Bundespräsidenten auf Augenhöhe

Brackenheim - Um 10.29 Uhr ist den wartenden Bürgern, Ehrengästen und Sicherheitskräften klar, dass der Bundespräsident bald vor dem Theodor-Heuss-Museum stehen wird. Sein Hubschrauber donnert über die Häuser Brackenheims hinweg, geht auf dem Festplatz beim Bürgerzentrum nieder. Horst Köhler steigt um in seine gepanzerte Limousine. Ein paar Minuten später erreicht er das Stadtzentrum. Dort soll er zusammen mit Ministerpräsident Oettinger eine Statue von Theodor Heuss enthüllen. Zu dessen 125. Geburtstag.

Von Reto Bosch

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Brackenheim - Um 10.29 Uhr ist den wartenden Bürgern, Ehrengästen und Sicherheitskräften klar, dass der Bundespräsident bald vor dem Theodor-Heuss-Museum stehen wird. Sein Hubschrauber donnert über die Häuser Brackenheims hinweg, geht auf dem Festplatz beim Bürgerzentrum nieder. Horst Köhler steigt um in seine gepanzerte, mit einer Standarte gekennzeichnete Limousine. Ein paar Minuten später erreicht er das Stadtzentrum. Dort soll er zusammen mit Ministerpräsident Günther Oettinger eine Statue von Theodor Heuss enthüllen. Zu dessen 125. Geburtstag.

Bevor Horst Köhler aussteigen darf, klettern seine Sicherheitsleute aus den Fahrzeugen. Mit strengem Blick mustern sie die Besuchergruppen. Die Beamten mit den Figuren veritabler Kleiderschränke postieren sich an strategisch wichtigen Punkten. Horst Köhler steigt aus. Unter lautem Beifall der Zuschauer.

Ehrengäste

Die Gruppe der Ehrengäste ist groß, viele Hände hat der Bundespräsident zu schütteln. Eher zart muss er mit der zierlichen Hildegard Hamm-Brücher umgehen, deutlich robuster sind Wolfgang Gerhardt und die vielen Landtags- und Bundestagsabgeordneten. Manch einer sucht konsequent die Nähe des Präsidenten. Kein Wunder, die vielen Pressefotografen machen Foto um Foto. Mehrere Fernseh- und Videokameras zeichnen diesen für die Region historischen Besuch ebenfalls auf. Ganz Profi hilft Köhler den Fotografen, die Motive zu arrangieren.

Der Gastgeber tritt bei eisigem Wind und Minustemperaturen ans Mikrophon. Bürgermeister Rolf Kieser betont, welch große Bedeutung Theodor Heuss für die 15.000-Einwohner-Stadt im Zabergäu hat. „Mit Freude und Engagement haben wir uns der Aufgabe verschrieben, eine lebendige Kultur der Erinnerung zu prägen.“ Sichtbarer Ausdruck dieses Bemühens ist natürlich das Theodor-Heuss-Museum. Seit Samstag aber auch eine Bronzestatue, geschaffen vom Löchgauer Künstler Karl-Henning Seemann, finanziert von einigen Sponsoren. Zur Enthüllung schreiten Köhler und Oettinger.

Standbild

„Theodor Heuss wäre sehr einverstanden gewesen mit seinem Abbild“, meint der Bundespräsident später. Es sei kein Denkmal auf einem Sockel geworden, sondern Heuss stehe auf Augenhöhe mit den Bürgern. Köhler betont, sehr gerne nach Brackenheim gekommen zu sein. „Ich wollte dabei sein, wenn Theodor Heuss ein Denkmal gesetzt wird.“ Künstler Seemann schildert die Dimension der Herausforderung. Ein Standbild war gefordert, das die facettenreiche Persönlichkeit eines Staatsmanns mit menschlicher Wärme, tiefer Geistigkeit und viel Humor abbildet.

Nach einem kurzen Abstecher in das Museum fährt der Präsidentenkonvoi weiter zum nahe gelegenen Bürgerzentrum. Dort erleben 760 Besucher eine Feierstunde zu Ehren von Theodor Heuss und eine spontane Zusage von Ministerpräsident Günther Oettinger. Er wird am 3. Oktober zu den Einheitsfeierlichkeiten wieder nach Brackenheim kommen.

Volksnah

Horst Köhler wird dann mit großer Sicherheit nicht dabei sein. Zum Verdruss der Brackenheimer. Sie haben am Samstag einen bescheiden wirkenden, stets freundlichen Bundespräsidenten kennengelernt, der sich auch nicht scheut, Kinderhände zu schütteln. Aber vielleicht ist ja in fünf Jahren, zum 130. Geburtstag von Theodor Heuss, wieder das Knattern des Präsidenten-Hubschraubers über der Stadt zu hören. 

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