Stadtbahnexperte macht Hoffnung

Über 100 Zuhörer beim verkehrspolitischen Abend in Möckmühler Stadthalle

Von Ute Plückthun

Stadtbahnexperte macht Hoffnung
Wären in Möckmühl gern öfter gesehen: Regionalbahn und Regionalexpress.Foto: Ute Plückthun

Frankenbahn - Zu selten, zu früh, gar nicht: Mangelhafte Verbindungen auf der Kursbuchstrecke 780 von Stuttgart nach Würzburg und insbesondere von Jagstfeld über Osterburken nach Lauda sind der Bürgerinitiative 780 Frankenbahn (BI) ein Dorn im Auge. Über 100 Zuhörer folgten jetzt der Einladung des Lenkungskreises zu einer Informationsveranstaltung mit Dieter Ludwig in der Möckmühler Stadthalle.

Zugewuchert Von einem „beklagenswerten Zustand“ und „Stiefkindcharakter“ der Strecke spricht die BI. Zugewucherte Haltepunkte, veraltete Bahntechnik und immer wieder Reisende, die aufgrund der oft nur zweistündigen Taktzahl wegen Verspätungen in Würzburg stranden. Vor allem die Kommunen zwischen den Knotenpunkten glauben sie, nach Fahrplankürzungen im Jahr 2007 durch die vom Land beauftragte Deutsche Bahn AG, „aufs Abstellgleis“ geschoben.

Beispiel Möckmühl: Verkäuferin Mandy Krämer fährt um 7.35 Uhr wie jeden Werktag von Möckmühl nach Adelsheim. Doch am Samstag nützt der 32-Jährigen ihre Monatskarte nichts: „Ich muss das Auto nehmen, ein Zug geht erst nach neun.“ Realschüler Mark Essig trifft derweil aus Züttlingen ein. „Zur zweiten Stunde geht kein Zug“, bemängelt der 15-Jährige. „Wenn wir zur dritten Stunde um 9.20 Uhr Unterricht haben, kommen wir alle zu spät, weil der Zug erst um 9.16 Uhr ankommt.“

Für die von Möckmühls Bürgermeister Ulrich Stammer geforderte „Stärkung des ländlichen Raums durch einen gut funktionierenden Personennahverkehr“ zeigte der von BI-Sprecher Hans-Martin Sauter als „Stadtbahnpapst“ angekündigte Dieter Ludwig eine Möglichkeit auf.

Mit seinem Stadtbahnkonzept propagierte er ein gut funktionierendes System durch moderne Bahnsteige und Züge, Erhöhung der Haltestellenanzahl und dadurch gravierenden Anstieg der Fahrgastzahlen. Ludwig erläuterte die Bedeutung von kurzen Wegen zu Haltestellen und direkten Zugverbindungen ohne Umstieg. Er unterstrich die Bedeutung der Frankenbahn, deren Akzeptanz wesentlich höher läge als die eines Bussystems. Zwar müssten zusätzliche Haltestellen eingerichtet werden, doch gebe es aufgrund der guten Lage „keine Infrastrukturkosten, die Züge brauchen nur noch auf die Schienen gelupft werden“. Wenn die Stadtbahnstrecke bis Neckarsulm 2012 gebaut sei, „können die Bahnen ohne Probleme bis nach Osterburken oder Lauda weiterfahren.“

Ein Drittel mehr Züge machte Ludwig den Zuhörern schmackhaft. „Wir wollen aber nicht mehr Geld als die Deutsche Bahn“. Einziges Problem sei, vorzeitig aus den bis 2016 bestehenden Verträgen herauszukommen. Hier sei die Initiative der Bürgermeister gefragt.

Vertaktung Roigheims Bürgermeister Michael Grimm bestätigte: „So, wie es dargestellt wurde, hört es sich sehr gut an“. Allerdings gehe es ihm mit „Regelmäßigkeit und guter Vertaktung“ eher um die Sache. „Wer es macht, ist egal“. Sein Adelsheimer Kollege Klaus Gramlich betonte: „Von einem Stadtbahnsystem verspreche ich mir zum gleichen Preis mehr Zugfahrleistung.“ Ulrich Stammer bekannte sich als „Fan der Stadtbahn“ und schloss sich Ludwigs Forderung nach einem „großen Wurf“ an.