Weggefährten feiern Erhard Klotz

Empfang für den 70-jährigen früheren Oberbürgermeister in der Ballei

Von Barbara Barth

„Menschen sind das Ziel aller Bemühungen.“

Erhard Klotz

Neckarsulm - Früher war er immer einer der Jüngsten, als Bürgermeister, als Oberbürgermeister, als Aufsichtsrat und als Ehrenbürger. „Und nun bin ich 70.“ Mit dieser entwaffnenden Wahrheit überraschte Dr. Erhard Klotz seine Geburtstagsgäste in der Neckarsulmer Ballei zwar nicht wirklich, aber das Eingeständnis wurde doch von den meisten milde belächelt: „Wir werden alle nicht jünger.“

Obwohl seit einigen Jahren nicht mehr aktiv tätig, hatten die Stadt, die Volksbank Heilbronn und die Heimstättengemeinschaft Neckarsulm-Heilbronn am Vorabend des Geburtstages gemeinsam einen Empfang für ihren früheren OB und Aufsichtsratsvorsitzenden ausgerichtet. In die lange Schlange der Gratulanten reihten sich Ehrengäste aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, aus der Wirtschaft, aus Verbänden und Kirchen ein. Sogar ein leibhaftiger Bundespräsident außer Diensten schüttelte dem Jubilar die Hand. Roman Herzog dankte mit seiner Frau Alexandra Freifrau von Berlichingen für Klotz’ Engagement bei den Burgfestspielen Jagsthausen, wo er als zweiter Vorsitzender der „Freunde“ ehrenamtlich für die Kunst wirbelt.

Die Weggefährten eines langen, erfolgreichen Berufslebens feierten und dankten einem Mann, der mit „Ideenreichtum, Pragmatismus und Zielstrebigkeit die Stadt nach vorn entwickelt hat“, wie Oberbürgermeister Volker Blust das „großartige Lebenswerk“ von Erhard Klotz würdigte. Beispielhafte Bauten wie die Ballei oder das Aquatoll, die Sicherung und der Ausbau des Wirtschaftsstandorts mit der Ansiedlung von Binder, Landerer, Lidl und Kaufland oder die Erweiterung des Stadtteils Amorbach fallen in seine fast 25-jährige Zeit als Neckarsulmer Stadtoberhaupt. Ob der 70-Jährige nun zum jährlichen Altennachmittag der Stadt kommt, blieb offen. Eingeladen ist er jedenfalls.

36 Jahre lang engagierte sich Klotz im genossenschaftlichen Bankenwesen, erst in der Volksbank Neckarsulm und nach der Fusion 1992 in der Volksbank Heilbronn. „Die Fusion der beiden Wettbewerber galt eigentlich als Unmöglichkeit“, erinnerte der heutige Aufsichtsratsvorsitzende, Karl Seiter. Aber der „Macher“ Klotz habe so gute Vorarbeit geleistet, dass die Verschmelzung gleich im ersten Anlauf klappte. Weitere Fusionen bis zu seinem Ausscheiden 2006 folgten.

Bezahlbarer Wohnraum 38 Jahre verschrieb sich Klotz den Zielen des genossenschaftlichen Bauens und Wohnens. „Die Heimstätte ist ihm zu übergroßem Dank verpflichtet“, erklärte der jetzige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Grabbe. „Erhard Klotz hat vielen Menschen Neckarsulm zur Heimat gemacht, indem er für bezahlbaren Wohnraum gesorgt hat“, sagte der Neckarsulmer Bürgermeister.

In Gegenwart seiner Familie – seiner Frau Madeleine, den beiden Töchtern Christianne und Ariane und den drei Enkeln Maxime, Vivienne und Sophia – fühlte sich das Geburtstagskind „geehrt“ für das „schöne Zeichen der Verbundenheit“. Der „stolze Ehrenbürger“ gestand selbstkritisch, „Menschen oft auf die Zehen getreten“ zu haben, „weil bei mir immer alles schnell gehen muss“. Für langsamer tickende Zeitgenossen habe ihm manchmal die Geduld gefehlt. Das sehe er heute anders, denn „Menschen sind das Ziel aller Bemühungen“.

Das wichtigste Ereignis seines beruflichen Wirkens blieb für Klotz der erfolgreiche Kampf um Audi-NSU im Jahr 1975, als nur das Zusammenstehen von Politik, Gewerkschaft, Betriebsrat und Medien eine Schließung des Neckarsulmer Werks verhinderte.