Auf der Spur des "Entenmörders"

Die Eisenbahnlinie war von 1907 bis 1993 in Betrieb

Auf der Spur des "Entenmörders"
Am 1. August 1913 wurde der letzte Abschnitt Neuenstadt-Ohrnberg am Bahnhof in Ohrnberg feierlich eröffnet.Foto : WEG

Nördlicher landkreis - Die Untere Kochertalbahn zwischen Jagstfeld und Ohrnberg ist Geschichte. Heute wird auf der Trasse geradelt und sie ist als Kocherradweg ein Teil des beliebten Kocher-Jagst-Radweges. Die Spuren der Eisenbahnvergangenheit sind größtenteils beseitigt, aber es gibt sie noch.

Wie Perlen auf einer Schnur reihten sich entlang der 22,6 Kilometer langen Strecke die Bahnhöfe. Sieben von ehemals neun Gebäuden sind noch erhalten und sind Zeitzeugen einer Ära, die vor mehr als hundert Jahren den Menschen Wachstum und Wohlstand verhieß. In zwei Etappen kam die Eisenbahn ins untere Kochertal: 1907 wurde die Strecke von Jagstfeld nach Neuenstadt eröffnet, sechs Jahre später ging es dann weiter bis Ohrnberg. Ironie des Schicksals: beim Rückbau zum Radweg fing man am anderen Ende in Ohrnberg an.

Die Bedeutung der Verkehrswege in dieser Region hat ein unbekannter Autor in der Denkschrift zur Eröffnung der Strecke festgehalten: "Das untere Kochertal war schon im grauen Altertum durch regen Verkehr belebt. Die Straße zwischen Römisch-Wimpfen und der römischen Niederlassung bei Öhringen (Vicus Aurelius) führte über Neuenstadt, welches von den Altertumsforschern als ansehnliche römische Niederlassung bezeichnet ist. Späterhin bewegte sich der Verkehr der Reichsstadt Hall zum schiffbaren Neckar hier vorbei."

Ausbau Grund genug also für die privatwirtschaftlich geführte Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG) hier in den Ausbau der Verkehrswege zu investieren. Die Gemeinden beteiligten sich an den Kosten und stellten Grund und Boden bereit. Bis zum Ersten Weltkrieg beförderte die Bahn auf der Strecke jährlich 120 000 Fahrgäste, in den späten 1920iger Jahren waren es sogar bis zu 350 000 Personen. Die Bahn war das einzige öffentliche Verkehrsmittel in einer Zeit, als man privat noch kaum motorisiert war.

Nach 1950 änderte sich das. Außerdem startete die WEG den Busbetrieb. Die Beförderungszahlen gingen ständig zurück. Zum Schluss lebte der "Entenmörder", wie er wegen seines vergleichsweise gemächlichen Tempos im Volksmund genannt wurde, von der Schülerbeförderung und dem Zuckerrübentransport. An manchen Sonntagen fuhr ab 1977 ein Museumszug. Die Strecke lohnte sich immer weniger. Am 1. Juni 1993 berichtete die Heilbronner Stimme: "Der Bahnbetrieb auf der Kochertalstrecke wird eingestellt − unwiderruflich." Eine Nutzung für die Heilbronner Stadtbahn wurde später verworfen. Nach langwierigen Verhandlungen übernahmen vor fünf Jahren die Anliegerkommunen Trasse und Bahnhöfe. Mithilfe von Land und Kreis investierten sie 3,7 Millionen Euro in den Radweg einschließlich der Brücken.

Neue Rolle "Das wird ein Renner unter den Tourismusangeboten in der Region werden", sagte Landrat Detlef Piepenburg, als er im Juni 2009 zur Eröffnung der Strecke in die Pedale trat. Die Bahnhöfe bekamen neue Rollen zugeteilt und wo noch nicht geschehen, bleibt ihre Zukunft spannend.

Die Geschichte der Unteren Kochertalbahn und ihrer Bahnhöfe von Jagstfeld bis Ohrnberg werden in einer sechsteiligen Serie vorgestellt.

Auf der Spur des "Entenmörders"
Bahnbrücken auf der ehemaligen Schienenstrecke wurden zu Radlerbrücken. Mit Hilfe von Land und Landkreis investierten die Anliegerkommunen insgesamt 3,7 Millionen Euro in den Ausbau der Radwege.Foto: Waltraud Langer
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