Der neue Lidl

Neckarsulm  Der Talweg in Offenau dürfte in den kommenden Wochen zu einer Pilgerstätte für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel werden: Lidl eröffnet dort am heutigen Donnerstag den ersten deutschen Markt der neuen Filialgeneration.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

 

Hier wird deutlich, in welche Richtung sich das Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln möchte - und zwar nicht durch irgendwelche Absichtserklärungen, sondern in Glas, Aluminium, Holz und erstaunlich wenig Beton.

Nicht nur Kunden können dort das erleben, was das Unternehmen als Lidl der Zukunft positioniert. Auch Wettbewerber werden sich zuhauf aufmachen nach Offenau, um die neuesten Ideen aus Neckarsulm in Augenschein zu nehmen.

Vorstellung

Für Lidl ist der neue Filialtyp ein Meilenstein in der Entwicklung vom schäbigen Billigmarkt zur Einkaufsstätte für die Mitte der Gesellschaft. "Das ist eine große Sache für uns", kommentiert Sven Seidel, Vorstandschef des Neckarsulmer Einzelhandelsriesen. "Dieser Filialtyp vermittelt eine Vorstellung davon, wofür wir als Lidl stehen wollen." In Italien und Großbritannien hat das Unternehmen bereits erste Erfahrungen mit dem neu gestalteten Typ gesammelt.

Der neue Deutschland-Chef Marin Dokozic hat die Heilbronner Stimme exklusiv vorab durch die Filiale geführt. "Wir bleiben unseren Lidl-Wurzeln als Discounter treu, haben unseren Filialtyp aber entlang der Kunden- und Mitarbeiterbedürfnisse weiterentwickelt", sagt Dokozic. Der 40-Jährige, der seit 2002 für Lidl arbeitet und nach dem klassischen Einstieg als Verkaufsleiter unter anderem in Kroatien und in Portugal in Führungspositionen tätig war, möchte den Kunden auf 1200 Quadratmetern neben der Ware mehr Einkaufserlebnis bieten.

Wachstum

Marin Dokozic strahlt: "Das ist ein Vorgeschmack auf die Zukunft." Damit soll das Unternehmen auf dem Wachstumspfad bleiben - gegen den Discount-Trend hat Lidl mit seiner Strategie in den vergangenen Monaten Marktanteile gewonnen. Im Geschäftsjahr 2014/15 lag der Umsatz von Lidl Deutschland bei 18,6 Milliarden Euro, weltweit setzten die Neckarsulmer 59 Milliarden Euro um.

Schon von außen kommt der neue Lidl in Offenau ganz anders daher. Die Glasfront sorgt für Transparenz und Helligkeit, die hohe Decke mit den offenen Holzträgern aus nachhaltiger Bewirtschaftung für ein neues Raumgefühl.

Gleich nach dem Eingang trifft der Besucher aber auf Discount-typische Paletten - die Vergangenheit lässt grüßen. "Da bleiben wir bei unseren Wurzeln." Im Inneren wird die Ware aber - auch mithilfe neuer LED-Spots - inszeniert. "Die Ware soll sprechen", erklärt Dokozic. Das spart zugleich Energie. "Wir haben überall Messgeräte angebracht, damit wir sehen können, wo wie viel Energie verbraucht wird." Nicht nur bei Neubauten komme die Technik zum Einsatz, sondern auch dann, wenn Filialen aufgerüstet werden, betont er.

Nicht alle Neuigkeiten kann der Kunde sofort oder überhaupt sehen: Für die Mitarbeiter gibt es ansprechende Aufenthaltsräume - die Neckarsulmer arbeiten daran, ihr Arbeitgeberimage zu verbessern. Eine ergonomische Verbesserung für die Mitarbeiter bieten die neuen Kassen - und die Kunden haben mehr Platz für ihre Einkäufe.