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Ein Ort der Kunst verschwindet leise

Maria-Theresia Löser löst Atelier ihres Mannes auf: Nachlass für Kunstakademie

Von Petra Müller-Kromer
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Lesezeit  2 Min
Ein Ort der Kunst verschwindet leise
Maria-Theresia Löser mit Plakaten, Zeichnungen und Drucken ihres verstorbenen Ehemannes Dietrich Löser.Fotos: Petra Müller-Kromer

Es grüßt freundlich von der Durchgangsstraße in Oedheim her, das Haus Neuenstädter Straße 5/1. Bescheiden gliedert es sich ein, und doch scheint es vom Süden zu erzählen, mit seinem orangefarbenen Anstrich, den grünen Holz-Fensterläden, einem Tor aus Naturstein, Rosensträuchern und Lavendel. "Das Haus war unser drittes Kind. Sein genialster Entwurf", sagt Maria-Theresia Löser.

Zentrum "Er", das ist Graphiker und Kunsterzieher Dietrich Löser, ihr Mann, der aus einer Scheune neben dem Elternhaus ein großzügiges Atelier geschaffen hatte. Mit einem Glasdach, durch das das milde Nordlicht hereinscheint, wie Maler es lieben. Ein künstlerisches Zentrum schwebte beiden vor, Workshops für Kinder. Der finanzielle Aufwand war erheblich. Farbtuben, Pinsel, Leinwände standen bereit, doch Löser sollte sie nicht mehr anrühren. Der Herzkranke, der bei einer Operation verunreinigtes Blut bekommen hatte, starb mit 51. Das war vor 13 Jahren. "Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen."

Maria-Theresia Löser spricht ruhig, sanft. In der Stube und im Atelier hat sie Feldblumen in Krügen arrangiert, Margeriten, Mohn, Glockenblumen. Sie hatte sich verschrieben, das Haus zu bewahren. Den Traum ihres Mannes, der, längst in Stuttgart sesshaft geworden, diese Sehnsucht nach der Heimat im Herzen trug, nach Oedheim.

Jetzt kann sie es nicht mehr. Zu aufwendig ist das Pendeln geworden, zu groß die finanzielle Belastung. In ihrer Erinnerungsecke hat sie getrauert, mit dem Verstorbenen gesprochen. "Das Haus wirkte wohltuend, heilend auf mich. Das Haus hat ein Herz."

Bald werden die Aquarelle, die Stillleben, die Akte mit schwarzer Kohle, die Lithographien und Skulpturen aus den Räumen weichen. Für eine Ausstellung in Gedenken an den Ehemann hatte die 60-Jährige die Werke 2008 hier präsentiert. 240 Gäste hatten damals die Schöpfungen des Oedheimers gesehen, diese Erinnerung macht die Witwe heute noch glücklich. Ehemalige Schüler hatten Kontakt aufgenommen, Menschen, die nicht zuletzt durch den Mentor ihre berufliche Zukunft in der Kunst fanden.

Einst als Graphiker in der Werbung erfolgreich, hatte Löser auf dem zweiten Bildungsweg Kunsterziehung studiert. "Er hat weniger verdient, eine Umstellung, auch für uns. Aber das war egal. Diese Einstellung ist eigentlich ideal," sagt die Frau, die als Kunsthistorikerin selbst vom Fach ist und lange Zeit im Landesmuseum Stuttgart gearbeitet hat.

Abschied Einen Teil des Nachlasses hat die Mutter zweier erwachsener Söhne der Kunstakademie Stuttgart vermacht, im Rathaus Oedheim hängt eine Ortsansicht, auch mit dem Künstlerbund Heilbronn will sie Kontakt aufnehmen. Derweil vermietet sie das Atelier als Wohnhaus. "Ich habe mit ihm gesprochen. Ob es richtig ist, das alles aufzugeben. Aber ein Haus muss auch leben. Ich kann das nicht allein ausfüllen. Ich hoffe, dass er mir verzeiht."

Die Galerie Löser, Neuenstädter Straße 5/1 ist am Donnerstag, 23. Juni, von 10 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 14 bis 18 Uhr noch einmal geöffnet.

Ein Ort der Kunst verschwindet leise
Die Natursteinwand der ehemaligen Scheune hat das Ehepaar in den Neubau integriert. Wo jetzt Ausstellungsstücke hängen, sollte eine Werkstatt entstehen.
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