Mauerblümchen zur Rose erblüht

Stadtarchiv präsentiert neue Räume - Tradition trifft auf Moderne

Von Ute Plückthun

Mauerblümchen zur Rose erblüht
Im Kellergewölbe des neuen Stadtarchivs: Barbara Löslein (links) führte interessierte Besucher in die Gemäuer, die vermutlich weitaus älter sind als das Gasthaus „Zur Rose“, das aus dem Jahr 1548 stammt.Foto: Ute Plückthun

Neckarsulm - Dieses Gebäude kann sich sehen lassen“, sagt Oberbürgermeister Joachim Scholz bei der Einweihung des Stadtarchivs, das „als eines der schönsten Häuser ortsbildprägenden Charakter“ habe. Rund 90 geladene Gäste sind am Mittwochabend gekommen, um zu sehen, wie sich das ehemalige Gasthaus „Zur Rose“ in zweieinhalbjähriger Bauzeit zum neuen Stadtarchiv entwickelt hat.

Komfortabel Wo früher der Tanzboden war, können sich Besucher jetzt von Stadtarchivarin Barbara Löslein oder Mitarbeiterin Karin Rauh im Lesesaal mit historischen Ansichtsmaterialien versorgen lassen. Modern und komfortabel sind die Räume geworden, die im ersten und zweiten Obergeschoss rund 800 laufende Meter an Archivgut beherbergen. Ein Magazinraum für Bilder, Fotos und Architekturmodelle schließt sich im ersten Dachgeschoss an. „Legt man die Regalböden aneinander, ergibt sich eine Länge von 1,8 Kilometern“, sagt Baubürgermeister Klaus Grabbe beeindruckt und hebt die ganz neuen Möglichkeiten der Archivierung hervor.

Vorurteile von staubigen und muffigen Archiven werden in der Marktstraße 16 zurechtgerückt: Konstante Temperaturverhältnisse von 18 Grad und eine gleich bleibende Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent müssen zum Wohle der historischen Dokumente herrschen, die geschützt vor Tageslicht in rollbaren Regalen eingelagert sind und „bis jetzt zur Hälfte belegt“ sind, führt Löslein aus. Drei mit Rosenornamenten verzierte Deckenbalken im Magazin verweisen noch auf den ehemaligen Charakter des Gebäudes.

Sonst ist im Innenraum nichts geblieben, wie es einmal war: Das 1548 errichtete Gebäude, das auf einem noch älteren Gewölbekeller steht, wurde komplett „ausgebeint, da Böden und Decken marode, nicht tragfähig genug und mit einem desolaten Materialmix verschachtelt waren“, beschreibt Grabbe die schwierigen Bauarbeiten.

Erbe Die Erhaltung des historischen Erbes stand außen im Mittelpunkt. In „mühevoller und aufwendiger Handarbeit“ hat man das Gebäude nach geschichtlichen Quellen rekonstruiert: Die Sandsteinfassade aus dem späten 18. Jahrhundert im Bereich der Marktstraße und das Fachwerk aus dem 16. Jahrhundert im rückwärtigen Bereich sowie die freigelegte Torbogendurchfahrt machen das neue Stadtarchiv zu „einem der schönsten Räumlichkeiten in der Stadt“, schwärmt Scholz.

Durchaus gewollt der Mix aus Tradition und Moderne: Eichenholzfußböden im Lesesaal gehen im Treppenhaus, das auch den Ratssaal durch einen Aufzug mit einem barrierefreien Zugang versorgt, in hellgrünen Kautschukbelag über. Fachwerk und Sandstein stehen grauem Beton und Verglasungen gegenüber. Gelegenheit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen, bestehen am Samstag, 16. Mai: Barbara Löslein wird angemeldete Besucher jeweils um 10, 14 und 16 Uhr durch das Haus führen. Im Juni und Juli sind weitere Führungen geplant.

Anmeldungen beim Stadtarchiv unter der Telefonnummer 07132/35331 oder 351910.