Atomexperten stellen GKN ein gutes Zeugnis aus (06.03.2008)

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim I, das im kommenden Jahr abgeschaltet werden soll, könnte aus Sicht der Internationalen Atomenergiebehörde technisch noch rund weitere 30 Jahre lang am Netz bleiben. „Diese Art von Anlage hat eines der besten Ergebnisse erzielt, die wir jemals hatten“, sagte der Leiter des Prüfprogramms

Von Joachim Kinzinger

Die Flaggen vor dem Kernkraftwerk Neckarwestheim symbolisieren die Länder, aus denen die kerntechnischen Fachleute kamen.Foto: Dittmar Dirks

Neckarwestheim - Bei so vielen guten Noten strahlen die Kernkraftmanager mit der Sonne um die Wette. Kein Wunder: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat dem Kernkraftwerk Neckarwestheim ein tolles Zeugnis ausgestellt. „Die Anlage hat eines der besten Ergebnisse erzielt, das wir jemals hatten“, verkündet Miroslav Lipar, Leiter des Osart-Prüfprogramms in der IAEA, bei der Vorlage des Abschlussberichts in Neckarwestheim. Dies hört Michael Wenk, Vorsitzender der Geschäftsführung der EnBW Kernkraft GmbH (EnKK), gern: „Darauf können wir und die Mannschaft stolz sein.“

Betriebsführung

Einen „einstelligen Millionenbetrag“, so Wenk, hat die EnBW für die internationale Expertise ausgegeben. Drei Wochen schauten sich 13 Fachleute aus elf Nationen im Oktober 2007 in Neckarwestheim um, vorwiegend nur in Block I. Es war aber keine aufsichtsbehördliche Inspektion, sondern eine Bewertung der Betriebsführung im Kernkraftwerk nach internationalen Kriterien. Wie bei anderen Osart-Missionen weltweit.

Miroslav Lipar verteilt an GKN mehrere „gute Praktiken“, also Belobigungen. Gute Noten beispielsweise beim standortübergreifenden Sicherheits-Managementsystem, beim Strahlenschutz, bei der Handhabung der Brennelemente. Auf neun Feldern erfülle der Atommeiler die internationalen Standards.

Arbeitssicherheit

In einem Bereich sieht der Prüfbericht Nachholbedarf: Das GKN soll die Arbeitssicherheit stärker in der Praxis durchsetzen. Dominique Dubois, Teamleiter der GKN-Mission, geht ins Detail. „Das Management sollte stärker vor Ort sein, um die tagtägliche Arbeit zu verbessern.“

Viele andere Bereiche liegen laut Dubois über dem Durchschnitt – wie die Sicherheitskultur – und sind für andere Kernkraftwerke vorbildlich: Alarmkarten bei Notfallbedingungen, spezielle Ausrüstung bei der Abnahme des Reaktordruckbehälter-Deckels, Ammoniak-Reduzierung zum Umweltschutz. Dubois lobt auch das „sehr gut ausgebildete“ Personal, den guten Zustand von Gebäuden und Technik. Aber er empfiehlt, geringfügige Ereignisse unterhalb der offiziellen Meldeschwelle zu dokumentieren und zu verfolgen. Daraus ließen sich „Lektionen lernen“.

Laufzeitverlängerung

Vom Prüfbericht verspricht sich die EnBW „unterstützende Argumente“ für eine Laufzeitverlängerung von GKN I bis ins Jahr 2017. EnKK-Geschäftsführer Wenk ist aber nicht so vermessen, dass die Mission Einfluss auf den Verwaltungsgerichtshof Mannheim und auf den Antrag beim Bundesumweltministerium habe. Alle IAEA-Empfehlungen sollen jetzt umgesetzt werden. Teamchef Lipar geht in seiner Analyse so weit: „GKN könnte nach dieser Erfahrung 60 Jahre laufen.“

Vom Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar (BBMN) hält Wolfram Scheffbuch das Prüfzeugnis für wertlos: „Die IAEA ist keine unabhängige Organisation, sondern eine Einrichtung zur Förderung der Atomkraft.“ Daher verwundere das Attest nicht. Außerdem sei nur das bestimmungsmäßige Funktionieren der Anlage geprüft worden.