Blaues Ufo über Heilbronn

Heilbronn - Ewald Acker war fassungslos, als er diesen großen, blauen Fleck am Heilbronner Nachthimmel entdeckte – kurzzeitig dachte er, er habe eine Sensation vor Augen. Doch die Ernüchterung folgte schnell: Die Lichter des Landratsamt-Neubaus in der Oststraße projizierten das Blau an die Wolke.

Von Herbert Kaletta und Adrian Hoffmann

200.000 Euro hat die auffällige Beleuchtung am neuen Landratsamt gekostet. Fotos: Guido Sawatzki/Sternwarte Heilbronn


Heilbronn - Es war um 7 Uhr morgens vor wenigen Tagen, als Ewald Acker aus Heilbronn mit seiner Freundin auf dem Balkon in der Lothorstraße stand und eine Zigarette rauchte. Plötzlich sah er einen großen, blauen Fleck am Himmel.

 „Ich war fasziniert“, sagt der 33-jährige Pharmazeutisch-Technische Assistent. Seine erste Vermutung: eine Himmelserscheinung oder ein Komet. „Jedenfalls nichts Irdisches.“ Doch die Heilbronner Sternwarte hatte einen anderen Vorschlag: Der Neubau des Landratsamt verursache das Ufo. „Die von der Sternwarte haben mir alle Illusionen auf eine Sensation zerstört“, erzählt Ewald Acker, der sich über seine Vermutung amüsiert.

„Wir haben den Fleck schon öfter gesehen in letzter Zeit“, sagt Volker Lang von der Sternwarte. Es könne gut sein, dass weitere Anrufe wie von Ewald Acker folgen. Wenn es leicht diesig oder neblig ist, „dann sieht man wirklich eine blaue Säule“, sagt er.

Leuchtende Turmfassade

Rot und Weiß sind die Farben des Landkreises Heilbronn. Sein neuestes Wahrzeichen strahlt jedoch jetzt abends in Blau und Grün. Seit einigen Tagen leuchtet die Turmfassade des Erweiterungsbaus des Landratsamts, der insgesamt 25,7 Millionen Euro kostet und voraussichtlich im Juni eingeweiht wird.

Einen markanten städtebaulichen Akzent setzt das Gebäude an der Oststraße Heilbronns schon am Tag, abends wird es zum echten Hingucker. Als die 200.000 Euro teure Beleuchtung seinerzeit im Kreistag beschlossen wurde, gab es auch kritische Stimmen, allerdings eher zu den Investitionskosten als zum Stromverbrauch. Der erschien fast allen Kreisräten mit 1340 Euro pro Jahr günstig und akzeptabel. So fand sich bei der Entscheidung eine deutliche Mehrheit, sahen es doch viele Kreisräte auch als Identifikationsobjekt für die Landkreisbürger.

In dem Sinne versteht es auch Landrat Detlef Piepenburg. „Mir gefällt es sehr gut“ sagt er, vor allem aber gefällt ihm die Reaktion: „ Ich habe bis jetzt nur positive Rückmeldung bekommen.“

Neueste LED-Technik

 „Wir haben hier schon Technik auf dem neuesten Stand“, sagt Andreas Jägerhuber, Bauamtschef im Landratsamt. 60 blaue Lichtschienen mit je 48 Ein-Watt-LEDs und 36 grüne Elemente mit zusammen 900 Ein-Watt-LEDs sorgen für den markanten Nachtauftritt der Kreisbehörde zu relativ geringen Kosten. „Der Verbrauch entspricht 20 Straßenleuchten auf einer Länge von 500 Metern“, vergleicht Jägerhuber. 5,1 Kilowatt pro Stunde benötige das Turmlicht. Bei rund vier Stunden nächtlicher Beleuchtung seien das 3,68 Euro pro Tag.

In der Vorweihnachtszeit wolle man die Beleuchtung etwas länger anlassen. Im üblichen Betrieb ist es von Einbruch der Dunkelheit bis etwa 22 Uhr vorgesehen.

„Ich finde solche Lichter eigentlich ganz cool“, sagt Ewald Acker, der von dem blauen Fleck am Himmel überrascht wurde. Er habe auch blaue Leuchten hinterm Kühlergrill seines Autos.

Hintergrund: Fassadenbeleuchtung

200.000 Euro hat die Beleuchtung am neuen Landratsamt gekostet. Modernste LED-Technik sorgt für relativ geringen Verbrauch. Bei durchschnittlicher Einschaltung von vier Stunden werden täglich 5,1 Kilowattstunden verbraucht – 3,68 Euro pro Tag oder 1340 Euro im Jahr. kal