Bus soll schneller und flexibler werden

Region  Region - Die Bürger im Landkreis Heilbronn sind insgesamt gut an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen. Zu diesem Ergebnis kommt der Entwurf des Nahverkehrsplans für den Stadt- und den Landkreis Heilbronn, den das Büro PTV Group am Montag dem Verwaltungsausschuss des Kreistags vorgestellt hat.

Von unseren Redakteuren Christian Gleichauf und Wolfgang Müller

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Der Schienenverkehr verändert die Strukturen des ÖPNV. So wird auch die Stadtbahn Nord ab Ende des Jahres neue Taktzeiten und Verbindungen zur Folge haben.

Region - Die Bürger im Landkreis Heilbronn sind insgesamt gut an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen. Zu diesem Ergebnis kommt der Entwurf des Nahverkehrsplans für den Stadt- und den Landkreis Heilbronn, den das Büro PTV Group am Montag dem Verwaltungsausschuss des Kreistags vorgestellt hat. Schwächen zeigt das Gutachten in dünn besiedelten Randbereichen auf. Die größte Veränderung im ÖPNV wird es mit der Stadtbahn Nord geben. Im Herbst soll der Nahverkehrsplan beschlossen werden.

Wie verändert sich der Bedarf in Stadt- und Landkreis?

Die Einwohnerzahlen in der Region haben sich positiv entwickelt und bleiben stabil. Insgesamt nehme die Nachfrage leicht zu. Allerdings ist eine Verschiebung zu beobachten: Mehr Senioren werden hier leben und sich bewegen, Schülerzahlen sinken. In einzelnen Kommunen und damit auch auf einzelnen Strecken wird dies besonders deutlich zu beobachten sein. Dazu kommt: Durch die Stadtbahn Nord sollen täglich 6500 Fahrgäste zusätzlich den ÖPNV benutzen. Ansonsten gibt es teils gegenläufige Trends im Pendlerverkehr und im Freizeitverhalten, was insgesamt eine Flexibilisierung des Angebots erfordert.

Wo liegen die größten Defizite?

Nach Würzburg, Mannheim, Heidelberg und Mosbach ist die Anbindung auf der Schiene unzureichend. Besonders die Frankenbahn wirkt sich negativ auf Landkreis-Kommunen aus. Neben dem Schienennetz decken 55 Buslinien den Landkreis ab. Sie verbinden Städte, Gemeinden und deren Ortsteile sowohl untereinander als auch mit der Stadt Heilbronn. Sie sorgen auch für eine Anbindung an den Schienenverkehr. Erschließungslücken sind in Siedlungsrandbereichen und kleineren Siedlungsflächen mit weniger als 200 Einwohnern zu finden.

Welche Veränderungen hat die Stadtbahn Nord zur Folge?

Wenn im Dezember dieses Jahres die Stadtbahn Nord Fahrt aufnimmt, bleibt zwischen Heilbronn und Mosbach kaum ein Stein auf dem anderen. Zumindest was den ÖPNV angeht. Denn die Regionalbahn (RB) aus Richtung Stuttgart endet in Neckarsulm mit Anschluss an die Stadtbahn. Neckarsulm wird zentraler Umsteigebahnhof. Die Stadtbahn Nord fährt von Heilbronn aus im 20-Minuten-Takt bis Bad Friedrichshall. Von dort geht es im Stundentakt weiter Richtung Mosbach. 2014 folgt der Abzweig über Bad Wimpfen nach Sinsheim.

Das hat Auswirkungen auf den Busverkehr, für den der Landkreis Heilbronn verantwortlich ist. Die Linien von Heilbronn zu den Anliegergemeinden der Stadtbahn Nord entfallen. "Wir wollen die Stadtbahn ja nicht mit Parallelverkehr konterkarieren", sagt Lutz Mai, der Erste Landesbeamte im Landratsamt.

Trotzdem spare der Landkreis dadurch nichts ein, betont der Chefverkehrsplaner im Landratsamt, Claus-Jürgen Renelt. Vielmehr wird das Regionalbuskonzept für die Kommunen entlang der Stadtbahn neu konzipiert. Busse fahren künftig nicht mehr nach Heilbronn und zurück. Sie werden vielmehr Zu- und Abbringer zur Stadtbahn sein - mit höherer Taktung. Anstatt weniger langer Strecken fahren die Busse mehr kürzere Strecken.

Wie wird man künftig der Sonderstellung von Neckarsulm gerecht?

Neckarsulm hat mit seinen mehr als 30 000 Arbeitsplätzen ein großes Einzugsgebiet. Damit insbesondere die Audi-Beschäftigten die Stadtbahn Nord künftig optimal nutzen können, sollen Schichtzeiten und Fahrpläne aufeinander abgestimmt werden. Ob zusätzliche Buslinien etwa aus dem Lein- oder Sulmtal eingerichtet werden, steht noch nicht fest. Auch könnten einzelne Stadtbahnverbindungen aus der Ost-West-Achse direkt nach Neckarsulm fahren. Überlegungen gibt es.

Was ist an Neuerungen geplant?

Um die vergleichsweise langen Fahrtzeiten aus dem Schozach-Bottwartal zu verkürzen, wird die Einrichtung von Schnellbusverbindungen geprüft. Auch das Zabergäu hat man hier im Auge. In ländlichen Gebieten soll das Angebot flexibilisiert werden, etwa durch die Einführung eines Ruftaxis, das es zum Beispiel im Jagsttal zwischen Möckmühl und Jagsthausen bereits gibt. Nach und nach soll die Barrierefreiheit auf möglichst vielen Strecken erreicht werden. Außerdem sollen Radfahrern und Wanderern neue Angebote gemacht werden.

Stichwort Nahverkehrsplan

Der Nahverkehrsplan analysiert den öffentlichen Personenennahverkehr (ÖPNV) für den Stadt- und den Landkreis Heilbronn und definiert dessen Ziele für die kommenden Jahre. Konkrete Maßnahmen hat er nicht zur Folge. Die müssten der Gemeinderat für die Stadt Heilbronn und der Kreistag für den Landkreis erst beschließen. Die Zielvorgaben des Nahverkehrsplans dienen den Verwaltungen zudem als Steuerungsinstrument, um zu verhindern, dass sich Verkehrsanbieter lediglich lukrative Streckenabschnitte heraussuchen. Der bislang gültige Nahverkehrsplan stammt aus dem Jahr 1998. Das neue Gutachten kostet rund 67 000 Euro, davon trägt die Stadt Heilbronn ein Drittel.

Kurzlink zum Nahverkehrsplan

www.bit.ly/W1j4y0

Bus soll schneller und flexibler werden

Die Fahrzeiten ins Schozach- und Bottwartal sind teilweise lang. Schnellbusverbindungen könnten Abhilfe schaffen. Niederflurfahrzeuge sollen künftig Standard sein.

Bus soll schneller und flexibler werden

Gute Busanbindungen im ländlichen Raum sind erwünscht, teils ist die Nachfrage aber gering. Das Ruftaxi könnte in vielen Fällen die Lösung sein.

Fotos: Andreas Veigel

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