Brechter hat für jeden ein offenes Ohr

Bad Wimpfener Wähler sind keine Frühaufsteher - Anonymes Flugblatt gegen Bürgermeister verteilt

Von Rolf Muth

 

Inge und Oskar Schmidt (linkes Bild) nutzen den frühen Sonntagmorgen, um ihrer Bürgerpflicht nachzugehen.  
Otmar Töltl ist fünf Minuten zu früh dran. Das Wahllokal Rathaus am Marktplatz ist noch verschlossen. Es ist ein wunderschöner, aber recht frischer Sonntagmorgen, an dem die Bad Wimpfener ihren Bürgermeister wählen. Wahlvorstand Walter Schöbel schließt pünktlich um acht Uhr die Pforte auf. Mit Helga Hofmann und Bettina Mendel-Edelburg hält er hier bis 13 Uhr die Stellung. Dann ist Schichtwechsel, bis schließlich um 18 Uhr alle 50 Wahlhelfer aus den sechs Wahllokalen in Wimpfen am Berg, im Tal und aus dem Stadtteil Hohenstadt zum Auszählen zusammenkommen werden.

Otmar Töltl hat sein Kreuzchen rasch gemacht. Schließlich stehen auch nur zwei Namen auf dem Stimmzettel: der des amtierenden Bürgermeisters Claus Brechter, der seit 16 Jahren die Geschicke der Stadt lenkt, und jener des Dauerbewerbers Werner Tereba, der landauf, landab die Kommunen mit einer Postkartenkandidatur beglückt.

Der Stimmzettel wird in den Wahlumschlag gesteckt und in die Urne geworfen. Im Gegensatz zur Bundestagswahl schreibt das Kommunalwahlgesetz vor, die Stimmzettel einzutüten . Ob das sinnvoll ist? 420 Euro kosten die Umschläge für diese Wahl. Und bekanntlich muss Wimpfen jeden Cent zwei Mal herumdrehen.

Die Auszählung am abend ist nach 45 Minuten abgeschlossen.  
Helga Hofmann hakt auf ihrem Zettel die Namen der Wähler ab. Ich muss aufpassen, dass nicht einer ein zweites Mal kommt, der seine Stimme bereits bei der Briefwahl abgegeben hat. Hier im Rathaus läuft alles wie geschmiert. Es sind bis 8.30 Uhr aber auch nur fünf Wähler erschienen.

Jetzt macht sich Christian Stuber auf den Weg. Der Hauptamtsleiter der Stadt wird die einzelnen Wahllokale abfahren und dort nachschauen, ob alles klappt. Und wieder ein Wähler. Oskar Schmidt und seine Frau Inge schauen vorbei. Wählen ist Bürgerpflicht! , sagen die beiden. Und sie wollen mit ihrer Stimmabgabe die Arbeit von Claus Brechter unterstützen und anerkennen .

Die Bad Wimpfener gingen vor allem am Sonntag Nachmittag zur Wahl.  
Das wird nicht jeder Wähler so sehen. In 16 Jahren macht man sich nicht nur Freunde. Zur Mittagszeit sind erst zwölf Prozent der Wahlberechtigten wählen gegangen. Ein Signal? Mal den Abend abwarten. Claus Brechter hat für jeden ein offenes Ohr , davon ist Inge Schmidt überzeugt. Und er ist immer dabei, wenn die Vereine eine Veranstaltung haben , ergänzt ihr Mann Oskar, der dabei oft Gemeinderäte vermisst. Manfred Hermann ist Wähler Nummer Acht und in großer Eile. Um neun Uhr startet der Bus mit dem Fanfarenzug nach Karlsruhe. Den Schmidts stimmt er zu. Er weiß aber auch, dass das Parkierungskonzept in der Altstadt einige Bürger verärgert hat. Stammt aus dieser Gruppe etwa das anonyme Flugblatt, das in einigen Briefkästen gelandet ist? Darin wird dem Bürgermeister vorgeworfen, dass er Wimpfen zu einer hoch verschuldeten Stadt gemacht habe, die Altstadt sterbe und mit der Kursaal-Sanierung Geld vergeudet würde. Schließlich sei er die treibende Kraft bei der Übernahme der Wimpfener Bank gewesen und für ein falsches Parkierungskonzept verantwortlich. Warum hat der Verfasser nicht den Mund bei der Bürgerversammlung aufgemacht? , fragt sich da ein Wimpfener Wähler am Sonntagmorgen etwas verwundert.