15 Kilogramm Marihuana an Polizisten verkauft

Heilbronn  Einen schwunghaften Drogenhandel sollen drei Kroaten Anfang des Jahres von Heilbronn aus betrieben haben. Dafür müssen sie sich seit Montag vor dem Landgericht Heilbronn verantworten.

Von Torsten Büchele

Laut Staatsanwaltschaft hatten die drei 27- bis 31-Jährigen im Januar und Februar versucht, über 15 Kilogramm Marihuana an einen Zwischenhändler in Ilsfeld zu verkaufen. In mindestens einem Fall stammten die Drogen wohl aus Kroatien. Beim Zwischenhändler handelte es sich allerdings um einen verdeckten Ermittler. Beim zweiten, wesentlich größeren Geschäft am 14. Februar klickten auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in der Porschestraße die Handschellen. Vor Gericht räumten die Angeklagten die Vorwürfe ein.

Die Wohnung eines Angeklagten in Esslingen habe laut Staatsanwalt als Drogenbunker gedient. Obwohl der 31-Jährige auch einen Mietwagen für die Fahrt nach Ilsfeld geordert haben soll, bleibe seine Tatbeteiligung laut Richter Frank Haberzettl gering. Der Haftbefehl gegen den 31-Jährigen wurde aufgehoben.

Ehemaliger Profifußballer als Drahtzieher?

Für die Verteidigerin stellt sich der Fall wie folgt dar: Drahtzieher des Geschäfts sei der zweite Angeklagte gewesen, ein 30-jähriger ehemaliger Profifußballer. Er sei seit einem Autounfall invalid. Aufgrund mangelnder Kontakte und Ortskenntnis habe sich der 30- Jährige des dritten Angeklagten (27) bedient, den er gut kannte. Der 31-jährige Esslinger habe aber keinen Gewinn aus dem Handel gezogen. Die Bereitstellung seiner Wohnung als Bunker habe er als Freundschaftsdienst begriffen.

Weder die genaue Menge noch Preise oder Qualität der Ware habe er gekannt. Darüber, was sie planten, hätten ihn die beiden anderen lange Zeit im Unklaren gelassen − auch wenn die Verteidigung einräumte, dass der Mann sehr wohl geahnt habe, was in seinen vier Wänden vor sich gehe. Seine Frau konsumiere Cannabis als Schmerzmittel, das der angeklagte Esslinger mitunter illegal besorgt habe.

"Details hat er nie wissen wollen", sagte seine Verteidigerin. Als ihm die anderen aber erklärt hätten, was sie in seiner Wohnung trieben, habe er sich dagegen verwahrt und mit dafür gesorgt, dass die am 14. Februar eingetroffene Ware am selben Tag sein Haus Richtung Abnehmer verließ.

Angeklagte bleiben in Untersuchungshaft 

Ein Hauptkommissar beschrieb, wie die Vorbereitungen beider Geschäfte von der Polizei überwacht worden seien. Zunächst habe ein verdeckter Ermittler Ende Januar ein Kilogramm Marihuana für 4000 Euro vom 27-Jährigen erworben. Der Deal habe auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Heilbronner Schmollerstraße stattgefunden.

Als der Angeklagte von sich aus weitere Lieferungen anbot, bei denen er "bis zu 20 Kilo" zugesagt habe, sei der Ermittler darauf eingegangen. Am Ende reisten sie mit knapp 15 Kilogramm Drogen nach Ilsfeld − und wanderten direkt ins Gefängnis. In Untersuchungshaft verbleiben zwei der drei Angeklagten mindestens bis zur Fortsetzung des Prozesses.