jährige. Ihr Gefühl sagt ihr: "Unsere Ente ist ganz vorne mit dabei." Logisch. Mitfiebern, Daumen drücken, das pusht den eigenen Favorit. Auch wenn das Tier im Wettbewerb nur aus Plastik ist.

Serviceclub will mit Einnahmen Kindern helfen

Dabei sein ist alles, auch beim Entenrennen des Round Tables. Gülsen Topal findet den ungewöhnlichen Wettbewerb jedenfalls "schön und interessant. Vor allem für die Kinder ist es spannend." Da kann Sarah Bocian nur zustimmen: "Ich bin zum ersten Mal hier mit dabei. Das ist doch eine schöne Idee." Außerdem tue man noch etwas Gutes, denn der Round Table unterstützt mit der Benefizveranstaltung etliche Projekte.

Rund 15.000 Euro nimmt der Serviceclub über die "Lotterie" ein, wie Round-Table-Präsident Christoph Färber das Ereignis auch nennt. Seit 15 Jahren gibt es das Rennen schon. Clubs in anderen Städten organisieren ähnliche Events. "Round Table hat sich auf die Fahnen geschrieben, Kindern zu helfen." Heilbronn liege am Neckar. So komme das eine zum anderen, erklärt der Präsident. "Und außerdem macht das Entenrennen Spaß."