Angespannte Lage bei den Burgfestspielen

Was, wenn das Wetter den Burgfestspielen dieses Jahr ein weiteres Mal einen Strich durch die Rechnung macht? Dann droht der „Gang zum Insolvenzrichter“, formuliert es Altbundespräsident Roman Herzog

Von Heike Kinkopf

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Jagsthausen - Was, wenn das Wetter den Burgfestspielen dieses Jahr ein weiteres Mal einen Strich durch die Rechnung macht? Dann droht der „Gang zum Insolvenzrichter“, formuliert es Altbundespräsident Roman Herzog bei der Mitgliederversammlung im Rittersaal der Götzenburg drastisch. In Jagsthausen zieht der Heimat- und Verkehrsverein Bilanz. Der rund 100 Mitglieder starke Verein ist der einzige Gesellschafter der Burgfestspiele gGmbH. Die finanzielle Situation ist äußerst prekär, angespannt auch das Verhältnis von Noch-Intendant Jan Aust, seinem designierten Nachfolger Heinz Kreidl und der Geschäftsführung der Burgfestspiele.

Nach eigener Aussage wusste Aust nichts von der Pressekonferenz am 25. Februar, bei der die Geschäftsführung seinen Nachfolger Kreidl und den Spielplan für 2008 präsentierten. „Ich hatte nicht übel Lust, diese Spielzeit nicht zu kommen“, kommentiert Aust diesen Vorgang, nachdem die Geschäftsführung mit Alexandra Freifrau von Berlichingen, Bürgermeister Roland Halter und Jürgen Bircks die nackten Zahlen präsentiert haben. Der Intendant wehrt sich zudem gegen vermeintliche Kritik, die sich auf Bühnenbild oder Ensemble bezieht. Von Beginn der Versammlung an ist Alexandra von Berlichingen um Ausgleich bemüht. „Ich hoffe, dass Sie mit einer fulminanten Spielzeit abschließen können“, schlägt sie gegenüber Aust einen versöhnlichen Ton an. Der zeichnet ein letztes Mal als Intendant für die Spielzeit 2008 verantwortlich, die am Sonntag, 1. Juni, mit dem Kinderstück „Schneewittchen“ startet.

Besucherzahl Die finanzielle Situation der Freilichtspiele stellt sich wie folgt dar: 63 321 Besucher sind vergangenes Jahr zu den Aufführungen gekommen, 8000 weniger als kalkuliert. Allein dadurch fehlen Einnahmen in Höhe von 200 000 Euro, erläutert Halter. Zum Ausgleich sei eine Entnahme aus dem Eigenkapital in Höhe von 100 000 Euro nötig gewesen, und es gab eine Sonderspende von 80 000 Euro. Halter prognostiziert: „Ohne ein ausgeglichenes Betriebsergebnis 2008 ist der Fortbestand der Burgfestspiele gefährdet.“ Das Gesamtbudget beläuft sich auf 1,9 Millionen Euro.

Der Heimat- und Verkehrsverein verbucht einen Verlust von 42 131 Euro, 14 251 Euro macht das Minus der Burgfestpiel gGmbH aus. Unterm Strich verursacht die Spielzeit 2007 ein Loch von gut und gerne 56 380 Euro. Dass die Lage „eine prekäre ist“, bestätigt Gunther Diehm von der Diehm Treuhand. Sie erstellte die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlust-Rechnung. 2008 müsse eine positive Entwicklung eintreten. Für die Baronin geht es dieses Jahr um „sein oder nicht sein“.

Vorverkauf Auf dem Spielplan der nahen Saison stehen das Traditionsstück „Götz von Berlichingen“ (Premiere Mittwoch, 18. Juni), die Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ und das Musical „Piaf“. Außerdem gibt es die Neuinszenierungen von Kleists „Der zerbrochene Krug“ und das Musical „Der kleine Horrorladen“.

Der Kartenvorverkauf läuft bereits. Bis jetzt haben die Burgfestspiele insgesamt 30 686 Tickets für die Aufführungen im Burghof der Götzenburg verkauft. Das macht 46 Prozent aus.


Website Burgfestspiele Jagsthausen