In Wartestellung

gammelt der Bahnhof Neuenstadt vor sich hin − Das soll sich ändern

Firmensitz mit Lokschuppen

Nördlicher - Verlassen Das für die Kleinbahnhöfe der Jahrhundertwende typische Klinkergebäude mit Fachwerk wurde bis Februar 1993 als Bahnhof genutzt. Danach beherbergte es die Busbetriebsleitung der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG-KVG). "Wegen Umzug bleibt am Montag, den 17. 12. 2007, die Verwaltung geschlossen" − so steht es noch heute auf einem Aushang an der Eingangstür des Bahnhofes und verweist auf die neue Adresse im Industriegebiet GIK. Das Gebäude steht seitdem leer.

"Wir treffen schon mal auf kleine Bewohner, die keine Miete zahlen", sagt Gerd Schäfer und lacht. Der Bauhistoriker aus Schwäbisch Hall, der sich auch mit den historischen Gebäuden in Widdern und Neudenau befasst, ist von der Stadt Neuenstadt beauftragt, die Bausubstanz des Bahnhofes zu untersuchen und gerade mitten in der Begutachtung. "Wir sind eigentlich fast fertig. Nur der Dachstuhl fehlt noch", sagt er. Nutzungsbedingte Umbauten hätten dem Original geschadet. "Ich habe aber schon Schlimmeres erlebt, und die Substanz ist erfrischend gut", sagt Schäfer. Nach der Sommerpause wird er dem Gemeinderat die endgültigen Ergebnisse mit einem Sanierungskonzept und Nutzungsideen präsentieren, wobei das Denkmalamt auch noch ein Wörtchen mitzureden hat.

Fahrplan Von der stolzen Vergangenheit des Bahnhofs als Betriebsleitung der Unteren Kochertalbahn ist derzeit wenig zu spüren. Umgeben von einer wuchernden Brache gammelt er vor sich hin. Was den Fahrplan für seine erneute Nutzung angeht, verweist Bürgermeister Norbert Heuser auf die vielen Neuenstädter Baustellen, planerische und tatsächliche − Straßenbau L 1088, Innenstadtumgestaltung, Parkhaus und Ansiedlung der Einkaufsmärkte auf dem Gelände, all das müsse sinnvoll ineinander greifen. 2012 soll die Umgestaltung des Areals und damit auch des Bahnhofes beginnen.

Der Stadtteil Kochertürn hatte 1907 als eigenständiges Dorf auch einen eigenen Bahnhof bekommen. Neben dem fast idyllisch gelegenen Empfangsgebäude, das von den Bürgern liebevoll "Bahnhöfle" genannt wird, befand sich eine Verladeanlage für Zuckerrüben. Beim Bau der Bahn hat man in der Nähe eine römische Urne gefunden und diese − so besagt die Denkschrift zur Streckeneröffnung − "der Staatssammlung vaterländischer Altertümer einverleibt".

Viele Anfragen Zur notdürftigen Konservierung ist das Gebäude seit einigen Jahren vernagelt. Die Bürger machen sich Gedanken über die Nutzung. "Für Kochertürn haben wir im Lauf der Zeit zwölf Anfragen bekommen", sagt Norbert Heuser: Gastronomie, Atelier, Lädchen, private Nutzung, da sei alles Mögliche darunter. Man würde die Interessenten anschreiben und im Herbst mit dem Gemeinderat und dem Ortschaftsrat abschließend beraten.

In Wartestellung
Der Bahnhof im Jahr 1946, während eine Dampflok einfährt. Im Hintergrund die zerstörte Kocherbrücke mit Fußgängernotsteg.Foto: Archiv/Jahrbuch Verlag Weinsberg
In Wartestellung
Wie gut die Substanz des Bahnhofs Neuenstadt ist, untersucht derzeit Bauhistoriker Gerd Schäfer aus Schwäbisch Hall. Grundsätzlich kann der Klinkerbau vielleicht schon in wenigen Jahren wieder genutzt werden.Foto: Waltraud Langer