Endspurt in der neuen Moschee

Nach Verzögerungen soll der Gebetsraum in den nächsten Monaten fertig sein

Von Christian Gleichauf

Endspurt in der neuen Moschee
Fast fertig: In den nächsten Wochen soll die Treppe fertiggestellt und die Brücke, die Wohnheim und Moscheebau verbindet, montiert werden.Fotos: Guido Sawatzki

Neckarsulm - Die Teppiche, die momentan bereitliegen, bieten Platz für einige hundert Gläubige. Regelmäßig findet in der neuen Moschee in Neckarsulm bereits das Freitagsgebet statt, auch wenn Imam Ali Sandikcioglu noch nicht von der prächtig verzierten Vortragskanzel spricht. Sie wird gerade von einem Spezialisten montiert, der dafür eigens aus der Türkei angereist ist.

"Da gab es einige bürokratische Hürden, aber jetzt hat es geklappt", erzählt Yilmaz Kocak, Vorsitzender des Kulturzentrums für Bildung und Integration. Die Marmor-Gebetsnische (Mihrab), die steile Treppe rechts daneben (Minber) und das Pult links (Kürsü) sollen bald schon der ganze Stolz der türkischen Gemeinde sein. Mit Gold verziert und in einem klassischen osmanischen Stil gehalten sind sie die Meisterstücke des Riesenbaus. Es ist fast alles Handarbeit, erzählt der Imam. Die Einzelteile wurden in der Türkei hergestellt und jetzt in Neckarsulm zusammengesetzt.

Geduldet Nicht nur an der Zierde wurde viel gearbeitet in den vergangenen Monaten. Der Bau ist verputzt und angestrichen. Der Außenbereich ist größtenteils in einem ansprechenden Zustand − was vor allem den Vertretern der Stadt am Herzen lag, die keine Dauerbaustelle an der Rötelstraße dulden wollten. Und doch bleibt es ein straffes Programm, wie Kocak erklärt. Als nächstes müssen Brandmelde- und Lautsprecheranlagen noch fertiggestellt werden, dann gebe es hoffentlich auch von der Stadt grünes Licht, und die Moschee kann ihren regulären Betrieb aufnehmen.

Momentan werden die Freitagsgebete nur geduldet. Bei der Stadt wie auch in der Nachbarschaft gebe es hier viel Entgegenkommen. "Unsere Mitglieder dürfen sogar teilweise auf den Parkplätzen der umliegenden Gewerbebetriebe parken", erzählt Yilmaz Kocak, und Imam Sandikcioglu ist es wichtig, sich dafür und auch für die Geduld der Behörden ausdrücklich zu bedanken.

Die ersten Jugendlichen sollen im September 2012 ins angeschlossene Wohnheim einziehen. Abermals versichert Kocak, die Einrichtung werde keine Koranschule. Zwei deutschsprachige Pädagogen sollen sich um die Jungen kümmern, die ansonsten regulär zur Schule gehen. 50 Plätze wird es geben − Anfragen gebe es schon jetzt.

Besonderheit Der Gebetsraum der Moschee wird einmal 1000 Menschen Platz bieten, schätzt Kocak. Damit ist die Moschee die größte in der Region. "Und es ist eine der wenigen Moscheen dieser Größenordnung, die von Beginn an auch als Moschee geplant wurden", fügt der Maschinenbau-Ingenieur an.

Ursprünglich wurde der Bau mit neun Millionen Euro taxiert, zwischenzeitlich auf sechs Millionen geschätzt. Bislang seien rund drei Millionen Euro eingesetzt worden, sagt Kocak, der den Neubau größtenteils organisiert und zahlreiche Gewerke mit seiner Firma Ideal auch ausführt. Seitdem klar ist, dass der Bau zügig vollendet werden muss, sei immerhin auch die Spendenbereitschaft wieder gestiegen.

Um das Gebäude vorzustellen und auch um Spenden zu sammeln, finden Anfang Oktober an zwei Wochenenden Tage der offenen Tür im Rahmen einer Kirmes statt.

Endspurt in der neuen Moschee
Imam Ali Sandikcioglu (links) und der Vorsitzende des Kulturzentrums, Yilmaz Kocak, mit Vorbildern für die Gebetsnische. Im Hintergrund der neue Minber, die Kanzel.