Jeder ist ganz viele, aber nie er selbst

Neckarsulm - Stürmischer Applaus für gelungene Inszenierung − Neues Stück von Maskerade

Von Ulrike Maushake

Neckarsulm - Manche Vorgänge hier verstehe ich nicht", sagt Mrs. Cowper zu Mr. Thompson. Das ist auch wirklich nicht einfach. Mr. Thompson nämlich ist eigentlich Eric Swan, von dem manche glauben, er sei Uncle George. Und der gehörlose Klavierstimmer Dickie William ist im Prinzip sein großer Bruder, der Schuhverkäufer Norman Basett. Dass man diesen zudem für den eigenen Ziehvater mütterlicherseits hält, macht die Sache nicht einfacher. Während der wirkliche Uncle George scheinbar tot auf dem Sofa "rumgammelt" und gleichzeitig als toter Holzfäller, toter Schuhverkäufer und toter Eric Swan fungiert. Der Eric Swan, der sich als Mr. Thompson ausgibt, den manche aber für Uncle George halten.

Chaos

Im Leben des Eric Swan ist tatsächlich Chaos ausgebrochen. Seit er arbeitslos wurde, betreibt er Sozialbetrug in großem Stil. Eine ganze Heerschar Bedürftiger hat er erfunden, für die er alle möglichen Arten von Unterstützung kassierte: Alters-, Invaliden- und Witwenrente, Schlechtwetter-, Arbeitslosen- und Wiedereingliederungsgeld, Krankenkostenrückerstattung. Nun wächst ihm die Sache über den Kopf, zumal ein Sozialbeamter hereinschneit, um mal ein bisschen nach dem Rechten zu sehen. Wie Eric nun versucht, sich mit Hilfe von Uncle George und dem Untermieter Norman aus der Situation heraus zu lavieren, wie sich das Lügenkarussell immer schneller dreht und zunehmend unrund, das verfolgte das Premierenpublikum am Samstagabend in der Neckarsulmer Ballei mit allergrößtem Vergnügen. Kein Auge blieb trocken, bei "How much do you need" vom britischen Autor Michael Cooney, aufgeführt vom Laientheater Maskerade unter der Regie von Gabriela Meyer.

Aberwitzige Lügen und Missverständnisse, turbulente Szenen, Rollentausch. Jeder ist ganz viele, aber nie er selbst. Sogar der Baum, aus dem der Holzfäller stürzt, muss sich verwandeln. In einen Lederbaum. Derweil spitzt sich die Situation konsequent und unbarmherzig zu, bis Eric Swan, endgültig in die Enge getrieben, ein umfassendes Geständnis ablegt: "Lederbäume gibt es nicht." Stürmischer Applaus für die gelungene Inszenierung zum 30. Geburtstag von Maskerade. Und für die überzeugende Leistung der Darsteller und ihr großes Talent für das Komische. Andreas Adam zum Beispiel, der als verschnarchter Untermieter Norman um sein Leben lügt. Ralf Andraschek, als Eric Swan, so durchtrieben wie harmlos. Freundlich penetrant, Harald Fabriz als Sozialbeamter Jenkins. Und Harald Frohberg, der als smarter Uncle George besonders die Herzen des weiblichen Publikums eroberte.

Flittchen Sandra Wakunda war Sally Chessington, der hilfreiche Engel, als Flittchen beschimpft. Rositta Heil war als Mrs. Cowper eine Maggie Thatcher der Sozialämter. Und Birgit Koch, die Partnertherapeutin, die ständig angeschnauzt wurde, von Claudia Langen-Kühner als Linda Swan am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Die Theatergruppe Maskerade bietet am Samstag, 2. April, in der Frizhalle in Schwaigern eine zweite Aufführung des aktuellen Stücks. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr.