OB muss persönlich ansprechbar sein

Vertreter von Unternehmen und Betrieben schätzen vor allem kurze Verfahrenswege

Von Heike Kinkopf

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Neckarsulm bietet zahlreichen Menschen aus der Region einen Arbeitsplatz. Der neue OB braucht für Betriebe und Unternehmen ein offenes Ohr.Fotos: dpa / Archiv

Neckarsulm - Knapp 28 000 Arbeitsplätze verpflichten. Neckarsulms künftiger Oberbürgermeister sollte in der Vergangenheit bewiesen haben, „dass er sich in regionalen Netzwerken in Bezug auf Industrieansiedlungen bestens auskennt“, sagt Ralf Hofmann, Geschäftsführer der Kaco Gerätetechnik GmbH. Für den Chef von rund 260 Mitarbeitern zeigt sich die Wirtschaftskompetenz eines OB beispielsweise in der Fähigkeit, hoch qualifizierte Arbeitsplätze an die Region zu binden. Für die Wahl des Oberbürgermeisters am 27. Juli haben bisher Klaus Grabbe, Joachim Scholz und Peter Weiß ihren Hut in den Ring geworfen.

Große Bedeutung messen Unternehmer am Ort kurzen und unbürokratischen Genehmigungswegen bei. Ralf von Briel, Geschäftsführer der Schrade GmbH mit 165 Beschäftigten, setzt auf „schlanke Entscheidungsprozesse“. Wichtig ist, so von Briels Erfahrung, dass bei Vorhaben alle wesentlichen Ämter und Behörden am Tisch sitzen und man nicht von „Pontius zu Pilatus läuft“. In dringenden Fragen müsse auch mal ein kurzfristiger Gesprächstermin beim OB drin sein. Dass Genehmigungsverfahren „zügig bearbeitet werden“, darauf legt Franz Binder von der gleichnamigen GmbH (545 Mitarbeiter) Wert. Inwieweit ein Stadtoberhaupt für die Anliegen der Betriebe aufgeschlossen ist, liest er an weiteren Punkten ab: Werden Bauvorschriften in Gewerbe- und Industriegebieten großzügig ausgelegt? Bleibt der Hebesatz für die Gewerbesteuer von aktuell 300 Punkten?

Die Stadt mit OB Volker Blust an der Spitze hat in der Vergangenheit eine ausgeprägte Wirtschaftskompetenz bewiesen. Dies steht für Audi-Werksleiter Jürgen Lunemann fest. Blust schätzt er als „sehr offenen und kooperativen Partner mit Mut zu Neuem“. Lunemann hofft, dass Audi, der mit 13 400 Mitarbeitern größte Arbeitgeber in der Region, diese gute Zusammenarbeit mit dem neuen OB in der bewährten Form fortsetzen kann. Von Vorteil sei es, wenn er „eine Begeisterungsfähigkeit für technische Innovationen und Automobile mitbringt“.

Toleranz Ein offenes Ohr für die Belange der Wirtschaft reicht nicht. Im Zuge von Globalisierung und Internationalisierung räumt Lunemann Eigenschaften wie Toleranz sowie der Fähigkeit, über den Tellerrand schauen zu können, einen hohen Stellenwert ein. Auch Ralf von Briel macht Wirtschaftskompetenz nicht zuletzt an der Schaffung eines lebenswerten Umfelds fest. Angebote wie Mediathek oder Aquatoll, aber auch die Bemühungen zur Belebung der Innenstadt gehören für von Briel dazu: „Menschen müssen sich am Ort wohlfühlen.“ Nur so könnten Unternehmen auf der Suche nach Mitarbeitern die besten und qualifiziertesten für Neckarsulm gewinnen.

Ist einem OB die Bedeutung des Einzelhandels bewusst, dann zeugt das nach Meinung von Modehaus-Inhaber Thomas Diemer von Kompetenz. Der Einzelhandel belebe die Innenstadt und trage zu einem lebenswerten Umfeld bei. Wichtige Kooperationspartner sind Stadtmarketing und Flächenmanagement. Das Interesse eines OB am Einzelhandel – Diemer beschäftigt 30 Mitarbeiter – liest er an der Bereitschaft zum Dialog ab. Wünschenswert sei das Gespräch, bevor es zu Entscheidungen im Gemeinderat kommt. Bei Projekten wie dem Ärztehaus oder bei Fragen der Verkehrsplanung sollten Einzelhändler im Vorfeld stärker eingebunden werden.

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Bäckerhandwerk kündigt Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent an
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Maschinenführer haben viele Chancen auf Weiterbildung im Beruf
Zum Themendienst-Bericht "Beruf/Ausbildung/Jugend/Ratgeber/KORR/" von Katlen Trautmann vom 12. Mai: In vielen modernen Fabriken sind Automaten und computergestützte Systeme im Einsatz - Maschinenführer sind zum Beispiel in der Automobilindustrie gefragte Experten. (Archivbild vom 04.02.2008/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) +++ +++
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