41-Jähriger soll Partnerin auf den Strich geschickt haben

Heilbronn  Jahrelang soll ein bulgarischer Staatsangehöriger seine damalige Lebensgefährtin zur Prostitution gezwungen haben. Beim Prozessauftakt vor dem Amtsgericht Heilbronn stritt der 41-Jährige alle Vorwürfe ab. Laut einem Zeugen gibt es Verbindungen zum Fall Vasileva.

Von Torsten Büchele

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Drei verschiedene Versionen einer mutmaßlichen Zwangsprostitution boten Staatsanwalt, Verteidiger und ein Zeuge am Dienstag vor dem Heilbronner Amtsgericht. Angeklagt ist ein 41-jähriger Bulgare. Ihm legt die Staatsanwaltschaft Menschenhandel, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung in sechs Fällen zur Last.

Drohungen und Schläge

Der Täter habe zwischen Dezember 2012 und Mai 2013 seine damalige Lebensgefährtin wiederholt für mehrere Tage zur Prostitution gezwungen und das Geld kassiert − in Bordellen und auf dem Straßenstrich in Heilbronn, Berlin und Polen. Sein Opfer habe er mit Drohungen und Schlägen eingeschüchtert. Die Frau sei unter Druck gestanden, weil sich ihr Kind bei der Mutter des Angeklagten befunden habe. Dieser habe auch den Umstand ausgenutzt, dass die Frau kein Deutsch sprach. Der 41-Jährige habe ihr den bulgarischen Ausweis abgenommen. Als sich die Frau im April 2014 von ihm trennte, habe er sie mit dem Tod bedroht.

Der 41-Jährige bestritt alle Vorwürfe. Er sei nie im Milieu tätig gewesen − anders als die Familie der Frau, die das Opfer auf den Strich geschickt habe. Hinter der Anzeige vermutet sein Verteidiger eine "Retourkutsche", nachdem sich der Angeklagte 2014 mit der Familie der Frau überworfen habe.

Seit 2011 habe er mit der Frau bei Heilbronn gelebt, sagte der Angeklagte, ein Bauarbeiter aus Varna. Doch die Arbeit sei schlecht gelaufen. Verwandte des Opfers hätten beide Ende 2012 nach Berlin eingeladen. Während ihre Tante und ihr Cousin vom Zigarettenschmuggel aus Polen gelebt hätten, hätten sie die Frau von März bis Mai 2013 dort anschaffen lassen. Täglich sei sie von Berlin aus gependelt. Als der Angeklagte davon erfahren habe, sei er nicht einverstanden gewesen und habe die Frau in ihre Heimat nach Bulgarien zurückgebracht.

Verhandlungen mit Heilbronner Rotlichtkönig

Ein Polizeibeamter, der als Zeuge aussagte, erinnerte an einen Zwischenfall, der sich im Mai 2013 auf der Reise nach Bulgarien in Heilbronn zugetragen habe. Die Familie der Frau, die laut Angeklagtem bis Wien mitreisen wollte, habe auf der Theresienstraße mit einem Heilbronner Rotlichtkönig verhandelt. Offenbar meldete sie Ansprüche auf den Straßenstrich an. Am Telefon sei der Angeklagte, der damals einen anderen Namen führte, als Unterhändler benannt worden. Vor Ort sei er jedoch nicht als solcher aufgetreten. Die Polizei habe ihm einen Platzverweis erteilt. Einen Verwandten der Frau habe man verhaftet, da er Drogen und eine Schreckschusswaffe mit sich geführt habe.

Der Polizist machte auf eine weitere Verbindung des Angeklagten aufmerksam. Gegen den 41-Jährigen werde in einem weiteren Verfahren wegen Freiheitsberaubung ermittelt. Das Opfer, die bulgarische Prostituierte Atanaska Vasileva, wurde im Juli 2013 aus Heilbronn entführt und ermordet.

Das Schöffengericht hat zwei Fortsetzungstermine benannt. Ein Urteil soll am 7. September fallen.