„Geschichte ist wie ein zweites Leben“

Heimatforscher und Denkmalpfleger Hans Riexinger feiert seinen 80. Geburtstag

Hans Riexinger ist Heimatforscher mit Leib und Seele.Foto: Wolfgang Müller

Bad Friedrichshall Nein. Eine Lieblingszeit hat Hans Riexinger eigentlich nicht. Hauptsache, das Ereignis liegt eine Weile zurück. „Geschichte ist für mich wie ein zweites Leben“, sagt der Bad Friedrichshaller, der Heimatforschung mit Leib und Seele betreibt. Er ist ehrenamtlicher Archivar seiner Heimatstadt und Denkmalpfleger für den nördlichen Landkreis Heilbronn. Am heutigen Dienstag feiert der zweifache Vater und fünffache Großvater seinen 80. Geburtstag.

Die stahlblauen Augen haben ihr Gegenüber fest im Blick. Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen. Riexinger sprüht vor Energie. Der Jubilar hat eine Anekdote nach der anderen parat. Hat er sich erst einmal warmgeredet, streift er mühelos durch die Jahrhunderte – von der Steinzeit bis heute. Dann hält er kurz inne. „Vielleicht sind mir die Römer doch am liebsten.“ Kein Wunder, hat der rührige Hobbyhistoriker doch die Lehrbücher widerlegt, die behauptet hatten, der Neckar-Odenwald-Limes habe nicht bis nach Friedrichshall gereicht.

Auf der Leiter Bei den Aussiedlerhöfen in der Ried ist das Kochendorfer Urgestein 1961 auf eine vier Meter hohe Leiter gestiegen, um aus luftiger Höhe den Acker zu fotografiert. „Da hat sich ein vier bis fünf Meter breites Rechteck abgezeichnet. Das ist der typische Grundriss eines römischen Wachturms.“ Wegen der Mauern, die im Boden vergraben sind, bleiben die Pflanzen kleiner als ihre Nachbarn. So sind Grundmauern im Boden aus der Luft erkennbar. Auf diesem Prinzip basiert die Luftbildarchäologie, die manchen Schatz ans Tageslicht gebracht hat. Ein Jahr später hat Riexinger zusammen mit dem damaligen Archivar Konrektor Lothar Hansch und einer Schulklasse den Acker frei gegraben – Riexinger behielt Recht.

Eine Leidenschaft für Geschichte hatte Riexinger von je her. Vielleicht auch, weil er das Ende des Zweiten Weltkriegs im Bombenteppich von Kochendorf erlebt hat, um dann zu sehen, wie die zerstörten Städte wieder aufgebaut wurden. Mit seinem Freund Dr. Hugo Popp hatte er sich als junger Mann geschworen: „Wir machen eine Arbeit, die uns ein Leben lang verbindet, damit wir uns nie aus den Augen verlieren.“ Der Freund ist längst verstorben. Aber Riexinger hat weiter Heimatforschung betrieben. Hat aus manchem Acker Scherben und Werkzeug aus der Steinzeit ausgegraben und in den Archiven in Stuttgart, Ludwigsburg, Darmstadt und Karlsruhe geforscht. 80 Veröffentlichungen tragen den Namen des ehemaligen Postbetriebsleiters. An drei Heimatbüchern war er maßgeblich beteiligt.

Feierstunde Ans Aufhören will Riexinger gar nicht denken. Auch wenn er sich ein bisschen zurücknehmen will. „Irgendwie mitkruschteln werde ich immer“, sagt er und lacht. Die Stadt Bad Friedrichshall ehrt das Geburtstagskind am heutigen Dienstag um 11 Uhr im Magnus-Saal in Kochendorf im Rahmen einer kleinen Feierstunde.