Auf der Flucht vor der Atomwolke

Nordheim/Öhringen - Mit einer Demonstration der etwas anderen Art will das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn zeigen, was im Fall der Fälle auf die Region zukäme.

Von Juergen Koch und Christian Gleichauf

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Nordheim/Öhringen - Mit einer Demonstration der etwas anderen Art will das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn zeigen, was im Fall der Fälle auf die Region zukäme.

Fiktiver Störfall

10.19 Uhr, Hauptbahnhof Öhringen. Wie es das Evakuierungs-Szenario vorsieht, verlassen die Flüchtlinge die Stadtbahn. Im Bademantel der eine, im Bikini eine andere, jemand im flotten Sommerkleid. Selbst Hund und (Stoff-) Hase fehlen nicht.

Der fiktive Störfall hat sie mitten aus dem Alltag gerissen. Orientierungslos in der fremden Stadt, die im Ernstfall alle 7500 Nordheimer aufnehmen müsste. „Wo müssen wir denn hin?“, hört man es rufen. Rasch fragen sich die Akteure zum Hafenmarkt durch, wo sie dekontaminiert werden sollen.

Doch dazu kommt es nicht. „Auf nach Norden, Sie müssen weiter, die Wolke ist schon da“, werden sie von einem der wenigen noch verbliebenen Öhringer empfangen. „Lagezentrum aufgelöst“, „Jod-Tabletten sind aus“ oder „Keine Bustransporte mehr – rette sich, wer kann“ lesen sie auf Plakaten.

Kontrolle

Das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn hat sich einen kleinen Ausschnitt aus dem Katastrophenschutzplan herausgepickt. Sollte das GKN in Neckarwestheim tatsächlich einmal in die Luft fliegen, dann hätten sich an so einem Morgen natürlich mehr als die rund 15 Personen am Nordheimer Bahnhof eingefunden, um nach Öhringen zu fahren, das vorgesehene Ziel für die Nordheimer Bevölkerung. Doch es ist zum Glück kein Ernstfall. Und sie werden auch nicht ganz allein gelassen. Die Polizei hat ein Auge auf sie geworfen, schaut, dass alles geregelt abläuft.

In Öhringen mimen am Ende 30 Laienschauspieler die Verzweifelten. Während die Gäste im Café am Markt Sekt und Cappuccino schlürfen, informieren die Atomkraftgegner über die Fragwürdigkeit der Evakuierungspläne: „Bei der vorherrschenden Windrichtung müsste man Öhringen selber evakuieren.“ Doch nur wenige Passanten nehmen Notiz von dem fiktiven Ernstfall. Einer davon ist der Öhringer Wolfgang Kern. „Ich finde sehr gut, dass darüber informiert wird“, sagt er und verrät, dass er „durchaus Angst hat, dass da mal was passieren kann.“

Nach einem Abstecher zum Marktplatz endet die Aktion so symbolisch wie sie begonnen hat. Die „Flüchtlinge“ zeigen, was sie von den amtlichen Katastrophenschutzplänen halten und zerreißen sie demonstrativ.


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