Bringt Pakt einen besseren Takt für die Stadtbahn?

Region  Bevor sich die Pendler auf der Stadtbahn Nord freuen können, dass mit dem Mobilitätspakt alles besser wird, müssen noch viele Fragen geklärt werden.

Von Reto Bosch

Bringt der Pakt wirklich einen besseren Takt?

Derzeit prüfen Fachleute, ob die Taktfrequenz auf der Stadtbahn Nord verbessert werden kann. Ergebnis: offen

Foto: Archiv/Müller

 

Der Mobilitätspakt für die Region Heilbronn-Neckarsulm macht Stadtbahn-Nutzern Hoffnung. Auf den Verbindungen Richtung Norden könnte es deutliche Verbesserungen geben.

Sorge bereitet aber die S4 Karlsruhe-Öhringen. Ein Vertrag zwischen Land und AVG wirft für einen Teil der Fahrten Fragen auf.

Die Vorgeschichte

Jahrelang haben nicht nur Gundelsheim und Offenau für einen Halbstundentakt auf der S41 Richtung Mosbach gekämpft. Immer wieder wurde erklärt, dass die Fahrgastzahlen für diese Frequenz nicht ausreichen. Seite neun des Mobilitätspaktes gibt nun Grund zu vorsichtigem Optimismus.

Ministerium, Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und die AVG als Streckenbetreiber "prüfen die Einrichtung eines Halbstundentaktes der Stadtbahnlinie S 41 nach Gundelsheim/Mosbach-Neckarelz zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018", heißt es dort.

Claus-Jürgen Renelt, Planungsamtschef im Landratsamt, hält das für eine positive Entwicklung. Klar ist: Sollte die Bahn alle halbe Stunde fahren, könnten die ergänzenden Busverbindungen aufgegeben werden. Das Landesverkehrsministerium betont auf Anfrage allerdings, dass es sich um eine "ergebnisoffene Prüfung" handelt.

Finanzierungsfragen bleiben

Ob der Halbstundentakt überhaupt kommt, wann die Entscheidung fällt, wer die Kosten trägt: all das ist also noch völlig unklar. Fest steht für Renelt: "Das Land müsste erhebliche Anteile tragen." Betrachte das Ministerium die zusätzlichen Fahrten als von den Kommunen zu tragenden Mehrverkehr, sei die Verbesserung unter Umständen nicht zu finanzieren.

Derzeit liegt der kommunale Betriebskostenanteil für die Linien S41/S42 bei rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Die Hälfte davon trägt der Landkreis, den Rest übernehmen die Anliegergemeinden entsprechend der Pendlerbeziehungen.

Claus-Jürgen Renelt begrüßt auch, dass der Mobilitätspakt einen durchgehenden Stundentakt der S42 zwischen Bad Rappenau und Sinsheim ins Gespräch bringt. "Nach einer ersten Abschätzung wäre das ohne Fahrzeugmehrbedarf und ohne Investitionen in die Infrastruktur machbar", erklärt eine Ministeriumssprecherin. Doch auch hier gelte: Der Ausgang der Prüfung ist offen, die Kostenaufteilung genauso.

Zusätzliche Haltestellen bei Audi geplant

Bei der Unterzeichnung des Mobilitätspakts sagte Andreas Hollatz, Abteilungspräsident für Straßenbau im Regierungspräsidium Stuttgart: "Es geht auch darum, die Potenziale aller Verkehrsträger zu stärken." Dazu passen kurzfristige Veränderungen. Vier zusätzliche Stopps bei Audi sollen möglichst viele Beschäftigte von der Straße auf die Schiene holen.

Mehrkosten erwartet Renelt dadurch nicht. Höhere Ausgaben verursacht indes ein zusätzliches tägliches Zugpaar in den späten Abendstunden von Neckarsulm nach Sinsheim und zurück, gedacht vor allem für Audi-Schichtarbeiter. Auch dies soll zum Fahrplanwechsel im Dezember greifen. "Ich gehe davon aus, dass das Land bezahlt", erklärt Claus-Jürgen Renelt.

Ungewissheiten auf der Strecke der S4 nach Öhringen

Den positiven Entwicklungen auf der Nordstrecke stehen Ungewissheiten auf der S4 Karlsruhe-Öhringen gegenüber. Auslöser ist ein neuer Vertrag zwischen Land und AVG. Das Karlsruher Verkehrsunternehmen bekommt künftig alle jene Aufträge direkt, für die Fahrzeuge notwendig sind, die sowohl auf Eisenbahnstrecken und in Innenstädten fahren können.

Das ist vergaberechtlich möglich, weil die AVG alleiniger Anbieter dieser Technik ist. Im Gegenzug verzichtet die AVG darauf, sich auf die Linien zu bewerben, die nur im Eisenbahnbereich unterwegs sind. Davon betroffen ist ab 2022 auch die Expressverbindung Karlsruhe-Eppingen-Heilbronn.

Zu früh unterschrieben?

Welche konkreten Folgen dies für die Region hat, kann Claus-Jürgen Renelt noch nicht sagen. So gebe es noch keine Aussage, welche Haltestellen auf dieser Strecke bedient werden sollen. "Es gibt noch viele offene Fragen." Nach den Ferien seien Gespräche mit dem Ministerium angesetzt. "Wir hätten uns gewünscht, dass diese Fragen geklärt sind, bevor der Vertrag unterzeichnet wird", sagt Renelt.

Die Vorstellungen des Ministeriums lassen sich wohl nur dann realisieren, wenn auch die Strecke Leingarten-Schwaigern über zwei Gleise verfügt. Bau- und Planungskosten: gut 14 Millionen Euro. Entscheidend sei, wie das Gesamtpaket aussieht, meint Renelt.

Er ergänzt: Die Zweigleisigkeit wäre auch auf die Tagesordnung gekommen, wenn es den neuen Vertrag nicht gäbe. Zumindest dann, wenn man die S4 verbessern wolle. Das Verkehrsministerium erklärt auf Stimme-Anfrage, dass das Land die förderfähigen Baukosten eventuell zu 50 Prozent trägt.

 

Mobilitätspakt

Ende Juli hat Landesverkehrsminister Winfried Hermann den Mobilitätspakt für die Region Heilbronn-Neckarsulm vorgestellt. Die Unterzeichner kamen aus Politik, Wirtschaft, Landkreis und Kommunen. Neben dem öffentlichen Nahverkehr sollen auch das Straßennetz und der Radverkehr profitieren.