Als Geräusche plötzlich wichtig wurden

Heilbronn  Heilbronn - Vor genau 25 Jahren, am 25. November 1987 um 11.02 Uhr, wurde zum ersten Mal aus dem Heilbronner Radio-Regional-Studio im Stimme-Hochhaus gesendet. Sieben Jahre später änderte sich der Name des Senders – und einiges mehr.

Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle

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Heilbronn - Ein Geräusch ist das Erste, was Stimme-Redakteurin Bärbel Kistner einfällt, wenn sie sich auf ihre Zeit bei Radio Regional besinnt: das Geräusch der Fernschreiber, die nachmittags ununterbrochen ratterten und meterweise Papier ausspuckten. Papier, das sich zu kleinen Bergen auftürmte, dicht bedruckt mit Neuigkeiten, die die Agenturen meldeten.
 
20 Minuten Zeit blieben der Journalistin damals Ende der 1980er Jahre, wenn sie beim noch jungen Privatsender Nachrichtendienst hatte: 20 Minuten, um zwischen Nachrichtensendung und Nachrichtensendung all das Material zu sichten, zu bewerten, ihre Nachrichten zu aktualisieren und vorzubereiten. "Irre stressig", das weiß die 50-Jährige noch heute. Papierbergen, "die da herausquollen wie der süße Brei im Märchen".
 
Plötzlich ein Aufnahmegerät in der Hand

Spannend war es für Bärbel Kistner, plötzlich nicht mehr mit Blöckchen zu einem journalistischen Termin zu kommen, so wie zuvor als Zeitungsvolontärin, sondern mit Aufnahmegerät. Weil das damals für viele Gesprächspartner noch völlig ungewohnt war, wurden die Radioleute "halb bestaunt und halb belächelt".

Ein Foto aus der Anfangszeit von Radio Regional: Jungredakteurin Bärbel Kistner mit Mikrofon und Kopfhörer bei einem Faschingsumzug.Foto: privat
Warum sie damals nach ihrem Stimme-Volontariat als Redakteurin zum Radio wechselte? Weil sie sprechen konnte. Sprechen können, das bedeutet in diesem Fall etwas ganz Bestimmtes: "Man wollte zwar eine regionale Färbung", sagt Bärbel Kistner, "aber man war froh, Kollegen zu haben, die des Hochdeutschen mächtig waren."

Faszinierende Arbeit mit Tönen

Da passte es gut, dass der gebürtigen Böckingerin während des Studiums in Göttingen "der Dialekt abhanden gekommen" war, wie sie selbst es umschreibt. Und obwohl sie längst wieder zum Print zurückgekehrt ist, also zur Zeitung, wird ihre Sprechstimme bis heute geschätzt: Sie hat die Telefonanlage im Medienunternehmen Heilbronner Stimme besprochen und spricht regelmäßig fürs hauseigene Internetfernsehen Stimme.TV.

Zu Manfred Stockburger sagten sie während seines Zeitungspraktikums bei der Stimme-Landkreisredaktion 1989/90: "Geh’ doch mal zum Radio, da kannst du auch was lernen." Er lernte, wie faszinierend es ist, mit Tönen zu arbeiten: beim Bericht über einen Fassanstich nicht nur schreiben zu können: fünf Schläge. Sondern den Hörern das Geräusch mitzubringen und sie es selbst hören zu lassen.

Auch das Ungesagte hört man

"Sehr viel direkter" ist die journalistische Vorgehensweise beim Radio, vergleicht Manfred Stockburger die Erfahrungen von damals mit seiner langjährigen Arbeit als Wirtschafts-Lokalredakteur bei der Zeitung. Um gute Töne mitzubringen, "muss man nah rangehen".

Auch etwas anderes fasziniert den 44-jährigen Journalisten bis heute: "Wenn man eine Stimme auf Band hat, ist sehr viel mehr Kontext dabei." In der Zeitung bleiben davon nur Doppelpunkt, Anführungszeichen und Buchstaben übrig. Im Rundfunk hört man all das Ungesagte mit heraus: ob jemand selbstbewusst oder verunsichert klingt, empört oder überrascht ist.

Journalisten, die fürs Radio arbeiten, lernen, auf eine ganz andere Art hinzuhören. Deshalb ist es wohl kein Zufall, dass das Erste, woran sie sich spontan erinnern, kein inneres Bild ist. Sondern: ein Geräusch.

Radio Regional gehörte zu ersten Privatsendern im Land

Als Geräusche plötzlich wichtig wurden
Im Hochhaus der Heilbronner Stimme an der Allee ist noch immer der Sitz von Radio Ton, einem von 13 privaten Lokalsendern im Land.Foto: Andreas Veigel
Voraussetzung für die Zulassung privater Rundfunksender war der Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens von 1987. Dieser schuf die Grundlage für das Nebeneinander öffentlich-rechtlicher und privater Hörfunkveranstalter. In Baden-Württemberg gab es 1987 die ersten Lizenzen für lokale und regionale Sender, darunter war Radio Regional.

Vor genau 25 Jahren, am 25. November 1987 um 11.02 Uhr, wurde zum ersten Mal aus dem Heilbronner Radio-Regional-Studio im Stimme-Hochhaus gesendet. Lizenznehmer waren die Tageszeitungen Haller und Hohenloher Tagblatt, Tauber Zeitung, Rundschau für den Schwäbischen Wald, IHK und Handwerkskammer unter Federführung der Heilbronner Stimme.

Sieben Jahre später änderte sich der Name des Senders − und einiges mehr: Im Oktober 1994 lief die Lizenz für den Privatsender der Tageszeitungen in der Region aus. Die private baden-württembergische Rundfunklandschaft wurde neu strukturiert. Zwei Sender wurden zusammengelegt: Die neue Lizenz für den Lokalsender in der Region Franken erhielt die Radio TON Regional-Hörfunk GmbH & Co. KG, eine Gesellschaft mit dem vormaligen Radio TON Bad Mergentheim und Radio Regional Heilbronn. ff/kis

 


 


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