Abbruchstelle wird untersucht

Region - Bei einem Presserundgang durch die Untertagedeponie des Salzbergwerks Heilbronn wurde über Sondermülleinlagerungen unter Tage informiert.

Von unserem Redakteur Jürgen Kümmerle

Heilbronn - Es ist eine beeindruckende Menge Gestein, die in Kammer NW 90 Süd des Salzbergwerks Heilbronn auf Schweizer Sondermüll gefallen war. 300 Kubikmeter oder 700 Tonnen, so schätzen die Betreiber. Nachdem der Abbruch bekannt wurde, hatte Helmut Himmelsbach, Aufsichtsratsvorsitzende der Südwestdeutschen Salzwerke AG (SWS), Stadträte und Pressevertreter am Freitag zu einem Rundgang in die Untertagedeponie im Salzbergwerk eingeladen.

Probe

Die Kammer NW 90 Süd liegt in etwa 200 Meter Tiefe irgendwo im Labyrinth des Salzbergwerks. Es ist eine andere Welt unter Tage. Ein weit verzweigtes Tunnelsystem, riesige Kammern, Förderbänder, Salz liegt in der Luft. 40 000 Tonnen Sondermüll werden jährlich eingelagert. Rückstände aus Rauchgasreinigungsanlagen, Kondensatoren und Transformatoren, belastete Böden (cyanidhaltige Abfälle), Rückstände aus alten Feuerlöschern und Gießereialtsande gehören zu den Hauptabfallarten.

"Der Stoff wird dort untersucht, wo er entsteht", sagt Jörg Dörfel Geschäftsführer der SWS-Tochter Umwelt, Entsorgung und Verwertung GmbH (UEV). Bei Anlieferung werde eine Rückstandsprobe und Eingangsanalysen genommen. "In externen Labors werden Kontrollanalysen angefertigt." Nachdem der Abfall geprüft und mit der Genehmigung verglichen wurde, wird der Sondermüll in weiße Säcke (Big Bags) gepackt, ins Bergwerkinnere transportiert und dort in Kammern gestapelt.

Insgesamt stehen im Bergwerk 70 Kammern mit einem Gesamtvolumen von 60 Millionen Kubikmetern zur Verfügung. 32 Kammern müssen laut Dörfel noch restverfüllt werden. Als die betreffende Kammer zur Restverfüllung geöffnet wurde, sei man auf den Gesteinsabbruch gestoßen, sagt Wolfgang Rüthers, Bereichsleiter Bergbau und Salz bei der SWS. Wann das Gestein in Kammer NW 90 Süd abgebrochen ist, könne man nicht sagen. Irgendwann in den vergangenen 20 Jahren. Nach dem Abbruch habe man jetzt 27 der 32 Kammern geöffnet und kontrolliert. "Wir haben keine Auffälligkeiten festgestellt", so Dörfel.

Hans-Joachim Voss, Vorstand der SWS, geht nicht davon aus, dass es noch weitere Einstürze in anderen Kammern gab. Das Ereignis in Kammer NW 90 Süd hatte man bei der SWS für nicht so dramatisch gehalten, als dass man die Öffentlichkeit hätte informieren müssen.

Nachweis

In der Schweiz zeigt man sich interessiert am Verbleib des eigenen Abfalls. Nach Auskunft eines Sprechers des dortigen Bundesamts für Umwelt (Bafu), waren beunruhigende Daten aus Bergwerksmessungen eingegangen. Daraufhin habe das Bafu ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, um die Daten zu beurteilen. Dem soll die SWS mit einer erneuten Prüfung eines Langzeitsicherheitsnachweises, der die Lagerung von gefährlichen Abfällen erlaubt, entgegen gekommen sein. Nach Auskunft von SWS-Vorstand Voss werde der Nachweis nicht neu nachgeprüft. Kommentar "Transparenz"

 

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