Aufsicht argumentiert für Castor-Verlagerung

Neckarwestheim  Neckarwestheim - Die Atomaufsicht des Landes hält es grundsätzlich für sinnvoll, 342 Brennstäbe aus dem Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) im Zwischenlager in Neckarwestheim zu deponieren. Das wurde bei der Sitzung der GKN-Infokommission am Donnerstagabend deutlich.

Von unserem Redakteur Reto Bosch

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Aufsicht argumentiert für Castor-Verlagerung

Neckarwestheim - Die Atomaufsicht des Landes hält es grundsätzlich für sinnvoll, 342 Brennstäbe aus dem Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) im Zwischenlager in Neckarwestheim zu deponieren. Das wurde bei der Sitzung der GKN-Infokommission am Donnerstagabend deutlich.

Thema war zudem die Verzögerungen bei Schacht Konrad, dem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Diese Anlage spielt für den Rückbau der Atomkraftwerke eine wichtige Rolle.

 Gesellschaftliche und politische Akzeptanz nötig

Obrigheim wäre schneller brennstofffrei, der Aufwand für den Bau und das Risiko eines weiteren Zwischenlagers würden entfallen: "Wir sehen viele Vorteile in den Überlegungen der EnBW", sagte Gerrit Niehaus, Leiter der baden-württembergischen Atomaufsicht. Klar sei, dass eine Risikobewertung, auch mit Blick auf den Castortransport von Obrigheim nach Neckarwestheim vorgenommen würde. Dieses Restrisiko werde durch strenge Auflagen aber relativiert. Die EnBW, vertreten durch den Technischen Geschäftsführer Christoph Heil, betonte erneut, dass für die Verlagerung eine gesellschaftliche und politische Akzeptanz notwendig sei.

 Kein Vertrauen

Seinem Ärger machte Verwaltungschef Mario Dürr erneut Luft. In Bezug auf GKN seien bereits viele Versprechen gebrochen worden. "Das ärgert mich am meisten." Ein solches Vorgehen schaffe kein Vertrauen. Gerrit Niehaus verwies auf die Energiewende, die eine neue Situation geschaffen habe. Nach Ansicht von Wolfram Scheffbuch, Sprecher des Bunds der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN), sind "drei bis fünf Castortransporte durch besiedeltes Gebiet" riskant. Möglich seien Attentate oder Unfälle. Scheffbuch bekräftigte die Forderung, auch GKN II sofort vom Netz zunehmen.

Die Rückbauplanung der Energieversorger hängt auch mit der Verfügbarkeit eines Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zusammen. Dr. Jörg Tietze vom Bundesamt für Strahlenschutz machte wenig Hoffnung auf einen baldigen Start des Lagers, der bereits mehrfach verschoben wurde. Die derzeitige Sprachregelung sei: "Nicht vor 2019." Festlegen wollte sich Tietze nicht. Mario Dürr kritisierte die Verzögerungen und nannte die Jahreszahl 2021, die zu hören sei. Probleme bereiten bei Schacht Konrad zum Beispiel veraltete Pläne und ein sanierungsbedürftiges Schachtmauerwerk.


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