Alleingelassen beim Warten auf die Stadtbahn

Heilbronn  Heilbronn - Stadtbahn-Kunden berichten regelmäßig davon: Bei Unfällen und Verspätungen herrscht oft Wirrwarr an den Haltestellen, weil Informationen fehlen. Vor allem über zu wenig Durchsagen beschweren sich viele Fahrgäste.

Von Daniel Stahl

Allein auf weiter Stadtbahn-Strecke
Bei Unfällen oder Verspätungen im Nahverkehr muss Wilfried Rentschler in der Leitstelle Ersatzverkehr, Umleitungen und auch Durchsagen koordinieren.Fotos: Daniel Stahl

Heilbronn - Wilfried Rentschler kann es sehen, wenn die Leute ihm nicht zuhören, sagt er. Er sitzt in der Leitstelle der Heilbronner Verkehrsbetriebe und macht eine Durchsage für eine Stadtbahn-Haltestelle. "Bitte nicht einsteigen, diese Stadtbahn endet hier", tönt es dann aus den Lautsprechern. Und trotzdem sieht Rentschler über die Überwachungskamera, wie wieder jemand in den Zug steigt.

"Oft werden die Durchsagen an den Stadtbahn-Halten von den Leuten nicht wahrgenommen", sagt Fahrdienstleiter Herbert Conz. Anzeigen würden oft übersehen. Das ist zumindest die Sicht der Heilbronner Verkehrsbetriebe. Bei vielen Kunden der Stadtbahn klingt das ganz anders. "Bei Durchsagen hapert es in Heilbronn sehr", findet etwa Andrea Mikitic.

Verständnis der Kunden gewinnen

Egal ob Unfälle, Oberleitungsschäden oder andere Probleme: Oft berichten Fahrgäste, dass sie sich schlecht informiert fühlen. Häufig würden etwa ohne Vorwarnung Bahnen ausfallen. Bei den Verkehrsbetrieben der Stadt melden sich regelmäßig unzufriedene Kunden.

"Wir versuchen immer, Durchsagen zu machen", sagt Fahrdienstleiter Conz. "Wenn der Kunde informiert ist, dann versteht er auch vieles." Umso verwunderlicher ist, dass die Ansagen oft trotzdem nicht oder nur spärlich ankommen.

Nur eine Person in Leitstelle

Zur Erklärung zeigt Conz die Leitstelle in der Harmonie. Hier sitzt jeden Tag eine Person vor zwölf Bildschirmen und vier Telefonen und koordiniert den Nahverkehr in Heilbronn. Bei Problemen auf der Strecke der Stadtbahn muss etwa Wilfried Rentschler von hier aus Weichen stellen, Ersatzbusse schicken, Techniker bestellen, Fragen der Zugfahrer beantworten und eben Kunden informieren.

"An einem chaotischen Tag hat man fast keine Chance, Durchsagen zu machen", sagt Rentschler. "Ein Mann kann maximal zwei Telefone bedienen." Ähnliches berichtet Sarah Breuer, Sprecherin der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG): "Bis zur ersten ausführlichen Kundeninformation müssen noch die Züge und das Fahrpersonal neu disponiert werden."

Kein Patentrezept für alle Fälle

Das ist einerseits verständlich. Für Kunden bleibt es trotzdem ärgerlich, wenn das Personal in den Leitstellen zu wenig Zeit für Durchsagen hat. "Das geht seit Jahren so", sagt Michael Schwager vom Verkehrsclub Deutschland. Er fordert eine Art Notfallmanager. "Ein Problem ist, dass zu viele Köche den Brei verderben."

Denn die Strecke Eppingen-Öhringen der S4 hat drei verschiedene Betreiber: Die AVG von Eppingen bis nach Heilbronn, in der Innenstadt die Verkehrsbetriebe und vom Trappensee bis nach Öhringen die Deutsche Bahn. Bei Streckenproblemen müssen die Informationen erst an alle weitergegeben werden, bevor es Durchsagen geben kann.

Doch diese Koordination zwischen den Betreibern funktioniere, sagt dagegen Herbert Conz. Daran könne es nicht liegen, dass manchmal Informationen fehlen. "Aber für alle Eventualitäten kann man einfach nicht vorsorgen."

 

 


Kommentar hinzufügen