Atomares Endlager erst gegen 2100?

Neckarwestheim  Kernenergie-Experte hält politisch vorgegebenen Zeitplan für völlig unrealistisch. Allein für die Standortsuche werden Jahrzehnte vergehen. Das hat Folgen für Neckarwestheim.

Von Reto Bosch

Begleitet von Protesten ist im Juni erstmals in Deutschland hoch radioaktiver Atommüll auf einem Fluss transportiert worden. Ziel des Castor-Transports auf dem Neckar war das Kernkraftwerk Neckarwestheim.

 

Vor Ende des Jahrhunderts wird es kein betriebsbereites Endlager für hochradioaktive Abfälle geben. Davon ist Professor Bruno Thomauske überzeugt. Der Atom-Experte war selbst Mitglied der Endlagerkommission. Im Interview mit der Heilbronner Stimme macht er deutlich, dass der gesetzlich definierte Zeitplan eine rein politische Zielsetzung sei und den Auswahlprozess der Gefahr aussetzt, "mit dem Makel einer Anfangslüge zu starten".

Kommission hat Prozess definiert

Das Endlagergesetz sieht vor, dass bis zum Jahr 2031 der Standort für ein atomares Endlager feststeht. Vor dieser Entscheidung des Bundestags hatte eine hochrangig besetzte Kommission den Suchprozess definiert. "Darin, dass die Standortauswahl bis 2031 nicht abgeschlossen werden kann, war sich die Kommission einig", sagt Thomauske. Man habe nicht den Druck aus dem Verfahren nehmen wollen und deshalb darauf verzichtet, eine andere Zahl zu nennen. Nach Ansicht des Wissenschaftlers und ehemaligen Vattenfall-Managers sind viele Politiker nicht glücklich darüber, dass das Jahr 2031 ins Gesetz aufgenommen wurde. Allen Beteiligten müsse klar gewesen sein, dass die politische Zielsetzung nicht erreichbar sei.

Zügiges Verfahren angestrebt

Das Bundesumweltministerium erklärt auf Stimme-Anfrage: Das Gesetz sehe in der Tat einen "ambitionierten Zeitplan" vor. Der Abschluss des Standortauswahlverfahrens solle bis 2031 angestrebt werden und damit allen Beteiligten ein Ansporn sein, das Verfahren so zügig wie möglich abzuschließen. "Das darf weder die geforderte Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung in Frage stellen, noch zu Lasten der Sicherheit gehen", sagt eine Sprecherin. Die Sicherheit müsse immer an erster Stelle stehen. Nach Auffassung der Kommission, so die Sprecherin, könne das Lager 2050 betriebsbereit sein - was Bruno Thomauske eben stark anzweifelt.

Das Umweltministerium weist darauf hin, dass nach der ersten Teilgenehmigung für das Endlager bereits ein direkt benachbartes Eingangslager für die bestrahlten Brennelemente genehmigt werden soll. Damit sei die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die Zwischenlager an den Kernkraftwerken geräumt werden können. Eine solche Einrichtung fordert auch die Arbeitsgemeinschaft der Standortgemeinden kerntechnischer Anlagen (Asketa) - der der auch Neckarwestheim und Obrigheim angehören - mit Nachdruck.

Starke Belastung für Suchprozess

Ein solches frühzeitig bereitstehendes zentrales Eingangslager hält Thomauske für eine "denktheoretische und taktische Überlegung". Seiner Überzeugung nach würde dieses "weltgrößte Zwischenlager" den Suchprozess zu stark belasten. Verständnis hat Thomauske für die Forderung der Asketa-Kommunen, finanziell entschädigt zu werden, wenn die Deponien an den Kraftwerken deutlich länger in Betrieb bleiben.

"Sie tragen in den nächsten Generationen die Last der Abfälle." Hält das Umweltministerium eine solche Entschädigung für denkbar? Eine konkrete Antwort gibt die Behörde nicht, verweist nur darauf, dass für die Genehmigung einer verlängerten Zwischenlagerung sicherheitstechnische Untersuchungen auf Basis aktueller Standards zugrunde gelegt würden.

 

Das ganze Interview mit dem Kernenergie-Experten Bruno Thomauske können Sie hier als Premium-Artikel lesen:

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