„Freue mich, dass der Druck weg ist“

Bewegter Abschied für Pfarrer Ernst Dehlinger

Von Stefanie Pfäffle

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Alle wollten ihrem Pfarrer persönlich „Auf Wiedersehen“ sagen, die Älteren taten es nach dem Gottesdienst, die Kindergartenkinder beim anschließenden Empfang.

Foto: Stefanie Pfäffle

Leicht fällt es Ernst Dehlinger nicht, das ist deutlich sichtbar. Jedes Gemeindemitglied verabschiedet sich nach dem Gottesdienst mit einem Händedruck und guten Wünschen vom Pfarrer. Manch einem stehen Tränen in den Augen. 15 Jahre lang war Ernst Dehlinger Seelsorger in der Obereisesheimer Mauritiuskirche. Jetzt geht der 65-Jährige in den Ruhestand.

In den vergangenen Tagen hat er viel über diese Gemeinde nachgedacht, beginnt Dehlinger seine Abschlusspredigt. Schwere und leichte Zeiten, Lob und Unverständnis, falsche und gute Entscheidungen - alles hat es während seiner Amtszeit gegeben. „Manchmal habe ich gedacht, die Kirche geht eh den Bach runter, es macht gar keinen Sinn, sie aufzuhalten.“

Aber manchmal sei er auch überrascht gewesen, was alles möglich ist, fast ein Wunder, wie viele sich engagieren. Eines der schönsten Geschenke in Obereisesheim sei es gewesen, dass viele Menschen ihm erzählten, dass sie durch die Kraft Gottes etwas erreicht haben, was ohne ihn nicht möglich gewesen wäre.

Dehlinger kam erst spät zu Theologie. Zunächst wurde der Stettener aus dem Remstal Heizungsbaumeister. „Damals hat man als Arbeiterkind kein Abitur gemacht“, erzählt er. Die Theologie hat ihn allerdings schon immer fasziniert, und so machte er über den zweiten Bildungsweg das Abitur und widmete sich doch noch dem Studium des Glaubens.

Das Vikariat in Oppenweiler und weitere Stationen in Abstatt und Unterregenbach folgten, bis Dehlinger dann im Neckarsulmer Teilort Obereisesheim landete. „Die Kirche hier hat mir gleich gut gefallen“, erinnert er sich. So ergab es sich gut, dass er mit seiner Frau Gabriele Heinl auch bis zum Ende seiner offiziellen Pfarrerszeit dort bleiben konnte.

Denn, das Pfarrerdasein hört ja nie auf, wie Dekan Hansjürgen Thomann betonte. „Nur ihr Investiturversprechen kommt hier zu einem Ende.“ Die Ordination aber bleibe bestehen, nicht umsonst gebe es keine Pfarrer a.D., sondern nur i.R., in Ruhe also. „Vertretungsdienste sind möglich und auch erwünscht.“

Daran denkt Dehlinger allerdings noch nicht, auch kann er noch nicht sagen, was und ob ihm etwas fehlen wird. „Erst einmal freue ich mich, dass der Druck weg ist, den ich im Alter doch immer mehr gespürt habe.“ Sollte jetzt das Telefon klingeln, könne er es getrost auch einmal läuten lassen und sicher sein, dass es keine Beerdigung ist, die auf ihn wartet. „Ich habe das zwar gerne gemacht, aber man kommt als Pfarrer ja nicht zu einem Ende.“ Jetzt sei klar: Alles was bis zum Abschied nicht gemacht wurde, wird auch nicht mehr erledigt, zumindest nicht von ihm.

Nach dem Umzug nach Gundelsheim freut sich Dehlinger auf sein Hobby. Modelleisenbahnen haben es ihm angetan. Auch seine umfangreichen Aktivitäten beim Netzwerk kirchlich-diakonischer Arbeit im östlichen Europa gehen weiter. Die Arbeit in seiner Gemeinde läuft ohne ihn weiter. Nach einigen Monaten mit Vertretungen soll am Palmsonntag, 1. April 2007, Pfarrer Dr. Christoph Weimer aus Albstadt-Truchtelfingen den Dienst aufnehmen. Den Konfirmandenunterricht übernimmt Pfarrer Torsten Krannich.