Am Atomkraftwerk Neckarwestheim beginnt der Abriss

Neckarwestheim  Bis zu 15 Jahre kann der Abriss von Block 1 des Atomkraftwerks Neckarwestheim dauern - am heutigen Montag geht es offiziell los.

Von unserer Redaktion und dpa

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Umweltminister Franz Untersteller spricht im Maschinenraum des Atomkraftwerks in Neckarwestheim. Foto: dpa

Die EnBW beginnt heute offiziell mit dem Abbau des 1976 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerks GKNI.

"Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Beendigung der Atomenergie in Deutschland." Das sagte Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) beim symbolischen Rückbaustart am Mittag. Er sicherte zu, dass die Atomaufsicht genau kontrollieren werde, dass der Abbau den Vorgaben entsprechend umgesetzt wird. 

EnBW-Technikvorstand Hans-Josef Zimmer zeigte sich stolz, dass die Abbauarbeiten bereits im Februar beginnen konnten - als erstes von den acht im Jahr 2011 abgeschalteten Kernkraftwerken. Im Februar hatte der Karlsruher Energieversorger vom baden-württembergischen Umweltministerium die Genehmigung für den ersten Rückbau-Schritt erhalten. Den Antrag dafür hatte die EnBW im Mai 2013 gestellt.

Kernkraftgegner kritisieren Genehmigungsverfahren

Atomkraftgegner hatten mit Blick auf das Genehmigungsverfahren die aus ihrer Sicht mangelhafte Beteiligung der Öffentlichkeit kritisiert, die formal nur für die erste Rückbaugenehmigung vorgesehen ist. Scharfe Kritik äußern Kernkraftgegner zudem am Umgang mit sogenannten freigemessenen Stoffen. Das ist Material, dessen Restrahlung unter einem extrem niedrigen Grenzwert liegt und auf bestimmten Deponien entsorgt werden darf. Aus Sicht der Anti-Atom-Gruppen sollten diese Stoffe auf dem Kraftwerksgelände bleiben.

Weitere AKW-Abrisse

Import Eisenmenger Bilder / September 2015
Das Reaktorgebäude von GKN I wurde so konstruiert, dass es Abstürzen leichterer Flugzeuge standhalten kann. So robust wie die Kuppel von GKN II ist es allerdings nicht.

Nicht nur in Neckarwestheim, auch an anderen AKW-Standorten werden die Meiler abgerissen. Das einst älteste deutsche AKW in Obrigheim wurde 2005 abgeschaltet und wird seit 2008 abgerissen. Seit letztem Jahr ist der Reaktordruckbehälter - das Herzstück der Anlage - zerlegt. 2025 soll der Abriss der Atomanlagen abgeschlossen sein. Ob die restlichen Gebäude weiter genutzt oder abgerissen werden, steht noch nicht fest.

Für Block 1 in Philippsburg, der 2011 vom Netz ging, wird die Genehmigung für den Abriss bis zum Sommer erwartet. Die EnBW geht davon aus, dass der Abriss ebenfalls bis zu 15 Jahre dauern kann. Block 2 darf noch maximal bis Ende 2019 Strom erzeugen. Genehmigungen für Abriss und Stilllegung sind beantragt. 2035 wäre man dann durch.

AKW-Abriss in Baden-Württemberg

Spätestens 2022 wird in Baden-Württemberg kein Atomstrom mehr produziert. Bis alle Atomanlagen verschwunden sind, dürfte es aber noch bis Mitte der 2030er-Jahre dauern.

  • OBRIGHEIM: Das einst älteste AKW in Deutschland wurde 2005 abgeschaltet und wird seit 2008 abgerissen. Seit letztem Jahr ist der Reaktordruckbehälter - das Herzstück der Anlage - zerlegt. 2025 soll der Abriss der Atomanlagen abgeschlossen sein. Ob die restlichen Gebäude weiter genutzt oder abgerissen werden, steht noch nicht fest.

  • NECKARWESTHEIM: Der Block 1 wurde im Jahr 2011 abgeschaltet. Im Februar wurde der Abriss genehmigt, die Arbeiten laufen seit März. Die EnBW geht davon aus, dass sie 10 bis 15 Jahre lang dauern. Block 2 darf noch bis maximal 2022 Strom liefern. Mit seiner Abschaltung könnte das Atomzeitalter im Südwesten endgültig enden.

  • PHILIPPSBURG: Für Block 1, der auch 2011 vom Netz ging, wird die Genehmigung für den Abriss bis zum Sommer erwartet. Die EnBW geht davon aus, dass der Abriss ebenfalls bis zu 15 Jahre dauern kann. Block 2 darf noch maximal bis Ende 2019 Strom erzeugen. Genehmigungen für Abriss und Stilllegung sind beantragt. 2035 wäre man dann durch.

 

Rückblick: GKN II wird 1989 eingeweiht

Im Vorfeld von heftigen Protesten der Atomkraftgegner begleitet, beginnt der Bau des Gemeinschaftskernkraftwerkes II in Neckarwestheim 1982. Eingeweiht wird es am 12. März 1989. Von Dezember 1988 bis Januar 1989 findet die stufenweise Inbetriebnahme statt. Mit einem Investitionsvolumen von fast 5 Milliarden Mark ist das Atomkraftwerk das gewaltigste Bauwerk, das je in Baden-Württemberg gebaut wurde. GKN II soll bis 2022 Strom liefern.

 

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