Bewahren durch Veränderung

Bad Wimpfen Zukunftswerkstatt sucht nach neuen Wegen für den Chorgesang

Von Tanja Ochs

Email
Cantus Juvenis ist aus dem ehemaligen Kinder- und Jugendchor des Gesangvereins Concordia 1868 hervorgegangen.Foto: Archiv/Welzin

Bad Wimpfen - Mitgliederschwund, Nachwuchs- und Altersprobleme − Chöre kämpfen vielerorts ums Überleben. Ein Problem, dass den Bad Wimpfener Bürgermeister Claus Brechter seit langer Zeit beschäftigt. Als der Männerchor Cornelia dann tatsächlich seine Probestunden mangels Mitgliedern einstellte, war klar, dass den Gedanken Taten folgen müssen.

Also hat Brechter eine "Zukunftswerkstatt Chorgesang" für Vertreter aus Vereinen, Schulen, Kindergärten und Gemeinderat initiiert. Mit im Boot sitzen auch die Musikschule Unterer Neckar und die Wimpfener Faschingsgesellschaft. Moderator des ersten Treffens war Kommunikationstrainer Gerald Kranich, der als Präsident des Heilbronner Chorverbandes bestens mit der Thematik vertraut ist.

Kooperation "Das große Thema heißt Kooperation", erklärt Brechter. Drei Gesangsvereine kämpfen in der Stauferstadt mit denselben Problemen und der gegenseitigen Konkurrenz. Nachwuchs gebe es trotzdem nicht, analysiert Kranich die gegenwärtige Situation. Für ein lebendiges Angebot müssten Synergien genutzt werden. Wie das genau aussehen könnte, haben die 24 Teilnehmer des ersten Werkstatttreffens überlegt. Gemeinsam haben sie Visionen für die Chorarbeit zu Papier gebracht und konkrete Ansätze erarbeitet. "Das ist ein dynamischer Prozess, der jetzt beginnt", hofft der Bürgermeister. Die Vereine werden die Kooperationsmöglichkeiten in den kommenden Wochen diskutieren, bevor bei einer zweiten Veranstaltung am 15. Mai konkrete Ansätze formuliert werden sollen.

"Es gibt keinen Königsweg", wissen die Veranstalter. Aber sie setzen alles daran, die soziale Infrastruktur der Vereine durch die Veränderungen zu erhalten. "Die Chöre sind ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor", betont Brechter. Und die Verantwortlichen seien motiviert, das Problembewusstsein deutlich. Auch Gerald Kranich ist "von der Resonanz sehr angetan".

Pilotprojekt Die Zukunftswerkstatt gilt als Pilotprojekt: "Wir wollen mit der Basis Lösungen erarbeiten, die in vielen Chören notwendig sind", sagt Kranich. Jeder Verein müsse seinen eigenen Weg finden, aber die Wimpfener Vorgehensweise ließe sich durchaus adaptieren. Diese hat er selbst im Vorfeld entwickelt.

Nach der Ausgangsfrage "Was heißt Chorgesang?" haben die Teilnehmer mit Hilfe einer Standortbestimmung die bestehenden Probleme aufgezählt. Die Bedeutung des Chorgesangs für die Stadt war dabei ebenso relevant wie persönliche Bindungen zur Musik. Anschließend haben alle die Chorwelt in Bad Wimpfen im Jahr 2020 entworfen: Der Traum beschreibt singende Kinder sowie Vereinsarbeit unter einem Dach, das der Eigenständigkeit von Volkschor, Concordia und Cornelia Raum gibt − aber gleichzeitig gemeinsame Projekte ermöglicht.

"Für diese Ideen können wir heute die Weichen stellen", fasst der Moderator die Aufgabe der Zukunftswerkstatt zusammen. Allerdings könne man die Veränderungen nur anstoßen − und anschließend nachhaltig verfolgen.

Bewahren durch Veränderung

"Wir wollen mit der Basis Lösungen erarbeiten, die in vielen Chören notwendig sind."

Gerald Kranich