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Ein Traum geht weiter

Kunstausstellung zeigt ab 7. September Arbeiten von Dietrich Löser

Von Rainer Kury
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Lesezeit  2 Min
Maria-Theresia Löser vor der Vitrine im Rathaus, in der zwei frühe Darstellungen der Heimatgemeinde ihres Mannes Dietrich Löser ausgestellt sind.Foto: Rainer Kury

Oedheim - Ars longa, vita brevis. Dies klassische Zitat (deutsch: „Die Kunst ist lang, das Leben kurz“) treffe auf ihren Mann zu, sagt Maria-Teresia Löser. Sie steht im hellen Foyer des Oedheimer Rathauses. An zwei Wänden hängen Aquarelle, Radierungen und Zeichnungen ihres vor zehn Jahren verstorbenen Gatten Dietrich Löser.

Meer, Felsen und Wind sind die Motive der in der Bretagne und in Sizilien entstandenen Aquarelle. Der aus Oedheim stammende Grafiker, Maler und Kunsterzieher schuf sie auf Reisen Ende der 80er Jahre. „Neben seinen großformatigen Aktzeichnungen sind dies meine Lieblingsbilder“, sagt die 58-Jährige. „Sie laden zur Meditation ein und geben mir Ruhe und Kraft.“

Werke dieser Art bildeten den künstlerischen Schwerpunkt Lösers ab seinem Zweitstudium zum Kunsterzieher an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart Mitte der 70er Jahre. Der Kunsthistoriker Professor Hans Fegers hatte ihn davon überzeugt, jungen Menschen die Freude an der Kunst zu vermitteln, die Löser selbst stets verspürte.

Früh habe es ihren 1946 als Spross einer Landwirts- und Wengerterfamilie in Oedheim geborenen Mann zum Gestalten gezogen, sagt Maria-Theresia Löser. „Bereits in der Grundschule sind seine detaillierten Zeichnungen aufgefallen.“ Als Schüler entwarf er auch Plakate für die Pfarrbücherei oder die Oedheimer Kolping-Schauspielgruppe. Er verließ das Gymnasium vor dem Abitur und lernte graphischer Zeichner bei der Werbemittelfirma Nupnau in Heilbronn-Böckingen. „Dort arbeitete er mit dem bekannten Glasmaler Josef de Ponte“, sagt seine Schwester Gertrud Klenk.

Die Zeit seines anschließenden Graphik-Design-Studiums in Stuttgart markierte eine künstlerisch intensive Phase. Collagen, Lithographien, Radierungen oder Zeichnungen entstanden auf Exkursionen. Eine Handvoll dieser Arbeiten ist im Rathaus zu sehen. Zeichnungen von Bergdörfern in der Toscana oder in Ligurien genauso wie eine Radierung des Place du Panthéon vor der Pariser Hochschule Sorbonne – gezeichnet im Jahr der Studentenrevolte 1968. Auf diesen Reisen lernte er Italien und Frankreich lieben, wohin er immer wieder zurückkehrte. Seine letzte Federzeichnung entstand 1996 am Meer in Ligurien.

Anfang der 70er Jahre arbeitete Löser als Graphiker und entwarf für die renommierte Werbeagentur Leonhardt und Kern Firmenlogos und -zeitschriften für IBM und Siemens. Seine zweite Berufung als Kunstpädagoge führte ihn an verschiedene Gymnasien in der Landeshauptstadt, wo er über 20 Jahre als Lehrer tätig war.

Einen Traum erfüllte sich Löser mit einem eigenen Atelier in Oedheim. „Mein Mann war hier tief verwurzelt“, sagt Maria-Theresia Löser. Nutzen konnte er das neue Domizil in der alten Heimat nicht mehr – kurz nach Fertigstellung erlag er im Mai 1998 einem Herzleiden.

Maria-Theresia Löser organisiert derzeit mit viel Energie eine größere Werkschau im Atelierhaus, die ab dem 7. September zu sehen ist. Sie fügt damit der Vision ihres Mannes ein weiteres Kapitel hinzu. Ein älteres Kapitel ist indes im Oedheimer Heimatbuch zu finden, für das Löser die Oedheimer Sagen illustrierte.

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