Unbekannte sprühen Hakenkreuze

Neckarsulm  Die Stadtverwaltung und Polizei in Neckarsulm bewerten die Schmierereien in Amorbach als Einzelfall. Dennoch lösen die Nazisymbole Unbehagen aus.

Von unserer Redakteurin Julia Neuert

Unbekannte sprühen Hakenkreuze
Unbekannte haben vergangenen Woche im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach an Gemeindehaus, Kita und ein Ladengeschäft Hakenkreuze gesprüht.Foto: Gleichauf

Unbekannte haben am vergangenen Wochenende Hakenkreuze im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach gesprüht. Beschmiert wurde die Glastür einer Bäckereifiliale in der Amorbacher Straße, die Wand des evangelischen Gemeindehauses bei der Heilig-Geist-Kirche Amorbach und der Eingangsbereich der Kita Eugen-Bolz-Straße Amorbach. Polizei und Stadtverwaltung beurteilen die Schmierereien als Einzelfall.

Unbehagen

Dennoch lösen die Nazisymbole Unbehagen aus. Die Stimmung sei ohnehin schon angespannt, sagen zumindest einige, die sich öffentlich aber nicht äußern wollen. Erst vor rund zwei Wochen hat der Neckarsulmer Gemeinderat einen Einwohnerantrag, dass kein einziger Flüchtling mehr im Stadtteil untergebracht werden soll (wir berichteten), einstimmig abgelehnt. Rund 770 Amorbacher hatten den Antrag unterzeichnet. Gleichzeitig beschloss der Rat, dass in der Wolgastraße Platz für 40 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung entstehen soll − deutlich weniger als ursprünglich geplant.

Die privaten Eigentümer haben ebenso wie die Stadt als Eigentümerin der Kita Strafanzeige erstattet. "Wir haben relativ wenig Ermittlungsansätze", sagt ein Polizeisprecher. In jüngster Vergangenheit habe es in Amorbach keinen solchen Fall gegeben. Dennoch werde die Anzeige verfolgt, um möglichen rechten Umtrieben keinen Raum zu geben.

Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig will den Vorfall nicht überbewertet sehen. "Das ist sehr unschön. Aber es ist leider so, dass das in Neckarsulm und in anderen Städten mal vorkommt." Einen Zusammenhang zu den jüngsten Entscheidungen herzustellen, hält er für konstruiert. "Wir sehen keine gesonderte Gefährdungslage." Wegen der geplanten Anschlussunterbringung sucht die Stadt das Gespräch mit den Anwohnern, die Gespräche finden kommende Woche statt. "Man muss die Kirche im Dorf lassen", sagt Hertwig. Dieser Auffassung schließt sich auch FWV-Stadtrat Bernhard Kuhn an, dessen Bäckereifiliale betroffen war. "Das ist eher ein dummer Jungenstreich. Ich denke, diejenigen wissen gar nicht, was das zu bedeuten hat."

Ablehnung

Für Andreas Gastgeb, Ortstvorsteher in Obereisesheim und "Kümmerer" in Amorbach, reicht die mögliche Palette hinter dem Vorfall von Zufall bis Zusammenhang − beides sei möglich. "Wenn die Hakenkreuze Folge der Gemeinderatsentscheidung sind, dann entwickelt sich das in die völlig falsche Richtung", sagt er. Reaktionen auf den Ratsbeschluss haben ihn keine erreicht. Andererseits sei eine teilweise ablehnende Haltung gegenüber Flüchtlingen seit dem Antrag, aber auch seit den Landtagswahlen bekannt. "Ich würde mich wohler fühlen, wenn ich wüsste, an welcher Front wir kämpfen", sagt Gastgeb, der sich regelmäßig mit Institutionen und Menschen vor Ort austauscht.

In Obereisesheim gibt es bereits eine Initiative aus FK Asyl, Vereinen und Kirchen, die die Flüchtlinge, die dort ab März untergebracht werden, unterstützen will. Gleiches ist für Amorbach angedacht. "Wir werden die guten Erfahrungen übertragen und die schlechten weglassen."