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Experimentierfreude prägt die Arbeiten

Zehn Jahre nach Dietrich Lösers Tod eröffnet Ehefrau Atelier

Von Ute Plückthun
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Lesezeit  2 Min
Professor Dieter Groß von der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart betrachtet eine Lithografie aus der „Sache mit Bim“.Foto: Ute Plückthun

Oedheim - Für Dietrich Löser war sein Lebenstraum in greifbarer Nähe. Der Stuttgarter Künstler und Kunstpädagoge plante, in seinem Geburtsort Oedheim ein eigenes Atelier in Betrieb zu nehmen – hell, mit Nordlicht und viel Raum zum Schaffen. Die Leinwände waren schon grundiert, alles bereit zum Loslegen, als der Tod mit 52 Jahren allem ein Ende setzte.

Zehn Jahre danach verwirklichte Maria Theresia Löser den Traum ihres Mannes: Mit Freunden, Wegbegleitern und ehemaligen Schülern eröffnete sie jetzt das zweistöckige Gebäude in der Hauptstraße 5/1, in dem mit 60 Bildern an den Wänden und noch mal 40 im prall gefüllten Grafikständer ein Teil seines Werks gezeigt wird. Denn „Kunst, die nicht gesehen wird, ist tot“, sagte die Kunsthistorikerin überzeugt.

Mehrfarbig Vielfältige Methoden und Themen prägen die Arbeiten Lösers: Die ein- und mehrfarbigen Mänaden aus der frühen Schaffensphase, ekstatische Frauen im Gefolge des griechischen Gottes Dionysos, geben einen Eindruck von seiner Experimentierfreude in der Kunst der Lithografie.

Unverkennbar autobiographische Züge trägt „Die Sache mit Bim“, eine in einfarbigen Lithografien zusammengestellte Fabel aus dem Jahr 1969. Bim, zunächst mit sich im Einklang, lässt sich von seiner Umwelt einordnen, wird schließlich verkannt und geht in der Masse unter. Nicht zufällig arbeitete Löser nach seinem vierjährigen Studium bei mehreren namhaften Unternehmen als Werbegrafiker. Großformatige Akte in Kohle, die von 1977 bis 1978 entstanden, zeigen das „Ringen um Form, Proportion und Ausdruck“, wie Wegbegleiter Dieter Groß ausführte.

„An den gereiften Lösungen sieht man deutlich, dass Kunst ohne Anstrengung nicht zu haben ist“, lobte Groß, Professor von der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, der bei der Einrichtung des Ateliers mit Rat zur Seite stand.

Bereits in der frühen Schaffensphase begann Löser naturnahe Themen zu bearbeiten: das Meer in seiner Bewegung, der weite Horizont und das Licht. Auf Reisen nach Ligurien, Sizilien, Mallorca und in die Bretagne entstanden zunächst Bleistift- und Federzeichnungen, später Aquarelle, die im Erdgeschoss und dem Treppenaufgang zu sehen sind.

Nutzung Zeit zum eigenen kreativen Schaffen fand Löser in seiner 20-jährigen Tätigkeit als Kunsterzieher an Stuttgarter Gymnasien bis zu seinem Tod vor allem in den Schulferien. Maria Theresia Löser hofft, dass das schmucke Atelier nicht nur Ausstellungs- und Verkaufsraum der Bilder ihres Mannes bleibt. „Es wäre schön, wenn es wieder genutzt würde“, sagt sie „Die Akustik in dem hohen Raum ist gut“, betont sie im Hinblick auf musikalische Veranstaltungen. Erstes Interesse bekundet Roland Götzinger, Leiter des Neuenstädter Eduard-Mörike-Gymnasiums: „Vielleicht wäre das ein Ort für den Leistungskurs Kunst.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Oktober jeweils samstags und sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr zu besichtigen.

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