Feinmotorik und Koordination für die Zusatzqualifikation

Schüler der Christian-Schmidt-Schule erhalten Unterricht im Staplerfahren

Von unserer Mitarbeiterin Ute Plückthun

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Feinmotorik und Koordination für die Zusatzqualifikation
Janina Krasser hatte vor der ersten Fahrt mit dem Stapler "voll Panik", jetzt erscheint ihr die Aufgabe "kinderleicht".Foto: Ute Plückthun

Neckarsulm - Wenn die Vermittlungschancen nicht rosig sind, hilft oftmals eine Zusatzqualifikation. Eine Nische und zugleich ein Alleinstellungsmerkmal hat die Neckarsulmer Christian-Schmidt-Schule für ihre 30 Schüler und Schülerinnen aus dem Berufseinstiegsjahr und dem Berufsvorbereitungsjahr gefunden: Sie können unentgeltlich den Staplerführerschein erlangen.

Parcours Vorsichtig drückt Janina Krasser mit ihren Stahlkappenschuhen auf das Vorwärtspedal und dreht gleichzeitig an einem der beiden Hydraulikhebel. Gar nicht so einfach, den Gabelstapler mit seinen beiden Zinken einen Metallkorb anheben zu lassen und auf einen nächsten so aufzusetzen, dass nicht die ganze Ladung abkippt. Doch die 15-Jährige hat es nach einigen Trainingstagen schon gut im Griff: Schließlich stehen die Körbe sicher aufgestapelt, die Neckarsulmerin fährt durch den Pylonenparcours zurück, bringt das schwere Gerät in Ausgangsstellung. "Mit den Zinken ganz am Boden, damit keiner drüberstolpert", erklärt Peter Görges von der Obereisesheimer Firma Hofmann Fördertechnik.

Sicherheit steht obenan beim Training für den Staplerführerschein, das in Kooperation mit der Firma Hofmann und der Audi AG stattfindet. Eine ganze Woche steht Staplerfahrlehrer Görges den Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Zusätzlich zum schuleigenen Elektrostapler hat er ein tonnenschweres Dieselgerät mitgebracht.

Fragen 40 Stunden werden die Schüler, die gar keinen oder einen nicht besonders guten Hauptschulabschluss haben, geschult: Theoretisch von den Lehrern Klaus Heinzmann und Dietmar Leiss, praktisch von Görges und Anatol Herterich von Audi: Was tun bei einem Arbeitsunfall? Wie hoch darf man stapeln und wie schwer sollte die Ladung höchstens sein? Was passiert, wenn ein Fahrer zu schnell in die Kurve geht? Fragen, die den minderjährigen Schülern zu denken geben.

Gewinn Heinzmann hebt den ungeheuren Kompetenzgewinn für die Schüler hervor. Nicht nur, dass sie eine Zusatzqualifikation bekommen, die andere Schüler bei der Bewerbung in der Regel nicht vorweisen können: "Sie lernen, verantwortungsbewusst, konzentriert und sehr überlegt zu handeln." Feinmotorik und das räumliche Sehen würden gefördert.

Nach 32 theoretischen Multiple-Choice-Fragen und einer praktischen Prüfung erhalten die Schüler ein Zertifikat. Den gelben Führerschein bewahrt die Schule bis zum 18. Geburtstag auf. Schüler Ibrahim Bostan (17) aus Kochendorf findet für seine Zukunft "sehr gut, dass wir so was machen dürfen".