Energiemärchen wird wahr

Wüstenrot - Bis 2020 will Wüstenrot mehr Energie erzeugen als verbrauchen. "Ein deutsches Energiemärchen", so heißt der Titel des Filmprojekts, den der neue Verein Energiewende Hohenlohe finanzieren will. Wüstenrot gehört zu den Gründungsmitgliedern, hat aber schon sein eigenes Energiemärchen, bislang einzigartig im Landkreis.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich

Wüstenrot - Bis 2020 will Wüstenrot mehr Energie erzeugen als verbrauchen. "Ein deutsches Energiemärchen", so heißt der Titel des Filmprojekts, den der neue Verein Energiewende Hohenlohe finanzieren will. Wüstenrot gehört zu den Gründungsmitgliedern, hat aber schon sein eigenes Energiemärchen, bislang einzigartig im Landkreis.

Das ist nun nicht mehr Fiktion, sondern wird Realität. Der Weg zur "Energieautonomen Gemeinde 2020" wird wissenschaftlich begleitet als bundesweit einmaliges Modellprojekt. Dafür gibt das Ministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin drei Millionen Euro, davon kann die Kommune 1,6 Millionen Euro ausgeben. In Partnerschaft mit der Hochschule für Technik Stuttgart und Firmen wird ein Energienutzungsplan aufgestellt und umgesetzt, der auf andere Kommunen übertragbar sein soll.

Meilensteine

Ein Viertel des Weges zur Energiewende sei bereits beschritten, sagt Bürgermeister Heinz Nägele bei der Pressekonferenz am Freitagmorgen. Als wesentlichen Meilenstein nennt er die kommunale Energieversorgung Mainhardt-Wüstenrot (EMW), 2009 gegründet, inzwischen im Besitz der Stromnetze der beiden Gemeinden.

Als zweiter großer Baustein ragt die Plusenergie-Mustersiedlung "Vordere Viehweide II" heraus, in der mehr Energie erzeugt werden soll, als benötigt. Ein Konzept, das funktioniert. Bereits zwei Drittel der Bauplätze sind verkauft. Das Einmalige am Bioenergie-Dorf ist eine neue Technologie: Agrothermie. Erdwärme wird per Wärmepumpe zum Heizen und Kühlen genutzt. .

Photovoltaikanlagen auf kommunalen und privaten Gebäuden gibt es bereits. Nun zeichnet sich auch Licht am Horizont beim Biomassekraftwerk ab. Zwei neue Investoren scheinen gefunden, die das Projekt im Gewerbegebiet Weihenbronn - von drei Millionen Euro ist die Rede - realisieren. Denkbar im Mix an erneuerbaren Energieträgern, mit denen die Gemeinde zum Selbstversorger mutieren will, ist auch Windkraft. Biogas jedoch, so Nägele, werde die Gemeinde mit Blick auf möglichen Widerstand aus der Bevölkerung selbst nicht forcieren.

Initialzündung

Auf vier Jahre ist das Forschungsprojekt der Stuttgarter Hochschule angelegt mit dem sperrigen Namen "Envisage (deutsch: ins Auge fassen): Kommunale netzgebundene Energieversorgung - Vision 2020 am Beispiel der Gemeinde Wüstenrot". Dr. Dirk Pietruschka erhofft sich eine Initialzündung von Wüstenrot, die sich explosionsartig verteile. Der Fahrplan zur Energiewende werde als Ratgeber anderen Kommunen an die Hand gegeben. "Wir wollen den Bürger mitnehmen", macht Nägele deutlich, ihn überzeugen, dass sich der Anschluss an ein örtliches Nahwärmenetz lohne. "Wir erhoffen uns Aufbruchstimmung durch solche Leuchtturmprojekte."