Amorbach hat nun sein kleines Rathaus

Verwaltungsstelle in größeren Räumen - Gastgeb als Ansprechpartner

Von Christian Gleichauf

Amorbach hat nun sein kleines Rathaus
Die Arbeit hat schon begonnen: Bettina Mengers Stempel sind griffbereit. Dahinter stehen der neue Ansprechpartner Andreas Gastgeb (links), die neue Verwaltungskraft Claudia Wolfgarten und Oberbürgermeister Joachim Scholz.Fotos: Christian Gleichauf

Neckarsulm - Das Wahlversprechen des Neckarsulmer Oberbürgermeisters wurde eingelöst: Seit gestern können die Amorbacher mit nahezu allen Angelegenheiten zu ihrer Verwaltungsstelle in die Lautenbacher Straße 51 kommen und finden dort mit Andreas Gastgeb eine Person, die sich für ihre Belange einsetzt.

Bei der offiziellen Eröffnung vermied OB Joachim Scholz allerdings das Wort Kümmerer. Den Begriff hatte er vor anderthalb Jahren geprägt - doch derjenige, der den Titel jetzt tragen soll, ist nicht rundum zufrieden damit. "Wir überlassen es den Amorbachern", sagte Andreas Gastgeb diplomatisch. "Ich versuche einfach, den Bürgern hier mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, und wenn sie mich dann irgendwann aus Überzeugung Kümmerer nennen, dann ist das völlig in Ordnung."

Ohnehin hat sich die Idee des zentralen Ansprechpartners seit ihrer ersten Diskussion kontinuierlich verändert. "Der Impuls kam ja von den Amorbachern selbst", erklärt Scholz. "Doch anfangs dachte ich, dass diese Funktion ehrenamtlich ausgefüllt werden kann." Nicht zuletzt Gastgeb selbst habe dafür plädiert, Personal aufzustocken, um der Sache gerecht zu werden.

Mehr Stellen Der Obereisesheimer Ortsvorsteher wird künftig also zur Hälfte für seinen bisherigen Teilort zuständig sein, zur anderen Hälfte für die Amorbacher. Nominell bleibe der Personalstand in Obereisesheim aber bei drei Vollzeitstellen. "Viele Obereisesheimer haben mich gefragt, ob ich bisher nichts geschafft habe, wenn ich jetzt einfach auf die Hälfte reduzieren kann", erzählt Gastgeb. Doch man müsse die Kette anschauen. Neu in die Obereisesheimer Verwaltung kommt Sylke Bauer mit einer halben Stelle, Beate Spohn bleibt und Patrick Dillig übernimmt einige der bisherigen Aufgaben Gastgebs.

In Amorbach wurde deutlich aufgestockt. Zusätzlich zur bisherigen Leiterin Bettina Menger kommt Claudia Wolfgarten mit einer halben Stelle und eben Gastgeb selbst. Damit habe Amorbach nun eine Betreuung, die in etwa der Einwohnerzahl entspreche, ohne dass Obereisesheim darunter leiden müsse, so Gastgeb. "Dass der Gemeinderat hier mitgezogen hat, war nicht selbstverständlich", sagte Scholz.

Mitentscheidend war vielleicht, dass die alte Verwaltungsstelle im Erdgeschoss kaum mehr den Anforderungen der Zeit entsprochen hatte. "Wenn Frau Menger im Gespräch mit Bürgern war, haben die Wartenden alle mitgehört. Datenschutzrechtlich ist so etwas schon bedenklich", erzählt Scholz.

Tolle Aussicht Nun gibt es Platz und obendrein eine schöne Aussicht auf Amorbach. Das Besprechungszimmer hat es dem OB besonders angetan. "So schöne Büros haben wir beide nicht", sagte er an die Adresse von Baubürgermeister Klaus Grabbe.

Ein Säckchen Salz gab es zum Einzug vom Nachbarn. Walter Krinke, der seit zehn Jahren Ortsvorsteher im angrenzenden Bad Friedrichshaller Ortsteil Plattenwald ist, wünschte Gastgeb viel Erfolg. "In Gesprächen mit den Amorbachern habe ich das oft gehört, dass eine Anlaufstelle, wie wir sie im Plattenwald haben, hier fehlte."

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Nachbar: Plattenwalds Ortsvorsteher Walter Krinke (li.) übergibt Andreas Gastgeb ein Säckchen Salz zum Einzug.
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Vor wenigen Wochen der Umzug: Aus dem Erdgeschoss ging es in den vierten Stock des Gebäudes. Foto: Ulrike Kugler