Mit Rauschbrille um die Pylonen

Neckarsulmer Berufsschüler absolvieren praktisches Fahrtraining

Von Michael Höhn

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Berufsschüler mit Rauschbrille beim Slalom-Parcour.Foto: Dittmar Dirks

Landkreis Heilbronn - Viele Autofahrer kennen die Situation: Man sitzt spät nachts am Steuer und ist mit einigen Freunden unterwegs. Während auf der Rückbank zu wummernden Bässen schon die ersten Bierflaschen ausgetrunken werden, soll sich der Fahrer auf die Straße konzentrieren. Das ist schon an sich nicht so einfach, aber wenn der Fahrer selbst unter Drogen- oder Alkoholeinfluss steht, wird es gefährlich.

Fahrtraining Diese und andere riskante Situationen simuliert das Projekt ?Voll-Gas?, das sich speziell an Berufsschüler aus der Metallverarbeitung richtet. 20 Klassen der Christian-Schmidt-Schule in Neckarsulm erleben bei einem Fahrtraining, welche Gefahren im Straßenverkehr für junge Autofahrer lauern. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt zeigen einen positiven Trend: ?Die Einsicht, dass Autofahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gefährlich ist, steigt?, sagt Roberto Monaci, Polizeihauptkommissar und Geschäftsführer des Vereins ?Sicher im Heilbronner Land?. Michael Welter vom Landratsamt Heilbronn stimmt dem zu: ?Die jungen Leute merken, dass nächtliche Fahrten organisiert werden müssen und einer in der Gruppe fahren muss.? Als Gesamtprojekt, das verschiedene Ansätze und Veranstaltungen zusammenfasst, besitzt ?Voll-Gas? bundesweiten Modellcharakter. In drei Stufen lernen die Berufsschüler den verantwortungsvollen Umgang mit dem Auto: In einem ersten Schritt informierten Polizisten und Tüv-Mitarbeiter zwei bis drei Stunden über die Gefahren von Alkohol und Drogen, im zweiten Schritt fanden in den Klassen Gespräche mit Sozialpädagogen statt.

Gruppendynamik Den Abschluss bildet ein praktisches Fahrtraining auf der Verkehrsübungsanlage am Wartberg mit der Simulation gruppendynamischer Prozesse in besetzten Autos. Diese Situation wird mit Mitarbeitern der Verkehrswacht in einer Slalomfahrt um Pylonen nachgestellt. Zunächst ohne und danach mit Rauschbrille absolvieren die jungen Fahrer zusammen mit feiernden Mitfahrern auf der Rückbank und lauter Musik den Parcour. Die Rauschbrille simuliert dabei die Auswirkungen von Drogen oder Alkohol, wie zum Beispiel einen gestörten Gleichgewichtssinn oder dass Abstände falsch eingeschätzt werden. Im anschließenden Fahrsicherheitstraining üben die Schüler das Bremsen bei nur einseitiger Reibung mit und ohne ABS. Für den Verein ?Sicher im Heilbronner Land?, den Träger des Projekts, ist die Initiative ein voller Erfolg: Mittlerweile sind viele Gemeinden dem Verein beigetreten. Das Projekt wird mit 16?000 Euro von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert. Weitere 10?000 Euro kommen von der Berufsgenossenschaft Metall.