Bis September gibt es noch Arbeit

Heilbronn  Heilbronn - Insolvenzverwalter Jan Plathner sucht Investoren für die Telefunken-Chipfabrik. Von der bisherigen Mutter- beziehungsweise Schwestergesellschaft in Kalifornien ist keine Hilfe zu erwarten.

Von unserem Redakteur Manfred Stockburger

Email

Unter Reinraumbedingungen stellen Mitarbeiter der Firma Telefunken Semiconductors in der Heilbronner Chipfabrik im Telefunkenpark integrierte Schaltkreise her. Sie kommen vor allem in der Automobilbranche zum Einsatz.Foto: Archiv/TSG

Heilbronn - Demnächst werden die rund 320 Mitarbeiter der angeschlagenen Firma Telefunken Semiconductors (TSG) wieder Geld aufs Konto bekommen: Jan Plathner, der vom Heilbronner Amtsgericht bestellte vorläufige Insolvenzverwalter, hat die Insolvenzgeldvorfinanzierung auf den Weg gebracht, sodass das Geld bald fließen kann. Das dürften die Betroffenen gut brauchen können, schließlich hat der Heilbronner Halbleiterhersteller seiner Belegschaft die April-Gehälter nicht mehr bezahlen können.

Insolvenzgeld

Drei Monate lang übernimmt die Arbeitsagentur nach dem Gesetz per Insolvenzgeld die Lohnkosten − bis Ende Juni sind die Bezüge auf diese Weise also gesichert, und auch danach wird Plathner die Chip-Fabrik zumindest vorerst weiter laufen lassen: "Nach unserer ersten Bestandsaufnahme sehen wir eine realistische Möglichkeit für die Betriebsfortführung", erklärt der Sanierungs-Spezialist vorsichtig optimistisch. Aktuell laufe der Geschäftsbetrieb unverändert weiter.

Allerdings sagt Plathner auch: "Ein wichtiger Auftrag, der die Auslastung des Werkes bis September sichert, endet." Ob der bisherige Großkunde Atmel, der das Unternehmen 2008 abgespalten und verkauft hatte, seine Produkte auch weiterhin in der Heilbronner Fabrik fertigen lässt, ist eine der zentralen Fragen im Fall Telefunken Semiconductors. "Für die Sicherung des Standorts über September hinaus brauchen wir nach dem aktuellen Stand neue Investoren, die Liquidität zur Verfügung stellen", erklärt der Jurist aus Frankfurt.

Käufersuche

Es gibt schon Kontakte, "wir wollen aber auch gezielt neue Interessenten ansprechen, die Telefunken Semiconductors gegebenenfalls auch mit Knowhow und neuen Vertriebskanälen weiterhelfen können", macht Plathner deutlich. Deshalb habe er einen "strukturierten Transaktionsprozess" eingeleitet, in dem er das Heilbronner Unternehmen, das vergangenes Jahr einen Umsatz von 42 Millionen Euro erzielt hatte, zum Kauf anbietet. Bei einer Sitzung des vorläufigen Gläubigerausschusses hat Plathner gestern seine Ideen zur Rettung der TSG vorgestellt.

Von der bisherigen Mutter- beziehungsweise Schwestergesellschaft in Kalifornien ist keine Hilfe zu erwarten. Sie hat nicht nur ein neues Management, sondern inzwischen den Namen Telefunken gestrichen, den sie über die deutsche Firma bekommen hatte. Auch die Weiterleitung nach Heilbronn auf der TSI-Internetseite funktioniert nicht mehr.

Telefunken

Telefunken Semiconductors produziert in Heilbronn mit 300 Mitarbeitern Halbleitersysteme, die vornehmlich in der Autobranche Verwendung finden. Hierfür werden mit verschiedenen Technologien Silizium-Rohlinge zu integrierten Schaltkreisen verarbeitet. 2008 wurde der Produktionsbetrieb von Atmel ausgelagert und verkauft. Seither kommt der Traditionsname Telefunken wieder zum Einsatz. mfd