Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Bad Wimpfen - Unter großer Anteilnahme hat der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern in Bad Wimpfen vier Stolpersteine verlegt − zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus.

Von Adrian Hoffmann

Stolpersteine als Mahnmal
Künstler Demnig lässt die Stolpersteine ein, hinter ihm die Enkelinnen Baers.

Bad Wimpfen - Unter großer Anteilnahme hat der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern in Bad Wimpfen vier Stolpersteine verlegt − zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus. Jüdische Angehörige des 1938 nach Dachau deportierten und dort ermordeten Adolf Baer sind eigens für diese Form des Gedenkens aus den USA angereist. "Wir freuen uns sehr, dass Sie hier sind", begrüßte Bürgermeister Claus Brechter die beiden Enkelinnen Baers, Ellen Rosenfeld und Ruth K. Markus, sowie deren Kinder.

Stets ein Mahnmal

Die Stolpersteine für Adolf Baer und seine Tochter Hedwig, die 1942 in Izbica ermordet wurden, "sollen stets ein Mahnmal sein, dass so etwas nie wieder geschehen darf", sagte Brechter. Die mit Messingplatten versehenen Steine, auf der die Lebensdaten der Opfer eingraviert sind, seien eine Erinnerung in würdiger Weise, die sowohl der Gemeinderat als auch die Wimpfener Bevölkerung mittragen. Rund 100 Menschen kamen zur Verlegung, darunter auch viele Schüler. "Der heutige Tag ist nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern auch der Scham, dass so etwas in unserem Land geschehen konnte", sagte Claus Brechter weiter. Angestoßen hatte die Aktion im Rahmen einer privaten Feier Susanne Blach, die in Bad Wimpfen wohnt.

Zwiespältige Gefühle
 
Die Schüler der Geschichts-AG des Hohenstaufen-Gymnasiums und ihr Lehrer Bernd Wetzka hatten sich jahrelang auf die Spuren der Wimpfener Juden und ihren Familiengeschichten gemacht, wofür sich eine der Urenkelinnen im Namen der Familie Baer bedankte. Die Enkelinnen Baers sind durchaus mit zwiespältigen Gefühlen in ihre frühere Heimat aufgebrochen, aber schließlich haben sie sich von der Einladung der Gemeinde überzeugen lassen. "Es war sehr emotional", sagte Ellen Rosenfeld, nachdem Künstler Demnig die ersten Stolpersteine für ihre Tante und ihren Großvater verlegt hatte. Minutenlang stand die Familie vor den Stolpersteinen und blickte auf die Messingplatten. Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums hatten Rosen daneben gelegt. "Ich bin restlos begeistert", sagte Lehrer Wetzka nach der Verlegung. Er habe das Gefühl gehabt, dass die Enkelinnen Baers zum ersten Mal Abschied von ihrem Großvater nehmen konnten − nach mehr als 70 Jahren.

Neben Adolf und Hedwig Baer ist Friederike Mannheimer, die 1944 in Auschwitz ermordet wurde, und Euthanasie-Opfer Manfred Pfeifer mit der Verlegung zweier Stolpersteine gedacht worden. Zur Umsetzung beigetragen haben auch die örtlichen Kirchen und der Verein Alt-Wimpfen. Lehrer Wetzka und seine Schüler stießen durch puren Zufall auf den Hinweis, dass Angehörige Baers heute in den USA leben.

Stolpersteine als Mahnmal
Große Resonanz: Vor rund 100 Menschen begrüßte Bürgermeister Claus Brechter die jüdischen Angehörigen der Familie Baer.Fotos: Adrian Hoffmann
Stolpersteine als Mahnmal
Über die Messingplatten sollen künftig Passanten "stolpern" und sich erinnern.