Nur die Hecklenkung macht Probleme

Christian-Schmidt-Schüler machen als Zusatzqualifikation den Staplerführerschein

Von Stefanie Pfäffle

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Nur die Hecklenkung macht Probleme
Vorsichtig: Beim Stapler ist Fingerspitzengefühl gefragt.Foto: Stefanie Pfäffle

Neckarsulm - Ruhig lässt Marcel Kurz die Gabel seines Gabelstaplers herunter. Ein kleiner Tritt aufs Gaspedal und schon befindet sich diese in der richtigen Position. Die Kiste aufnehmen und leicht hochheben. Nun muss der 17-Jährige die Metallkiste vorsichtig um die vielen kleinen Hütchen lenken.

"Die Lenkung ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, weil sie auf die kleinste Bewegung reagiert, aber nach einer Woche geht es", findet der junge Bad Friedrichshaller. Mit 34 anderen Schülern der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm macht er diese Woche seinen Gabelstaplerführerschein.

Papiere wichtig Alle 35 sind entweder im Berufsvorbereitungs- (BVJ) oder Berufseinstiegsjahr (BEJ) an der Berufsschule, haben also direkt nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen. "Außer ihrem Zeugnis haben die Jungs ja noch keine Papiere in der Hand, wir wollen ihnen eine zusätzliche Qualifikation an die Hand geben, damit sie sich von den anderen Bewerbern abheben", erklären BEJ-Abteilungsleiter Klaus Heinzmann und Fachgruppenleiter Dietmar Leiß. Früher habe man sich Vorteile über Praktika verschafft, aber die gibt es inzwischen an jeder Schule.

Unterstützung Zum zweiten Mal gehen die Lehrer diesen Weg gemeinsam mit den Firmen Audi und Hofmann (Obereisesheim). Beide stellen einen Fahrlehrer zur Verfügung, Audi außerdem jemanden für die Arbeitssicherheit, Hofmann gleich zwei Gabelstapler. "Ohne die würde es überhaupt nicht gehen", betont Leiß und Schulleiter Karl-Heinz Hahn ergänzt: "Das ist ein Zeichen für die gute Kooperation mit außerschulischen Partnern, selber könnten wir es nicht machen." Das Ziel ist es, die Schüler auf dem Arbeitsmarkt unterzukriegen. Im vergangenen Jahr klappte das bei fünf von 25 aufgrund des Staplerführerscheins.

Der sei übrigens gar nicht so einfach. "Wir haben ihn letztes Jahr selber gemacht, damit wir wissen, von was wir in der Theorie reden", erzählt Leiß. Mit dem Joystick zu arbeiten sei schwieriger als man denkt. Nicht unbedingt für die Schüler, weiß Fahrschullehrer Mustafa Kilic (Audi). "Die kommen leichter mit den Buttons und dem Joystick zurecht als mit den früher üblichen Staplerhebeln." Überhaupt stellen sich alle 25 sehr gut an, immerhin hat kaum einer von ihnen bisher einen anderen Führerschein. "Dann ist die Feinmotorik natürlich schon besser, aber auch Leute mit Führerschein haben anfangs Probleme mit der Hecklenkung." Kollege Peter Gorges (Hofmann) zählt wichtige Verhaltensweisen auf einem Stapler auf: "Verantwortungsbewusstsein, umsichtig und zuverlässig fahren und vor alle null Promille, Drogen oder Medikamentenmissbrauch."

Marcel Tiffert ist froh um die zusätzliche Qualifikation. Der 16-Jährige will Berufskraftfahrer im Fernverkehr werden. "Während der Ausbildung muss ich auch im Lager arbeiten, da werde ich sicher Stapler fahren", ist sich der Bad Friedrichshaller sicher.