Demonstration gegen Castor-Transport in Heilbronn

Heilbronn - 500 Anti-Atomkraft-Gegner demonstrierten in der Heilbronner Innenstadt gegen Castor-Transporte mit Atommüll. Der Protestzug bewegte sich am Samstag vom Hauptbahnhof über die Badstraße zum Kiliansplatz.

Von Kilian Krauth

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Heilbronn - Als Architekt Holger Feldmann Demonstranten an seinem Büro in der Bahnhofsvorstadt vorbeiziehen sieht, klinkt er sich spontan ein. Susanne Pitzer aus Flein kam gezielt. Die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 lasse ihr keine Ruhe. „Mein Sohn war damals zwei Monate alt. Man wusste nicht, was mit der Milch ist, und das Gemüse musste untergepflügt werden.“ Seitdem lässt die heute 51-Jährige kaum eine Anti-Atomkraft-Demo in der Region aus.

Stopp-Kellen

Mit „gut 500 Teilnehmern“ hatte man nach Angaben von Gottfried May-Stürmer vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gerechnet. 568,5 sollten es sogar laut einem witzigen Internet-Demo-Skop des Mitveranstalters Energiewende Heilbronn werden. Die Polizei sprach zunächst von 350, dann von 450. Schließlich zogen rund 500 vom Hauptbahnhof zum Kiliansplatz, um gegen die für Anfang November geplanten Castor-Transporte zu demonstrieren. Verkehrsbehinderungen hielten sich laut Polizei in Grenzen.

Während Aktivposten wie Michael Knoll und Gudrun Frank Anti-Atomkraft-Fähnchen verkauften und Stoppt-Castor-Kellen verschenkten, versuchte zunächst Uli Stiefel mit seiner Band Folk 4 Fun, die Stimmung anzuheizen. „Wir sind schon da!“, rief Hauptredner Franz Wagner von der Ladefläche eines Lkw, an dem zwölf Castor-ähnliche Fässer lagerten.

Der Arzt erinnerte, dass bei einem Castor-Transport vor zwei Jahren nur fünf Demonstranten am Hauptbahnhof aufgetaucht seien. Diesmal gingen in bundesweit 120 Orten rund 20.000 auf die Straße. Wagner rief zu friedlichen, aber möglichst vielfältigen Protestformen auf: von Bus-Sonderfahrten über Sitzblockaden bis hin zu Kerzen in den Fenstern entlang der Route. Die meisten Castor-Transporte seien von Frankreich her über Heilbronn durchs Jagsttal in Richtung Gorleben gefahren, oft ohne dass dies die Bevölkerung wahrgenommen hätte.

Bei der Abschlusskundgebung betonte René Engelhorn vom Aktionsbündnis Atommülllager Obrigheim, dass es mit Rufen nach „Abschalten!“ nicht getan sei. Gleichzeitig müsste der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden. Dies sei nicht nur für Umwelt und Klima gut, sondern schaffe auch regionale Arbeitsplätze.

Dinosaurier

„Atomkraftwerke sind Dinosaurier des kalten Krieges“, sagte der Pfarrer der Heilbronner Nikolaikirche, Ulrich Koring, in seiner mit biblischen Anspielungen gespickten Rede. Er sprach auch von Symbolen einer „unheilvollen Hochzeit von Macht und Geld“ und vom „Tanz um den goldenen Stier Kernkraft“. „Packen wir ihn an den Hörnern, damit wir wieder die Hoheit über Erde, Luft und Wasser bekommen: mit erneuerbarer Energie, regional und gemeinschaftlich.“

Castortransport

Ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll wird wahrscheinlich auch durch die Region führen und am 6. oder 7. November im niedersächsischen Zwischenlager Gorleben erwartet. Die Deutsche Polizei-Gewerkschaft rechnet dann mit bis zu 50.000 Demonstranten, mehr als 16.500 Polizisten werden im Einsatz sein.


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