Ohne Frau läuft der Laden schlecht

Die Heilbronner Theatertruppe „Maskerade“ spielte in Neckarsulm ein Boulevardstück

Von Waltraud Langer

Ohne Frau läuft der Laden schlecht
Johannes Pfeiffer kocht ein Kennenlernmahl - den Beteiligten bekommt das Essen aber gar nicht gut: Die Heilbronner Theatertruppe „Maskerade“ spielte Boulevard in der Neckarsulmer Ballei. (Foto: Waltraud Langer)

Von Waltraud Langer

In der voll besetzten Neckarsulmer Ballei ulkte sich die Theatergruppe „Maskerade“ durch ein Boulevardstück mit einigen witzigen Sprachspielchen. Sie beging damit das 25jähriges Bestehen.

Vom Band braust „Also sprach Zarathustra“, etwas Schicksalhaftes muss passiert sein. Ins propere Wohnzimmer tritt der Hausherr frisch vom Scheidungstermin und schlingt sich die Krawatte um die Gurgel. Das Telefon klingelt: „Irene gehst du mal!“ Irene aber ist schon längst bei Marco, dem jungen Italo-Lover und Johannes Pfeiffer (mit sonorer Stimme Ralf Andraschek) hadert gewaltig mit seinem Dasein als Neu-Single.

Zu Hilfe kommen ihm seine Kinder Jens (quirlig Raffaele Contu) und Silke (frech Rositta Heil). Nicht ganz uneigennützig, denn Jens sucht einen ruhigen Platz für seine Spiele mit der sexy-Susi (komisch Claudia von Langen-Kühner) und Silke will ihren Anatomie-Professor - „Gestatten Dr. Mackenroth“ - (herrlich hölzern Harald Fabriz) ebendort von ihrer eigenen Anatomie überzeugen. Mackenroth hat es mehr mit der seriösen Wissenschaft und deponiert in Pfeiffers Wohnzimmer Knochengerüst Hugo als Anschauungsmaterial.

Komplikationen sind vorprogrammiert. „Ich werde dich bemuttern“, verspricht Sohn Jens seinem Vater, aber in Ermangelung der Hausfrau macht sich bald der Schlendrian breit. Kreuz und quer kugeln Flaschen, auf dem Boden türmt sich die Wäsche und der Goldfisch findet sich im Schonwaschgang wieder.

Der verlassene Ehemann verschmäht die klebrigen Spaghetti seines Sohnes und geht zum Italiener. Von dort kommt er mit Beatrice Belladonna (Sandra Hofheinz) zurück: „Ich hab mir gedacht, da nehm‘ ich doch den Nachtisch gleich mit nach Hause“. Der Haken: Sie besteht auf „si-si“ während er gerne auf „Du“ gemacht hätte. Ein Versöhnungs- und Kennenlernessen geht ebenso in die Hose wie der Versuch der Kinder, per Anzeige eine Frau für ihren Vater zu finden. Zwar streiten sich gleich zwei Bewerberinnen (Cornelia Jandt, Bettina Wiedmann) um den Hausherrn, aber kriegen tut ihn keine. „Ich liebe meine neue Freiheit und meine neue Steuerklasse“, sagt er.

Mit der Freiheit ist‘s aber trotzdem bald vorbei. Irene (resolut Birgit Koch) kommt zurück. Den Marco hat sie abgeschrieben. „Hat er sich denn amortisiert?“ wird sie gefragt. Wie dem auch sei, Irene will ihren Alten wieder, weil der Rheuma und Arthrose nicht für eine Musikrichtung hält und ihr verspricht, in Zukunft die Socken im Bett auszuziehen. Ein gewaltiges Textpensum hatten die Darsteller zu bewältigen und brachten es routiniert auf die Bühne. „Wir haben seit Oktober einmal pro Woche geübt“, erzählt Gabriele Meyer, die seit vielen Jahren bei den Amateurmimen Regie führt. „Wir sind fast alle Banker“, erklärt der Teamleiter Ralf Andraschek eine Besonderheit der Truppe, die aus einer Abschlussfeier der Kreissparkassen-Azubis hervorgegangen ist.

Auf Schautafeln, die im Foyer aus Anlass des Jubiläums aufgebaut waren, informierten sich die Zuschauer über die Stücke der letzten Jahre. Das diesjährige Stück ging drei Mal über die Bühne - in zwei öffentlichen Aufführungen und ein Mal als interne Veranstaltung zum 150-jährigen Bestehen der Sparkasse.