Archäologie-Preis löst Diskussion aus

Streit um Nachweis eines Kastells und einer Sternschanze

Von Wolfgang Müller

Archäologie-Preis löst Diskussion aus
Hans Riexinger (rechts) zeigt dem Bad Friedrichshaller Bürgermeister Peter Dolderer seine Funde unter anderem aus der Römerzeit.Foto: Archiv/Rudolf Landauer

Bad friedrichshall/bad wimpfen - Dass der Neckar-Odenwald-Limes von Norden her nicht bei Jagstfeld endet, hat inzwischen gegenteilige Thesen in der wissenschaftlichen Diskussion abgelöst. Grund ist unter anderem der Nachweis eines römischen Kleinkastells im Bad Friedrichshaller Stadtteil Kochendorf. Inzwischen ist eine neue Diskussion entbrannt. Nämlich die nach dem Entdecker des antiken Bauwerks, dessen Fundamente zwischen Bergfriedhof und Lindenberghalle im Boden schlummern.

Für Klaus Riexinger steht fest: "Mein Vater hat das Kastell entdeckt." Tatsächlich macht das Landesdenkmalamt in seinem Nachrichtenblatt vom Oktober 1990 Bodenfunde von Hans Riexinger für die Entdeckung verantwortlich. Auf seinen Hinweis hin habe der Luftbildarchäologe Otto Braasch im Auftrag der Behörde Fotos gemacht, die die Umrisse des Kastells zeigen.

Verleihung Irritiert zeigt sich Klaus Riexinger deshalb darüber, dass mit dem Nachweis des Kleinkastells immer wieder der Name Rudolf Landauer auftaucht. In Zeitungsberichten ebenso wie bei der Verleihung des Landesarchäologiepreises Baden-Württemberg 2008. Den hat der Mosbacher Journalist und Luftbildarchäologe in Stuttgart aus den Händen von Wirtschaftsminister Ernst Pfister erhalten. In der Begründung hieß es unter anderem: "So verdankt ihm die Bodendenkmalpflege (...) den Nachweis eines Kleinkastells in Bad Friedrichshall-Kochendorf".

In einem Schreiben an Klaus Riexinger hat das Wirtschaftsministerium inzwischen bedauert, "wenn bei der Rede von Herrn Wirtschaftsminister Pfister (...) ein unzutreffender Eindruck entstanden sein sollte." Und der ehemalige Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Professor Dieter Planck, schrieb: "Die Entdeckung des Kastells ist auf jeden Fall mit den Namen Riexinger und Braasch verbunden."

Planck betonte aber auch, dass das Kastell bei der Verleihung "eine untergeordnete Rolle" gespielt habe. Landauer habe den Preis " aufgrund seiner Vermittlung von Archäologie an die breite Öffentlichkeit in Sonderausstellungen und Vorträgen, die er über 20 Jahre im Raum gemacht hat", erhalten. Dass Landauer den Preis verdient hat, zweifelt Klaus Riexinger nicht an.

Unverständnis Der Preisträger selbst versteht die Aufregung nicht. Landauer versichert, in jedem seiner Vorträge Hans Riexinger als Entdecker des Kastells genannt zu haben. Auch in seinem Buch "Von oben gesehen" bezieht sich Landauer explizit auf die Funde von Riexinger. Landauer betont aber auch, dass er zeitgleich mit Otto Braasch Luftaufnahmen von den Umrissen des Kastells gemacht habe. Den Hinweis, um das fragliche Gelände gezielt ansteuern zu können, habe er vom Bad Rappenauer Hobby-Archäologe Dr. Hans Heinz Hartmann erhalten.

Unstrittig ist, dass Landauer auf einen Hinweis von Hartmann als erster die Umrisse eines im Boden verborgenen römischen Kornspeichers bei Bad Rappenau aus der Luft fotografiert hat. Dass der Mosbacher aber auch die Sternschanze aus dem Dreißigjährigen Krieg bei Bad Wimpfen nachgewiesen haben soll, wie es in der Begründung für den Landesarchäologiepreis weiter heißt, stellt Dr. Rainer Ruschke aus Bad Wimpfen in Abrede. Tatsächlich geht aus seinem Schriftwechsel mit Professor Planck aus dem Jahr 1984 hervor, dass Ruschke und Rolf Gensheimer zeitgleich die Schanze aus der Luft entdeckt haben.

"Eine merkwürdige Formulierung", so Landauer. Immerhin, so der Luftbildarchäologe, "ist diese Schanze in den Akten der Stadt Bad Wimpfen seit dem Dreißigjährigen Krieg bekannt, so dass sie nicht neu entdeckt werden musste". Er werde auch in Zukunft seine Forschungsarbeiten fortsetzen und sich nicht dafür rechtfertigen. Aktuell beschäftigt sich der Mosbacher unter anderem mit dem Verlauf des obergermanisch-rätischen Limes.

Archäologie-Preis löst Diskussion aus
Rudolf Landauer forscht auch mit antiker Vermessungstechnik.Foto: Müller