Bautrockner-Gebläse statt Vuvuzela

Region Heilbronn - Noch immer spüren einige Menschen die Folgen des schweren Unwetters Anfang Juni. Die gröbsten Aufräumarbeiten sind beendet, aber die Erinnerung an jenen Sonntagabend bleibt: In vielen Geschäftsräumen und Kellern brummen Bautrockner vor sich her.

Von Adrian Hoffmann


Region Heilbronn - Noch immer spüren einige Menschen im südöstlichen Landkreis die Folgen des schweren Unwetters vom 6. Juni (wir berichteten). Die gröbsten Aufräumarbeiten sind beendet, aber die Erinnerung an jenen Sonntagabend bleibt: In vielen Geschäftsräumen, Wohnungen und Kellern brummen Bautrockner vor sich her.

„Ich habe nicht gedacht, dass wir sowas mal erleben“, sagt Bernd Schrezenmaier, Geschäftsführer von Electronic Partner in der Eppinger Straße in Leingarten. Ein Nachbar hatte ihn nach dem Gewitter angerufen, er solle mal schauen, ob alles in Ordnung sei. Draußen vor dem Geschäft war nichts zu sehen, die Überraschung fand er erst drinnen. In Büro- und Lagerräumen stand das Wasser, mehr als 20 Zentimeter hoch.

Ventilator

Zwischenzeitlich sind acht Bautrockner im Dauereinsatz. Einer steht auch neben den Schreibtischen. „Ich habe dadurch im Büro 30 Grad“, sagt Rose Schrezenmaier. Deshalb steht ein Ventilator vor ihr. Ziemlich unangenehm sei das ewige Gebläse der Bautrockner auch, wenn sie mit Kunden telefoniere. Und dann der viele Schreibkram mit Versicherungen. „Wir haben ja auch noch die normale Arbeit nebenher zu bewältigen.“ Wenigstens ist der große Verkaufsraum verschont geblieben. „Wir hatten ja noch Glück im Unglück“, sagt Rose Schrezenmaier.
Dass bei dem Unwetter auch etliche Privathaushalte betroffen waren, merkt man in der Firma allein an den vielen Anfragen von Kunden. „Es gibt einige Totalschäden“, sagt Bernd Schrezenmaier – bei Waschmaschinen zum Beispiel. Er sei auch jetzt noch ständig unterwegs, um Geräte zu reparieren. Bei vielen funktionierte der Aquastoppsensor nicht mehr.

Keller voll

Familie Zanon in der Mühlgasse in Heilbronn-Biberach hat ein ungewöhnliches Problem: Schon wieder steht die Waschküche unter Wasser. Heide Zanon vermutet, dass das irgendwie damit zu tun haben könnte, dass die Straßenschächte gestern vom Schlamm befreit worden sind. „Ich hänge echt in den Seilen“, sagt sie. In der Nacht auf Freitag habe sie mit einem Industriesauger das Wasser teilweise abgesaugt, jetzt sei eine Kanalreinigungsfirma damit beauftragt.


Die Verzweiflung ist ihr anzuhören. Zwei Wochen nach dem Gewitter, dass ihr Grundstück regelrecht durchgespült hat, muss sie wieder Schaffen. „Und mit Schrubbern und Lappen komme ich nicht wirklich voran.“ Sie wünsche sich so sehr, dass die Gemeinde mögliche Veränderungen bespricht. „Ich erwarte ja keine Wunder“, sagt sie.

Schlammflut

Beim Unternehmen Layer-Chemie in der Benzstraße in Leingarten wird es noch Wochen oder sogar Monate dauern, bis die letzten Begleiterscheinungen des Unwetters verschwunden sind. In den Kellerräumen sind alle paar Quadratmeter Löcher in den Boden gebohrt, auch hier brummen die Bautrockner nur so vor sich hin. 90 Zentimeter stand hier nach Angaben von Geschäftsführer Uwe Häußer alles unter Wasser, und das größte Problem: Der Keller ist kein richtiger Keller. Konferenzräume finden sich hier, das Callcenter, die EDV-Räume, Technik usw. – nach dem Strom fiel erstmal der Strom aus, danach die Klimaanlage, die EDV und das Telefon. Der entstandene Schaden ist riesig. Für die Firma sei die Schlammflut „ein relativ großes Drama“ gewesen. Die Festplatten sind um wenige Zentimeter im Wasser versunken, der Zerstörung ist enorm.

Zum Glück hätten Feuerwehrleute und die Mitarbeiter der Firma so engagiert eingegriffen und angepackt, so Häußer. „Das war richtig toll.“ So konnte der Betrieb relativ schnell wieder normal laufen, nachdem das Telefon wieder funktionierte. Das sei dann anfangs zwar unbürokratischer als sonst gegangen, ohne Computer und Lieferscheine , „so wie früher“ – aber auch das ist zwischenzeitlich wieder geregelt. In Kürze kommen Sachverständige und messen erneut die Luftfeuchtigkeit in den betroffenen Räumen. Wann die Bautrockner allerdings wieder verschwinden, ist noch unklar.

Eine Anwohnerin in der Wickenstraße ist heilfroh, wenn dieser Zeitpunkt endlich gekommen ist. „Das ist schon sehr nervig.“ Noch mindestens eine Woche muss sie allerdings ausharren. Vor allem abends störe das Geräusch der drei Bautrockner im Haus, sagt sie. Der Schlamm kam bei ihr bis in den Flur. So schlimm wie die Vuvuzela, sagt sie, sei das Gebläse letztlich dann aber doch nicht.

Viel Arbeit für den Bauhof

Gräben reinigen, Wege wieder richten – der Leingartener Bauhof ist weiterhin mit den Nachwirkungen des schweren Hitzegewitters am Sonntag vor zwei Wochen beschäftigt. „Zum Teil schaffen wir das allein gar nicht“, sagt Leiter Michael Brenner – Fremdfirmen mit Großbaggern müssen beauftragt werden. Der in der Wasserfallstraße durch eine Unterspülung zerstörte Asphalt ist wieder erneuert.