Das Salz kommt wieder aus der Salzstadt

SWS reaktiviert Kochendorf − Deponie in der Tiefe in zwei Jahren befüllt

Von Wolfgang Müller

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Das Salz kommt wieder aus der Salzstadt
Die Heilbronner sind in der Kochendorfer Grube angekommen. Seit gut zwei Wochen steht die rund 4,3 Kilometer lange Verbindung zwischen den Bergwerken. Während des Ausbaus wird jetzt auch noch Salz gewonnen.Foto: Archiv/Dirks

Bad friedrichshall - Die Stadt Bad Friedrichshall wird ihrem Beinamen Salzstadt wieder in vollem Umfang gerecht. Zumindest für gut ein Jahr. Bis Ende 2011 wird im Bergwerk Kochendorf nämlich wieder Salz abgebaut. Zudem wird das Besucherbergwerk um eine Attraktion reicher. In 180 Metern Tiefe soll künftig auch gezeigt werden, wie moderner Salzabbau funktioniert. Das berichtete der Bergwerksdirektor der Südwestdeutschen Salzwerke AG Heilbronn (SWS), Dr. Gerd Bohnenberger, am Dienstagabend dem Friedrichshaller Gemeinderat.

Salz aus Bad Friedrichshall − 16 Jahre lang war das Geschichte. 1994 hat die SWS den Abbau des weißen Goldes in der rund 18 000-Einwohner-Stadt eingestellt. Bereits zwei Jahre zuvor hat die SWS damit begonnen, die Schacht- und Stollenanlage als Depot für Abfälle aus Müllverbrennungsanlagen und Gießereien zu nutzen. Knapp 500 000 Tonnen dieses Abfalls bereitet die Stuttgarter Firma Huthmann auf dem Gelände der SWS in Bad Friedrichshall jährlich auf und füllt ihn in sogenannte Bigbags ab. Die wiederum schließen zusammen mit dem Bergesalz − das ist der Abfall, der durch die Salzgewinnung in Heilbronn anfällt − die rund zwölf Millionen Kubikmeter großen Hohlräume im Kochendorfer Salzbergwerk.

Förderbänder In rund zwei Jahren ist die Kapazität im Bad Friedrichshaller Untergrund größtenteils erschöpft. Deshalb gräbt die SWS einen neuen Stollen von den Böllinger Höfen direkt zum Schacht Wilhelm in Kochendorf. Von dort sollen später die Bigbags voller Abfall auf Förderbändern nach Heilbronn transportiert werden, um das Bergwerk dort zu befüllen.

Die Strecke ist im Prinzip fertig. Vor rund zwei Wochen ist der Durchstich gelungen. "Als letzten Schritt müssen wir jetzt parallele Strecken bis zum Schacht aufbauen", erklärte Bohnenberger. Dabei frisst sich die Salzschneidemaschine Continuous Miner durch salzhaltiges Gestein. "Und wenn wir den Schacht schon bauen, können wir auch das Salz mitnehmen", sagte Bohnenberger. Immerhin haben Geologen in Kochendorf Salzmächtigkeiten zwischen 20 und 25 Meter gemessen. Die neuen Schächte werden rund 14 Meter breit und etwa zehn Meter hoch.

Profitieren soll davon auch das Besucherbergwerk. Lange war umstritten, ob es überhaupt wieder geöffnet wird. Erst als sich der Landkreis, das Land und die Stadt Bad Friedrichshall bereit erklärten, sich finanziell zu engagieren, gab die SWS grünes Licht. "Jetzt werden wir neue Hohlräume ins Besucherbergwerk integrieren. So können wir den modernen Salzabbau präsentieren", sagte der Bergwerksdirektor.

"Das Besucherbergwerk erfährt eine Aufwertung", sagte Bürgermeister Peter Dolderer. CDU-Fraktionschef Werner Wally lobte "die Informationspolitik der Salzwerke". Horst Schulz (Freie Wähler) erinnerte daran, dass auch das Heilbronner Bergwerk nicht unbegrenzt Abfall deponieren könne. Außerdem berichtete er von beißendem Geruch, den Bürger im südlichen Kochendorf nachts feststellen würden, und der womöglich mit der Abfall-aufbereitung im Zusammenhang stehen könnte. Der Stadtverwaltung war davon bis dahin nichts bekannt.