Castor-Transport: Polizei zieht positive Bilanz

Neckarwestheim/Obrigheim  Mit dem Verlauf des Einsatzes beim Castor-Transport auf dem Neckar am Mittwoch zeigt sich die Polizei zufrieden.

Von Adrian Hoffmann und Alexander Klug

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 „Sicherheit ging vor Geschwindigkeit“, sagt Polizeisprecher Roland Fleischer von Polizeipräsidium in Göppingen. Der Einsatz sei wie geplant verlaufen und Verzögerungen durch Aktivisten, „das war für uns irgendwie zu erwarten“, so Fleischer. Die Einsatzkräfte hätten diese Situationen wie in Bad Wimpfen, wo sich Atomkraft-Gegner von der Brücke über den Neckar abseilten, dann „unaufgeregt“ gelöst. Die Aktivisten „konnten ihr Recht auf Versammlungsfreiheit und damit ihre Grundrechte wahrnehmen“, sagt Fleischer weiter.

Zu Kritik von Verkehrsteilnehmern, die sich über lange Sperrungen beklagen, meint Fleischer: „Wir werden den Einsatz nachbereiten und vielleicht können wir uns hier ein bisschen verbessern.“ Für sie stehe Sicherheit an erster Stelle, der Verkehrsfluss solle aber dennoch möglichst unbeeinträchtigt bleiben.

Wie viele Kräfte am Mittwoch eingesetzt wurden, dazu macht das Polizeipräsidium Einsatz keine Angaben. Soviel kann Roland Fleischer sagen: „Es waren einige hundert Beamte zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser im Einsatz.“ Vielen Menschen in der Region, die den Castor-Transport nicht mitbekommen hatten, waren die Polizeihubschrauber aufgefallen, die das Schiff den Tag über begleitet hatten.

 

 

Castor-Transport durchquert die Region

Rund 13 Stunden dauerte der Atommülltransport auf dem Neckar von Obrigheim nach Neckarwestheim. Die Polizei sicherte den Transport mit einem Großaufgebot. Kritiker bezweifeln den Sinn des Transportes.

 

 

 

Zahlreiche Menschen sind auf Parkplätze, Bootsanlegestellen oder einfach ans Neckarufer entlang der 50 Kilometer langen Strecke geströmt, um den Transport der besonderen Art zu sehen. Ein großes Schiff mitten auf dem Fluss, Polizei in Booten, in Hubschraubern, auf Pferden, in Mannschaftsbussen, unsichtbarer Atommüll in drei gepanzerten Castor-Behältern.

„Also ich habe das Gefühl, dass genug für die Sicherheit getan worden ist“, meint eine Frau auf ihrem Balkon in Neckarzimmern. „Es ist traurig, dass nach den vielen Jahren immer noch nicht klar ist, wohin mit dem strahlenden Müll“, sagt ein Autofahrer, der die gesperrte Brücke bei der Gundelsheimer Schleuse nicht passieren kann und mit vielen anderen Autofahrern im Stau steht. „Schade, ich hatte nur eine Viertelstunde Pause und jetzt kommt das Schiff nicht“, bedauert ein Lkw-Fahrer am Gundelsheimer Neckarufer.

 

Zahlreiche Protestaktionen

Nicht alle sehen den Transport entspannt: Bereits bei der Fahrt des noch leeren Schiffes hatte sich Protest formiert, an der Gundelsheimer Schleuse versammeln sich Aktivisten, um ihren Protest zum Ausdruck zu bringen – die meisten von ihnen waren auch gestern bei der Demonstration in Heilbronn wieder mit von der Partie. In Bad Wimpfen und Horkheim seilen sich Aktivisten von Brücken ab und können den Transport für eine Weile aufhalten.

 

 

In Heilbronn endet eine angekündigte und genehmigte Demonstration mit ein paar Teilnehmern, die von Polizisten von der Karlsruher Straße getragen werden müssen. „Das gehört dazu, da gibt es bei einer so langen Transportroute mit Brücken und Schleusen keine absolute Sicherheit“, sagt ein Polizeisprecher.

 

 

 

Streit über Sinn des Transports

Die Aussagen, was Notwendigkeit und Sicherheit des Transports angeht, gehen weit auseinander. Der Energieversorger EnBW versichert, allein die massive, tonnenschwere Metallkonstruktion der Castor-Behälter gewährleiste den „Schutz von Mensch und Umwelt“, wie das Unternehmen schreibt – Tests hätten das bewiesen.

Während des Transports sind die Castoren auf Fahrzeugen fixiert, die wiederum im Schiff fest verankert werden. Durch die Verlagerung der Brennelemente nach Neckarwestheim werde der Bau eines weiteren Zwischenlagers in Obrigheim überflüssig, der Standort könne schneller wieder zu Nutzfläche werden. Platz gebe es in Neckarwestheim als Folge des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie genug.

Kritiker sehen Sicherheitsrisiken

Das sehen die Kritiker anders. Sie monieren, dass das Unternehmen schlicht aus Kostengründen auf den Bau eines eigenen Zwischenlagers in Obrigheim verzichtet. „Jahrzehntelang hat sich beim Thema radioaktiver Müll viel zu wenig getan. In Obrigheim liegt noch deutlich mehr davon, als die Menge, die jetzt abtransportiert wird. Und der bleibt dort, so lange es kein Endlager gibt“, sagt Herbert Würth. „Und das kann noch sehr lange dauern.“ Der Ludwigsburger ist Sprecher des Bündnisses „Neckar castorfrei“ und Versammlungsleiter vor Ort.

Außerdem sei die Sicherheitslage im Neckarwestheimer Zwischenlager unsicherer als vom Betreiber behauptet. „Die Stollen gehörten zu einem alten Steinbruch. Wo es da vom Wasser ausgewaschene Hohlräume gibt, weiß kein Mensch.“ Mit Megafon, Transparenten und Unterstützung durch einige Mitstreiter bringt er diese Argumente auch auf der autofreien Otto-Konz-Straße in Heilbronn zum Ausdruck – bis das Castorschiff hinter der nächsten Flussbiegung verschwindet.

 

Neckarwestheim zieht gegen Transporte erneut vor Gericht

Der Gemeinderat von Neckarwestheim hat am Mittwochabend beschlossen, gegen die Castor-Transporte von Obrigheim weitere Rechtsmittel einzulegen. Die Gemeinde will beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ins Beschwerdeverfahren gehen. Ein Eilrechtsschutzantrag gegen die Transportgenehmigung war beim Verwaltungsgericht Berlin in erster Instanz gescheitert