Chemiefässer lösen Protest aus

Pfaffenhofen - Rostende Chemiefässer auf dem offen zugänglichen Gelände des früheren Betonwerks Volland in Pfaffenhofen empören Bürger im Ort. Sie sorgen sich um die Umwelt und um Kinder.

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Chemiefässer lösen Protest aus
Ein Stein des Anstoßes: rostende Fässer mit Warnzeichen, die offen auf dem Gelände des alten Betonwerks stehen. Der Verwalter muss die Fässer entfernen.Fotos: Friese

Pfaffenhofen - Als zwei Mitglieder des Vereins "Zabergäu pro Stadtbahn" die alten, zugewucherten Gleise ablaufen, erlebten sie vor wenigen Tagen für sie empörende Anblicke. Auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks Volland in Pfaffenhofen sehen sie eine große Zahl rostiger Chemiefässer auf freier Fläche, die durch keinen Zaun abgeschirmt ist.

"Gesundheitsschädlich bei Einatmen, Verschlucken und Berührung mit der Haut", steht auf einem großen Kanister mit der Aufschrift Lackverdünnung. In einer Ecke des Geländes erregt ein tiefes Betonbecken mit modrigem, pflanzenbesetzten Wasser die Aufmerksamkeit der Männer. Grobkantiger Betonschutt, Metalltteile, schrottreife Autos liegen zudem auf dem Areal.

Für Wilhelm Hötzl (57) sind vor allem die Rostfässer "ein krasser Fall von Umweltverschmutzung". Mehrere Brunnen lägen in direkter Nähe. Da in 150 bis 300 Meter Entfernung Sportplatz, Schule und Kindergarten liegen, sieht er in dem Gelände ohne Zaun zudem eine Riesengefahr für spielende Kinder. "Wenn da ein Kind in das Becken fällt..."

Im Betonwerk

Volland arbeitet niemand mehr. Bereits 2007 wurde die insolvente Firma im kleinen Zabergäuort zwischen Güglingen und Zaberfeld mangels Einnahmen stillgelegt. Ein Zwangsverwalter ist für das Gelände verantwortlich. Im vorderen Areal hat sich wieder Leben angesiedelt, zwischen Autoreifen und alten Autos werkeln Arbeiter.

Zaun gefordert Gottfried May-Stürmer, BUND-Regionalgeschäftsführer, hat Fotos vom Gelände gesehen und sofort das Landratsamt alarmiert. "Man weiß ja nicht, was in den Fässern ist. Man muss mit dem Schlimmsten rechnen", sagt er. Jeden Tag könne dort "ein Unglück" passieren. Ein vernünftiger Zaun um das Areal wäre "das Allermindeste". Der Eigentümer habe da eindeutig Verantwortung.

Landratsamt und Polizei sahen sich Gelände und Fässer an. Der Zwangsverwalter wurde aufgefordert, "die eventuell umweltgefährdenden Stoffe umgehend zu beseitigen", teilt Kreissprecher Hubert Waldenberger gestern auf Nachfrage mit. Dies habe man telefonisch und schriftlich angemahnt. Eine Gefahr im Verzug wie ein Versickern von Chemikalien sei nicht erkennbar gewesen. Die Frage nach einem Zaun bewertet die Behörde anders. Es sei Industriegebiet. Da habe man keine rechtliche Handhabe, einen Zaun vorzuschreiben. Man dürfe in einem Sondergebiet Derartiges offen lagern, in einem Wohngebiet sei es etwas anderes. Dennoch: Was das Wasserbecken betrifft, hat das Amt den Verwalter ebenfalls aufgefordert, die Gefahr zu beseitigen. Waldenberger: "Da liegt die Verkehrssicherungspflicht beim Eigentümer."

Illegaler Schutt

Glücklich mit dem Anblick auf dem Gelände ist auch Pfaffenhofens Bürgermeister Dieter Böhringer nicht. Er berichtet von jüngsten Anlieferungen von Bauschutt, wofür gar keine Genehmigung vorgelegen habe. "Da habe ich mich mit einem Fahrzeug der Gemeinde selbst vor einen Lastwagen gestellt und weitere Lieferungen verhindert", berichtet Böhringer.

Chemiefässer lösen Protest aus
Offen zugänglich: das Firmengelände an den alten Bahngleisen.
Chemiefässer lösen Protest aus
Auch in diesem Becken sehen Bürger und Landratsamt eine Gefahr.